Die Betriebsversammlung 11-20 (Rohfassung)

Caroline Gottschalk saß in Olaf Grafs Wohnzimmer, schenkte sich den letzten Rest Prosecco ins Glas und kicherte. “Jungs, das war einer meiner besten Arbeitstage! Ich habe endlich mal was Sinnvolles gemacht.”

“Es war auf jeden Fall sehr spannend.” Gregor Bauer nahm noch einen Schluck Bier.

“Es wird aller Voraussicht noch etwas Spannender werden, darauf könnt ihr wetten”, sagte Olaf.

“Ich finde, wir haben unsere Sache gut gemacht. Wir waren ehrlich, haben uns zu erkennen gegeben. Schmidt und Tietz wissen jetzt, wen sie ansprechen müssen, wenn sie Fragen haben. Es war ganz gut, diesen Weg genommen zu haben. Diese anonyme Variante mit Brief über die Gewerkschaft an die Geschäftsführung hat mir nicht gefallen. Es hätte was Weibisches gehabt.”

“Wie meinst du das denn jetzt?” Carolines Stimmung wechselte unmittelbar. “Hast du sie noch alle?”

“Ich meine sowas Hinterhältiges, heimtückisch, sowas wie Giftmord, die Waffe der Frauen.” Gregor ließ es manchmal an rhetorischem Geschick vermissen.

“Das wird ja immer besser! Was hast du denn für ein beschissenes Frauenbild?”

“Ich meine das nicht böse oder so, eher ganz deskriptiv.”

“Deskriptiv?” Caroline runzelte die Stirn.

“Ja, ganz objektiv beschreibend.”

Gregor war mehr als nur ungeschickt. Olaf Graf überlegte, was zu tun sei.

“Was soll denn bitte an der Gleichung Frauen gleich heimtückisch und hinterhältig objektiv beschreibend sein?”

“Lasst uns mal kurz auf heute zurückkommen. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht so sicher, ob der Weg, den wir gewählt haben, der bessere war. Da kommt bestimmt noch viel auf uns zu. Für heute haben wir etwas Zeit gewonnen, aber das war es auch schon.”

“Was soll denn noch kommen? Da hat Gregor doch recht. Die wissen jetzt, wer hinter der Einladung zur Betriebsversammlung steckt und können sich an uns wenden, wenn sie Fragen oder Anregungen haben. Der Tietz war doch total entspannt heute.”

“Anregungen? Was sollten die für Anregungen haben?” Olaf sah fragend zu Caroline. “Die werden uns keine Tipps geben. Das wird in den nächsten Tagen vermutlich ziemlich heftig werden.”

Sowohl Caroline Gottschalk als auch Gregor Bauer sahen den nächsten Tagen weitaus gelassener entgegen als Olaf Graf. Auch wenn sie ein grundsätzlich anderes Frauenbild hatten, so stimmten sie doch darin überein, in Wolfram Tietz einen sehr angenehmen Gesprächspartner zu haben. “Schmidt würde einfach nur brüllen, der Tietz ist freundlich, fragt, ob wir Kaffee wollen und so weiter. Das ist doch super. Gibt’s hier noch irgendwo Prosecco oder sowas?”

“Ich habe irgendwo noch Baileys. Willst du ein Glas?”

“Würde ich nehmen! Bin schon beschwipst.” Caroline kicherte wieder.

“Ich noch ein Bier, wenn noch welches da ist.”

Olaf ging in die Küche, schenkte ein kräftiges Glas Baileys ein, froh darüber, das in seinen Augen viel zu süße Zeug endlich loszuwerden. Es war von einer Party übrig geblieben. Er nahm zudem noch zwei Bier aus dem Kühlschrank, öffnete sie und ging mit allem ins Wohnzimmer zurück. “Ich bin mir sicher, der Tietz ist viel gefährlicher als der trampelnde Schmidt.”

“Also wenn der Schmidt mich anschreit, dann kriege ich Schiss. Den Tietz wickele ich um den Finger.”

Olaf Graf reichte Caroline das Glas. “Was? Der Schmidt schreit dich an? Warum das denn?”

“Immer mal wieder. Neulich zum Beispiel habe ich eine Anzeige im Internet falsch geschaltet, da ist der total ausgerastet, dabei war sie noch nicht mal online gegangen. Ob er nur von Idioten umgeben sei, ob ich ihn ruinieren möchte, ob ich absichtlich so eine Scheiße mache und so weiter und so fort. Macht der das mit euch nicht?”

“Mit mir nicht. Mit dir?” Olaf Graf sah zu Gregor Bauer.

“Selten.”

“Wie? Selten? Ihr lasst euch von dem anschreien?”

“Mich wundert jetzt eher, dass er das mit dir nicht macht. Dich mag er doch überhaupt nicht.” Caroline Gottschalk leckte sich den Baileys von den Lippen.

“Mich mag er nicht? Woher weißt du das denn?”

“Hat er mir mal gesagt. Du wärst ein Streberarschloch.”

Der Nachmittag ging in den Abend über und mit jedem Satz der zwischen den dreien geäußert wurde, wurde es etwas interessanter.

Olaf Graf hatte für seinen Chef wenig übrig. Nicht ohne Grund war es Olaf gewesen, der erste Schritte in die Richtung der Gründung eines Betriebsrates gegangen war. Er war zur Gewerkschaft gegangen und hatte sich erkundigt, er hatte Kollegen angesprochen und zu Treffen in kleinem Kreis eingeladen, die bei allen Beteiligten ein angenehmes Gefühl von Konspiration und Subversion hinterlassen hatte. Endlich tat sich etwas. Er war die treibende Kraft hinter den Ereignissen.

Die Redaktion eines Lokalblattes, für das er sieben Jahre gearbeitet hatte, hatte ihn vor drei Jahren entlassen. Ganz im Trend der Zeit hatte die Zeitung mit zwei anderen Zeitungen fusioniert, sie hatte daher plötzlich alles dreifach. Nach der Fusion kam daher die betriebswirtschaftliche Schlankheitskur. Ein weiterer Trend der Zeit ging zum Outsourcing. Er war mit seinen sechsunddreißig Jahren noch relativ jung und so hatte es ihn getroffen. Es war ihm angeboten worden, freiberuflich weiterhin für seinen Zeitungsverlag tätig zu sein. Er hatte es versucht, aber schnell bemerkt, wie wenig auskömmlich das war. Tag und Nacht schreiben, deutlich mehr arbeiten für den bloßen Statuserhalt, das passte zur allgemeinen Gürtel-enger-schnallen-Rhetorik, die zum damaligen Zeitpunkt die Republik fest im Griff hielt.

Zudem musste er als Freiberufler noch stärker Rücksicht nehmen auf die möglichen Interessen anderer als damals als fest angestellter Redakteur. Auf gar keinen Fall durfte er mit seiner journalistischen Arbeit einen möglichen Arbeitgeber brüskieren. Und möglicher Arbeitgeber konnte im Prinzip jeder sein. Neben dem hohen Arbeitspensum und der mangelhaften Absicherung als Freiberufler war es diese berühmte Schere im Kopf, die Olaf dazu brachte, sich nach einem anderen Job umzusehen. Seine anbiedernden Schreibereien kotzten ihn in zunehmendem Maße an und es blieb ihm nicht verborgen, dass damit einhergehend sich sein Bierkonsum symmetrisch zum Gefühl der Selbstverachtung steigerte. Es musste etwas passieren. Werbetexter schien ihm nicht verkehrt, schließlich waren seine ganzen journalistischen Erzeugnisse seit seinem unfreiwilligen Freiberuflertum im Grunde nichts anderes als getarnte Werbetexte, mal zum Thema private Vorsorge, mal zum Thema Privatisierung des kommunalen Wohnungsbaus, mal zum Thema der Staat als Dienstleister im Vergleich mit privaten Anbietern. Dann lieber richtig Werbung machen, da war die Unwahrheit wenigstens nicht gelogen, sondern nur genrespezifisch. Wer den Anspruch hatte, ein Werbtext müsse wahr sein, der hatte sie einfach nicht mehr alle. An journalistische Texte hatte man andere Anforderungen. Noch, zumindest.

Neunzehn Monate war Olaf jetzt bei der SCHOW GmbH. Alles, was er bisher von Werbeagenturen im Hinblick auf Kreativität und gestalterischen Freiraum gedacht hatte, erwies sich ab der ersten Sekunde als falsch. Hier war nichts kreativ, hier gab es keine Freiräume, hier wurden lediglich Textbausteine an schematische Vermarktungsstrategien angepasst. Dafür erwies sich jedes negative Klischee als wahr. Er war mit der älteste Mitarbeiter, kaum jemand war über dreißig, bis auf wenige Ausnahmen war keiner seiner Kollegen länger als zwei Jahre in der Firma. Alle schienen in irgendeiner Weise auf dem Sprung, in Wartestellung auf einen besseren Job, alle hofften, die Zeit nach SCHOW würde echter, wirklicher, das wahre Leben würde dann endlich doch noch beginnen. Ihm erging es nicht anders. Nach zwei Tagen in der Firma hatte er daher seine Bewerbungsanstrengungen wieder aufgenommen. Hier wollte er nicht bleiben. Dieses arrogante Arschloch von Schmidt wollte er nicht reich machen. Der hatte ihn gleich am zweiten Tag wissen lassen, dass er nichts von Olaf Graf hielt, dass er sich nichts einbilden müsse auf sein Studium und seine Erfahrung. Hier wären alle gleich und gemessen würde allein am Umsatz. “Du musst dich rechnen, sonst kann dich die Firma nicht tragen. Wir sind nicht das Sozialamt. Jeder muss sich hier sein Gehalt durch Produktivität erarbeiten”, hatte Schmidt ihn unmittelbar wissen lassen. Ebenfalls unmittelbar hatte Olaf Graf Schmidt für einen Vollidioten gehalten. Auf ganz offensichtliche Widersprüche in Schmidts Argumentation hinzuweisen hatte Olaf verzichtet, schließlich war er noch in der Probezeit.

Doch als nun Caroline Gottschalk von Prosecco und Baileys schon recht beschwipst Olaf darüber informierte, er sei in Schmidts Augen ein Sterberarschloch, war er zutiefst gekränkt. Er fühlte sich persönlich getroffen. Vor allem aber hatte Schmidt Olafs Ansicht nach, seine Auffassung keiner Kollegin mitzuteilen. Was ging das die Gottschalk an? Was war das denn für eine Personalpolitik? Dabei übersah Olaf Graf jedoch für einen Moment, auch ihm hatte Roland Schmidt seine Meinung über nahezu alle Mitarbeiter anvertraut. Diese Meinung war immer ebenso wohlbegründet wie negativ. Zwar war es Olaf Graf immer unangenehm gewesen, wenn Schmidt in seiner Gegenwart über die Kollegen vom Leder zog. Doch hatte er daraus leichtsinnigerweise umgekehrt geschlossen, Schmidt würde ihn schätzen.

Jetzt, mit einigen Bier im Kopf, bellte er nur dagegen an. Was der Schmidt für ein Oberdepp sei, wie beschissen der seine Firma führe, wie dämlich dieser Typ überhaupt daherredet. Zunächst fiel Caroline Gottschalk, dann auch Gregor Bauer in das kathartische Mantra mit ein.

Am nächsten Tag überdachte er seine Position nochmals und kam ganz nüchtern zu einem anderen Ergebnis. Es war ein fast schon kluger Trick, ein Gefühl von persönlicher Vertrautheit mit dem Chef herzustellen, indem dieser über die persönlichen Unzulänglichkeiten der anderen Mitarbeiter informierte.

Morgengrauen. Ein Wirbelsturm der Gedanken tobte in Roland Schmidts Kopf. Ideen zu einer Hurensuchmaschine wechselten sich ab mit Ideen zu Umbaumaßnahmen zur Effizienzsteigerung der Mitarbeiter, die wiederum von der Vorstellung abgelöst wurde, er könne endlich seinem Kontrahenten OTR-Werbung den Hauptkunden abspenstig machen, was zum Bankrott von OTR führen würde. Er würde dann in einer Geste der Großzügigkeit mit aller Herablassung dem jetzigen Inhaber von OTR Thorsten Blunk eine Anstellung anbieten. Insbesondere dieser Gedanke raubte ihm durch seine sadistische Süße den Schlaf. Es erregte ihn, allerdings nicht sexuell.

Schon seit etwa zwanzig Minuten werkelte Sonja unter der Bettdecke vor sich hin, rieb Rolands Schwanz, nahm ihn in den Mund, kraulte seine Eier, zwickte ihn in die Nippel, doch all ihre Bemühungen wollten nicht fruchten. Es tat sich nichts, denn Roland war eingetaucht in ein Meer aus Gedanken. Im Gegenteil störte es ihn. Roland Schmidt passte daher einen Moment ab, in dem Sonja seinen Schwanz nicht im Mund hatte und ein reflexartiges Zubeißen lediglich ihre Zunge oder Lippe, nicht aber seine Männlichkeit verletzten konnte, und haute ihr dann mit einem Buch auf den Kopf.

“Aua! Was soll denn das?” Sonja Zand kroch unter der Bettdecke hervor.

“Du machst das völlig falsch, merkst du das denn nicht?”

“Ich habe mir auf die Zunge gebissen wegen dir!”

“Ich habe wichtigeres im Kopf!” Roland Schmidt drehte sich aus dem Bett, griff mit dem Fuß nach einer Boxershorts und zog sie an.

Sonja Zand war eine Mitarbeiterin bei der SCHOW GmbH. Eine der wenigen langjährigen Mitarbeiterinnen. Sie hatte als Sachbearbeiterin angefangen, witterte ihre persönliche Karrierechance in dem Moment, als Roland Schmidt vor nunmehr sieben Jahren einen Moment zu lange auf ihr Dekolletee gestarrt hatte. Von diesem Moment an wusste sie zahllose Gelegenheiten zu finden, bei denen Roland mal gucken durfte. Immer wieder hatte sie einen Vorwand gefunden, ihn sprechen zu müssen. Sonja war nicht das hellste Licht in der Galaxis, für ihre Zwecke schien es ihr jedoch ausgesprochen hilfreich, auch ihr ganz leichtes Glimmen unter den Scheffel zu stellen. Immer wieder saß sie bei Roland Schmidt im Büro und ließ sich Fragen zu ihrer Arbeit beantworten, deren Antwort sie schon längst wusste.

Nach einiger Zeit hatte Sonja ihre feste Uhrzeit. Sie kam pünktlich um halb zwölf tief dekolletiert in Rolands Büro, setzte sich ihm gegenüber an den Schreibtisch, verschränkte die Arme unter der Brust, legte sich mit den Armen auf den Tisch, so dass aus viel noch etwas mehr und ein tiefer Einblick möglich wurde. Sie legte den Kopf zur Seite, damit Roland ihren Hals sehen konnte, sah von unten zu ihm auf und ließ sich alles erklären: die Firma, das Internet, die Welt, alles. Manchmal sagte sie “Du bist so süß!”, oder “Was du alles weißt!”

Mit all dieser Berechnung schaffte Sonja Zand ein kleines Wunder, denn zum ersten Mal in seinem Leben war Roland Schmidt in der Lage, so etwas wie Nähe zuzulassen.

Was Roland Schmidt nicht wusste, war, wie sehr Sonja ihr Verhältnis zu strategischen Zwecken einzusetzen wusste. Neuen Mitarbeitern stellte sie sich als ‘inoffizielle Geschäftsführerin’ vor und in relativ kurzen Abständen stellte sie ihre Macht unter Beweis, indem sie dafür sorgte, dass mal dieser und mal jene gehen mussten.

Sexuell befriedigend war die Beziehung für Sonja nicht, denn Roland pflegte die Kultur der Fünf-Minuten-Erotik. Warum sollte man sich länger mit etwas aufhalten, wenn man auch direkt zum Ziel kommen konnte. Auch in der Sexualität schätzte Roland Schmidt Effizienz und Flexibilität, weshalb Sonja öfter mal unter Rolands Schreibtisch kniete, während dieser die Hosen runter gezogen hatte und oben weiter googelte. Sonja machte diese Spiele mit. Nicht weil sie ihr gefielen oder ihr Befriedigung schenkten, sondern weil sich dadurch ihre Macht und ihr Einfluss vergrößerte. Selbst der Tietz musste inzwischen mit ihr rechnen.  Es war ihr egal, dass sie als Preis für diese Macht von Roland Schmidt ziemlich oft ziemlich schlecht behandelt wurde. So wie jetzt eben.

“Guck mal meine Zunge! Kann man da was sehen?” Sonja streckte Roland die Zunge raus.

Er beugte sich nach vorne, nahm Sonjas Zunge in Augenschein und verneinte.

“Wie findest du eigentlich diese Idee mit dem Betriebsrat”, wollte Sonja wissen. Sie hatte sich noch nicht positioniert, da sie nicht einschätzen konnte, welches Echo die Gründung eines Betriebsrates nach sich ziehen würde.

“Da kümmert sich der Tietz drum, das ist schon erledigt. Die fliegen raus. Komm jetzt, lass uns ins Büro gehen.”

Damit war Sonja klar, welche Meinung sie sich anzueignen hatte.

Als Caroline Gottschalk die gläserne Tür zur SCHOW GmbH aufzog, durchfuhr sie ein stechender Schmerz direkt über der rechten Augenbraue. Sie fühlte sich heute gar nicht gut, hatte Probleme mit dem Kreislauf, der auch nach der dritten Tasse Kaffee nicht in Schwung gekommen war. Das mit dem Baileys hätte sie lassen sollen. Sie bereute, sich gestern einfach so dem Genuss und dem Gefühl des Berauschtseins hingegeben zu haben.  Sie konnte sich noch daran erinnern, wie kräftig und machtvoll sie sich im Rausch gefühlt hatte, als sie sich gemeinsam mit Olaf und Gregor über Roland Schmidts Unzulänglichkeiten ausgelassen hatten. Über seinen Größenwahn, seine Selbstwahrnehmung als Genie und kreativer Tausendsassa, seine abstruse Selbstwahrnehmung als generöser und total cooler Chef, wohingegen er für sie doch nur ein piefeliger Kleingeist und spießiger Erbsenzähler war, der ständig aufs Geld schielte. Sie erinnerte sich noch dunkel an das gute Gefühl, als sie sich über die Allüren der Sonja Zand lustig gemacht hatten, die, das war das Bild, das ihnen passend erschienen war, wie eine barocke Herzogin die Kollegen wie Domestiken statt wie Mitarbeiter behandelte. Eine völlig affige Person, lächerlich und heimtückisch zugleich, eine gefährliche Mischung.

Jetzt, im eigentlichen Wortsinn nüchtern betrachtet, erschienen ihr diese Auslassungen zwar nicht im Grundsatz falsch, in ihrer Art fand Caroline sie jedoch nun kindisch und sie schämte sich dafür, sich so gehen gelassen zu haben. Sie war schon durch die Tür hindurch gegangen, als sie sich noch einmal umdrehte, wodurch der Schmerz über ihrer Braue noch einmal heftig aufbebte. Irgendetwas fehlte. Richtig! Der Aushang, die Einladung zur Betriebsversammlung war entfernt worden. Man sah noch die Klebestreifen, die sie in jeder Ecke angebracht hatten und unter jedem Streifen klebte ein kleines Dreieck aus Papier. Aber der Hauptteil fehlte.

Sollte es das schon gewesen sein? In dem Zustand, in dem sie sich befand, wäre es Caroline Gottschalk recht gewesen. Im Gegensatz zu gestern fühlte sie sich heute nicht sehr kämpferisch. Sie hätte es gut gefunden, heute in Ruhe vor sich hin leiden zu dürfen.

Als sie den Flur zu ihrem Büro betrat, waren dort Umbaumaßnahmen in vollem Gange. Vier Praktikanten verschoben Tische, installierten Monitore und Computer, rückten Stühle und Schreibtischcontainer, kurz: Sie versuchten in einer Nische neben der Küche zwei Arbeitsplätze einzurichten.

“Was wird das denn, wenn es fertig ist?”, fragte Caroline.

“Olaf soll hier sitzen. Und noch einer, wer ist aber noch unklar.”

“Hier? Wie soll man denn hier arbeiten? Das ist doch praktisch auf dem Gang. Hier muss doch jeder fünf mal am Tag vorbei!”

“Wir machen nur, was uns gesagt wird. Der Tietz will das so. Sei für alle besser”, sagte der sympathische und gut aussehende Julius George, der heute seine Praktikum mit Aussicht auf Festanstellung angetreten hatte. Er versuchte einige Kabel so zu platzieren, dass niemand darüber stolpern konnte, was aber aufgrund der Enge nicht gelang.

Caroline war irritiert. Sie ging in ihr Büro und fuhr den PC hoch. Kurz darauf wurde sie durch eine Mail noch irritierter, die von Sabine Müller aus der Personalabteilung kam. Bis 13 Uhr sollte jeder einmal kurz in der Personalabteilung vorgesprochen haben. Es ging um den Dienstplan für den Tag der Betriebsversammlung. Laut Mail wollte die Personalabteilung ermitteln, wer beabsichtige auf die Betriebsversammlung zu gehen und wer nicht, um einen Notdienst für diese Zeit einzurichten.

Demnach war das Vorhaben doch nicht abgeblasen, schloss Caroline. Sie kramte in ihrer Tasche in der Hoffnung, dort eine Aspirin zu finden. Sie hatte das dumpfe Gefühl, sich heute keinen Durchhänger leisten zu können. Sie wurde fündig, und nachdem sie die Tablette eingenommen hatte, griff sie zum Telefonhörer und wählte die Nummer von Olaf Graf.

“Was passiert hier?”, wollte sie wissen.

“Keine Ahnung, aber es passiert was. Ich soll umziehen und unten auf dem Gang arbeiten.”

“Ja, das habe ich schon gesehen. Komisch. Hast du die Mail gelesen. Jeder soll nach oben kommen und sich zur Teilnahme an der Betriebsversammlung äußern.”

“Da ist was im Busch, ich weiß nur noch nicht, was”, meinte Olaf Graf.

“Ich dachte schon, es sei vorbei. Unser Aushang ist nicht mehr da.”

“Bring ihn wieder an. Und sag mal, hast du zufällig eine Aspirin für mich?”

Jetzt war er wirklich sauer. Roland Schmidt warf die Maus neben die Tastatur auf den Tisch. Er hatte Tietz in der vergangenen Stunde schon drei Emails geschrieben und ihn mehrfach versucht anzurufen. Auf die Emails hatte er bis jetzt noch keine Antwort bekommen und das Telefon war auf die Zentrale umgeleitet. Dabei fühlte er sich gerade so im Fluss, fühlte, wie die Ideen in ihn einströmten. Er wollte sich mitteilen.  Schmidt wollte seine Erkenntnisse weitergeben und brauchte ein positives, verstärkendes Feedback. Eine eben gewonnene Erkenntnis war die Einsicht, dass flache Hierarchien doch keine so gute Idee seien. Schmidt musste sich gegenüber zugeben, zwar nicht völlig falsch gelegen, doch einige Aspekte außer Acht gelassen zu haben. Es musste Strukturen geben, darauf hätte ihn der Tietz eigentlich aufmerksam machen müssen. Das Internet war schließlich auch hierarchisch aufgebaut und funktionierte ausgezeichnet. Warum sollte er sich daran kein Beispiel nehmen und seine Firma nicht analog zum Internet strukturieren, schließlich war die SCHOW GmbH eine Internetfirma. Der Gedanke war genial, er wollte Tietz mit der Umsetzung beauftragen, doch der rief nicht zurück! Die Formulierung “analog zum Internet” kritzelte er auf einen Zettel. Mit dieser Doppeldeutigkeit des Wortes ‘analog’ im Zusammenhang mit Internet müsste man was machen. Eine herausragend pointierte Formulierung, die ihm da eingefallen war. Da sollte der Olaf Graf was Schönes basteln, schließlich war der Texter. Ist eigentlich sein Job, auf sowas zu kommen. Warum fiel dem nie was Geniales ein, warum musste er als Chef eigentlich alles selbst machen? Und warum meldet der Tietz sich nicht. Warum bezahle ich die Leute hier überhaupt, wenn hier niemand mitdenkt? Roland Schmidts Gefühl, allein gelassen zu sein, war echt. Echt war auch die Wut, die sich an dieses Gefühl anschloss. Entsprechend hart knallte die Maus auf dem Tisch auf.

“Scheiße! Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt zum Tietz laufen muss!”, fluchte Roland Schmidt, schlüpfte in seine Birkenstocksandalen und lief zum Tietz.

Wenn er schon sein Büro verlassen musste, dann könnte er auch die große Runde machen, dachte er bei sich. Er nahm sich vor, den längeren Weg zu nehmen, um sich gleich noch einen Überblick zu verschaffen. Früher hatte er das täglich gemacht, einmal am Vormittag Durchmarsch durch die Büros. Diese Gewohnheit hatte er einschlafen lassen, er wusste selbst nicht warum. Er hatte eben die ersten Büros passiert, da fiel ihm die veränderte Atmosphäre auf. Es lag eine gewisse Spannung in der Luft. Seine Angestellten standen zusammen und unterhielten sich statt vor ihren Bildschirmen zu sitzen und zu arbeiten. Und da vorne, Roland Schmidt traute seinen Augen nicht, da saß Olaf Graf auf dem Gang und tippte vor sich hin.

“Warum sitzt du hier mitten auf dem Gang?”, wollte er von Olaf wissen.

“Anweisung vom Tietz. Sei besser so. Sei auch nicht mitten auf dem Gang, sondern in der Nische, meint der.”

“Ach so? Na dann!  Ich hab hier übrigens was für dich. Bau das irgendwo ein, wo es passt.” Roland Schmidt legte einen Notizzettel auf Olafs Schreibtisch. Olaf beugte sich nach vorne und las “analog zum Internet”. Olaf Graf sah zu Roland Schmidt.

“Hab ich geniale Ideen oder hab ich geniale Ideen?” fragte Roland und hob die Arme zur Siegerpose.

“Ja, genial!”, sagte Olaf und dachte so etwas wie ‘Du armes Würstchen’.

Sein weiterer Weg führte Roland Schmidt durch das Foyer. Am Eingang hing wieder der Aushang mit der Einladung zur Betriebsversammlung, den er persönlich am Morgen entfernt hatte. Da erlaubte sich wohl jemand einen allzu blöden Scherz. Roland Schmidt griff zu und riss das Ding herunter, zerknüllte es und warf es in die Ecke.

Kurz darauf kam er in der Personalabteilung an. Zu seinem Erstaunen versammelte sich hier ein Großteil des Personals. Einige beugten sich vor dem Schreibtisch von Sabine Müller über eine Liste und machten Kreuzchen, andere saßen oder standen und schienen auf etwas zu warten.

“Was ist hier los?”, wollte Schmidt von Sabine Müller wissen.

“Wir machen eine Liste wegen der Betriebsversammlung”, war ihre Antwort.

“Die ist doch längst abgeblasen!”

“Davon weiß ich nichts. Tietz will die Liste haben. Und mit einigen will er noch persönlich sprechen. Die da drüben, die warten alle, bis sie endlich dran sind.”

Roland Schmidt wurde rot vor Wut. Er ging zu Tietz’ Büro und riss die Tür auf. Tietz redete gerade in väterlichem Ton auf Miriam ein, die bei Caroline Gottschalk im Büro saß.

“Du erklärst mir sofort, was das hier soll!”, schrie Roland Schmidt Wolfram Tietz an.

“Wir können nachher weiterreden, danke!”, sagte Wolfram Tietz zu Miriam gewandt. Miriam schaute irritiert, erhob sich und verließ das Zimmer. Vielleicht, so dachte sie auf dem Weg in ihr mit Caroline Gottschalk geteiltes Büro bei sich, vielleicht ist das mit dem Betriebsrat doch keine so gute Idee. Gestern und auch heute morgen noch, war Miriam voll und ganz für einen Betriebsrat gewesen. Sie fand die Idee gut, einen Arbeitnehmervertretung zu haben, schließlich hatte sie in Auseinandersetzungen mit sowohl Tietz als auch Schmidt schon mehrfach in Dinge eingewilligt, die dann zu ihrem Nachteil waren. Doch nach diesem Gespräch sah das Ganze schon ganz anders aus. Tietz jedenfalls hatte relativ schwerwiegende Argumente vorgebracht, die gegen ein solches Gremium sprachen. Miriam nahm sich vor, mit Caroline zu reden.

So fanden gleichzeitig zwei Gespräche statt. Denn während sich Miriam mit Caroline über das Für und Wider eines Betriebsrates unterhielt, informierte Wolfram Tietz Roland Schmidt darüber, wie man eine solche Interessenvertretung auf jeden Fall verhindere und warum das nicht so einfach in einem Tag zu machen sei.

Er habe, so ließ Tietz Roland Schmidt wissen, den Anführer ausgemacht. Es sei Olaf Graf. Er führe das Wort, die anderen beiden agierten eher im Hintergrund, wären vermutlich bloße Mitläufer.

Gleichzeitig, aber zwei Etagen tiefer, teilte Miriam ihrer Kollegin Caroline Gottschalk mit, so ein Betriebsrat sei schon eine sehr teure Angelegenheit. Der Tietz, so meinte sie, würde sich wirklich Sorgen machen, was da auf die Firma finanziell zukäme. Eventuell müsse nicht nur der Kaffee für die Mitarbeiter gestrichen, sondern sogar Leute entlassen werden. Kaffee streichen, war für Miriam noch tragbar, Leute entlassen dagegen nicht.

Olaf Graf säße jetzt exponiert im Gang, wurde Roland Schmidt in diesem Moment von Wolfram Tietz unterrichtet. Das sei Absicht, man könne das nutzen, falls die Situation weiter eskalieren sollte. Wolfram Tietz erklärte seine Strategie. Er ließe gerade eine Liste erstellen, welche Mitarbeiter die Absicht hätten, zur Betriebsversammlung zu gehen und welche nicht. Da hätte man dann schon mal eine Übersicht über die Sympathisanten. Den Einwand Roland Schmidts, da könnten auch Mitarbeiter dabei sein, die auf der Veranstaltung gegen die Gründung eines Betriebsrates seien, wischte Tietz beiseite. Wer keinen Betriebsrat wolle, ginge da nicht hin. Und falls doch, wäre derjenige selbst schuld, wenn er zum Kollateralschaden würde. Zunächst mal sei es auch noch gar nicht so weit. Die engeren Kollegen von Gottschalk und Co. seien von ihm persönlich über die Problematik eines Betriebsrates informiert worden. Die würden gerade in diesem Moment sicher schon die Interessen der Firma vertreten.

Und in der Tat gab Miriam gerade Caroline Gottschalk ihre neuerlich gewonnenen Bedenken zu Gehör. “Das wird unglaublich teuer! All die Kurse, die die Firma dann für euch bezahlen muss. Das kann hier Köpfe kosten. Dann müssen die anderen mehr arbeiten, nur weil ihr euren Spaß haben wollt. Ihr seid unkündbar, euch kann nichts passieren, aber all den anderen. Hast du eigentlich mal an uns gedacht? All die Praktikanten, die auf eine feste Stelle hoffen. Ihr verbaut denen die Zukunft mit eurem Betriebsrat.”

Caroline war mehr als überrascht über den plötzlichen Sinneswandel Miriams, die bis gestern noch von der Idee einer Interessenvertretung nicht nur begeistert, sondern sich sogar kämpferisch gegeben hatte.

“Lass uns nachher mal reden, ich muss jetzt hier noch was fertig machen”, sagte Caroline mit Blick auf ihren Monitor. Sie wollte etwas Zeit gewinnen, um Argumente zu sammeln, vor allem aber, um sich von der überraschenden Wendung zu erholen. In einer Email an Gregor Bauer und Olaf Graf informierte sie über die Geschehnisse und bat um Rat. Sie hatte das Gefühl, Miriam, die sie doch als so verlässlich eingeschätzt hatte, fiele ihr nun plötzlich grundlos in den Rücken. Das Schweigen im Raum machte unglaublichen Lärm.

In Wolfram Tietz’ Büro war ebenfalls Stille eingekehrt. Roland Schmidt überlegte, nachdem Tietz seinen Plan vor ihm ausgebreitet hatte. “Das bringt die Firma im Ernstfall doch für Wochen völlig durcheinander”, meinte er nach einigen Momenten.

“Hält die Firma aber frei von einer Mitarbeitervertretung”, entgegnete Tietz.  Er hatte auf dem Weg zur Arbeit über ein alternatives Wort für Betriebsrat ohne S nachgedacht.

Es klopfte und Sabine Müller steckte ihren Kopf herein. “Soll ich die anderen, die hier noch warten, wieder an die Arbeit schicken?”

“Nein, nein, wir haben die Dinge erledigt. Roland geht gleich. Wir haben fertig.” Tietz war Giovanni Trapattoni für sein s-freies Deutsch-als-Fremdsprache-Missgeschick dankbar.

Roland stand auf. Er war einerseits froh, Tietz zu haben. Andererseits wuchs seine Wut auf Caroline Gottschalk, Gregor Bauer und insbesondere auf Olaf Graf. Auf seinem Weg zurück in sein Büro machte er an dessen Schreibtisch kurz halt.

“Wir machen euch sowas von fertig”, zischte Roland, griff nach dem Zettel mit der genialen Formulierung ‘analog zum Internet’, der noch immer auf dem Schreibtisch neben dem Bildschirm lag, zerriss ihn in kleine Stückchen und warf sie Olaf Graf ins Gesicht. “Du verdienst es nicht, hier zu arbeiten!”

Olaf hatte plötzlich eine Idee, warum Tietz es so viel besser fand, wenn er hier auf dem Gang arbeitete.

Es war nicht nur Miriam, die inzwischen ihre Haltung zur Gründung eines Betriebsrates geändert hatte. Eine große Zahl an Mails aus den Reihen der Mitarbeiter war an alle drei ergangen. Das Meinungsspektrum begann sich aufzufächern. Noch immer gab es zahlreiche Unterstützer, doch die Anzahl der kritischen Stimmen wurde größer, die Kritik lauter. Am Nachmittag, es war noch zwei Stunden bis zum Feierabend, meldete sich auch Wolfram Tietz per Mail. Er wollte wissen, ob die drei eine Entscheidung gefällt hätten. In ausgesucht höflichem Ton gab er seinem Wunsch Ausdruck, sie mögen die Betriebsversammlung doch abblasen. Man könne sich doch sicherlich auch untereinander einigen, und zum Beispiel ein Gremium gründen, das eine die Geschäftsführung beratendene Funktion hätte. Dies wäre ein Zwischending zwischen einer ganz offiziellen Arbeitnehmervertretung und dem jetzigen Zustand, in dem es nur informelle Wege gebe.

Die drei berieten sich einen Moment und Olaf Graf schrieb in ebenso ausgesucht höflichem Ton zurück, wie sehr sie dieses Angebot zu schätzen wüssten. Auf die Idee eines beratenden Gremiums seien sie nicht gekommen. Darüber würden sie gleich nach Feierabend beraten und ihm dann umgehend Bescheid geben, sobald eine Entscheidung gefallen sei. Es sähe aber gut auf den ersten Blick ganz aus.

Tietz leitete die Mail an Schmidt weiter, der unmittelbar mit der Frage antwortete, was davon zu halten sei. “Die spielen auf Zeit”, schrieb Tietz zurück. “Wir ziehen die Daumenschrauben ab morgen etwas an.” An Olaf Graf schrieb er, wie sehr es ihn freue, dass seine Idee auf offene Ohren stoßen würde. Er würde sich sehr über positive Nachricht freuen. Olaf Graf könne sich auch sicher sein, maßgeblich an einem solchen Gremium beteiligt zu sein. Über das Monetäre ließe sich dann auch noch reden.

Olaf Graf leitete die Mail an Caroline und Gregor weiter. “Der versucht uns zu spalten. Aufpassen!”

“Schafft er nicht”, schrieb Caroline, “Kann er vergessen”, schrieb Gregor zurück.

Wovon sowohl Tietz als auch Schmidt in diesem Moment noch nichts wussten, war, dass auch Sonja Zand Mitstreiter um sich sammelte, die bereit waren, die anstehende Betriebsversammlung zu verhindern. “Wir sind die Zelle des Widerstandes!”, rief sie Sabine Müller, der Assistentin Wolfram Tietz’ zu. Neben Sabine war noch Sebastian Markus anwesend. Die Gründe für deren beider Präsenz konnten unterschiedlicher nicht sein. Sebastian Markus war die Person, die Sonja das gab, was Roland Schmidt ihr vorenthielt: sexuelle Befriedigung. Dabei waren Sebastian und Sonja weit davon entfernt, ein Liebespaar zu sein. Sie waren viel mehr eine Interessengemeinschaft. Sebastian besorgte es Sonja und sie es ihm. Was als sexuelle Eskapade begann, hatte aber auch darüber hinaus Bestand. Sonja und Sebastian waren in der Lage, dieses ‘Es sich gegenseitig besorgen’ über das Sexuelle hinauswachsen zu lassen. Sie besogten sich gegenseitig Vorteile. Was sie im Innersten verband war die Tatsache, aus dem selben Material gemacht zu sein. Sie hatten das soziopathische Etwas, das Menschen hilft, in einer auf Wettbewerb basierenden Gesellschaft erfolgreich zu sein, denn ihnen fehlte jeder Skrupel. Allerdings fehlte den beiden auch jede intellektuelle Begabung, was dann wiederum dazu führte, dass sie nicht allzu weit nach oben kletterten.

Der Grund, weshalb Sabine Müller bei dieser Gründung einer Zelle des Widerstandes anwesend war, war hingegen ein ganz anderer. Sabine Müller war zwar attraktiv aber einsam. Sie sehnte sich nach Freunden und Freundschaft verstand aber nicht, wie man zu solchen Beziehungen kam. Umso überraschter war sie, als Sonja sich vor etwa zwei Jahren um ihre Nähe bemühte. Sie gingen öfter zusammen aus, mal mit Sebastian und mal ohne. Und dann lud Sonja sie auf eine Party der besonderen Art ein, wie sie es nannte. Sonja wollte nichts genaues verraten, denn es sollte eine Überraschung sein. Sie hatten ziemlich kräftig vorgeglüht und waren dann anschließend in einen Club gefahren, der an diesem Abend ein besonderes Programm anbot. Es sollte Sabines erste und letzte Schaumparty werden. Nicht, dass sie den Abend nicht genossen hätte. Nein! Dank Jägermeister, Aperol Spritz und ein paar Tropfen von irgendwelchem Zeug, das Sebastian in ihre Getränke getan hatte, konnte sie richtig aus sich herausgehen. Sie hatte großen Spaß an diesem Abend und dieses Gefühl, von allen anwesenden Männern begehrt zu werden, tat ihrem Ego unglaublich gut. Allerdings entstanden bei dieser Gelegenheit auch recht kompromittierende Fotos, die sich nun in Sonjas Besitz befanden. Sonja hatte diese Fotos gar nicht in böser Absicht geschossen, doch in dem Moment, in dem sie bemerkte, wie unangenehm Sabine diese Fotos waren, änderte sich Sonjas Verhalten. Die Freundschaft zwischen den beiden Frauen kühlte merklich ab. Sonja hatte jetzt ein Mittel jenseits der Freundlichkeit in der Hand, das sie von Zeit zu Zeit zu nutzen wusste, um sich Sabines Dienste und ihrer Loyalität zu versichern. Mit anderen Worten, Sonja erpresste Sabine ganz regelmäßig. So auch dieses Mal. Leider brachte Sabine nicht den Mut auf, sich soweit zu emanzipieren, dass die Drohung, ein paar Tittenbilder herumzureichen, die darüber hinaus sogar noch recht ansehnlich waren, ihr nichts mehr anhaben konnte. Sabine war ein wunderschönes Mauerblümchen. Unglaublich nett, höflich, gutaussehend, in erfrischender Weise naiv, gefangen in sich selbst und immer Opfer.

Sonja hatte bereits einen Plan, in welche Richtungen ihre “Zelle des Widerstands” arbeiten sollte. Sabine Müller sollte sich Olaf Graf vornehmen. Sonja hatte die Idee, mit ihrem weichen Wesen wäre Sabine unter Umständen über die Mitleidsnummer in der Lage, Olaf Graf dazu zu bringen, die Gründung eines Betriebsrates abzusagen. Von Roland Schmidt hatte Sonja die Information bekommen, Olaf sei der Anführer, bei ihm müsse man daher ansetzen, um diese schlimme Katastrophe von der Firma abzuwenden. Um nichts anderes als eine Katastrophe, einen heraufziehenden Weltuntergang handelte es sich für Roland Schmidt inzwischen.

Sonja hatte Roland von ihrem Plan der Bildung einer “Zelle des Widerstands” nichts erzählt. Sie wollte ihn überraschen. Sie malte sich aus, wie beindruckt er wäre, wenn morgen oder vielleicht auch erst in einigen Tagen die Nachricht käme, die Betriebsversammlung sei abgesagt und Roland herausfinden würde, sie wäre der maßgebende Motor gewesen. Sie rechnete sich aus, dann wäre mindestens ein Heiratsantrag drin, wodurch sie auf ihrer persönlichen Karriereleiter eine Stufe emporgeklommen wäre.

Für Sebastian Markus hatte Sonja eine andere, weitaus investigativere Aufgabe. Er sollte beobachten, sollte sich an die Fersen der drei heften, ihnen folgen und jeden ihrer Schritte dokumentieren. Wozu das gut sein sollte, wusste Sonja selbst nicht so genau, sie hatte nur das Gefühl, man mache das so.

“Was soll das bringen?”, war denn auch Sebastians erste Frage.

“Wir warten bis sie einen Fehler machen und dann schlagen wir zu.”

“Ich soll in meiner Freizeit den drei Vollidioten hinterherlatschen? Was machst du denn in der Zeit?” Sebastian war in keiner Weise überzeugt von Sonjas Plan.

“Ich bilde die Einsatzzentrale. Ihr beide informiert mich in kurzen Abständen und ich koordiniere die weiteren Schritte.”

Hätte sie etwas mehr Selbstbewusstsein gehabt, hätte Sabine Müller jetzt gesagt: “Mensch Sonja, du hast einfach zu viele schlechte Krimis gesehen”, denn der Satz schoss ihr für einen Moment durch den Kopf. Sie entschloss sich jedoch den Mund zu halten, in der Hoffnung, dies wäre das letzte Mal, dass sie von Sonja für irgendwelchen Unsinn eingespannt würde. Sie glaubte immer noch daran, eines Tages die Bilder zurück zu bekommen, die sie barbusig, umringt von Männern und glücklich zeigten und für die sie sich schämte. Dass dieser Gedanke einer Rückgabe genauso naiv war, wie Sonjas Idee der Beschattung, blieb Sabine allerdings verborgen.

Es gab noch ein bisschen Diskussion zwischen Sebastian und Sonja, der Plan wurde in einigen Details modifiziert, im wesentlichen aber so beschlossen. Ein Detail, bei dem Sebastian auf eine Änderung bestand, war der Zeitraum der Überwachung.  Sonja hatte an eine permanente Überwachung rund um die Uhr gedacht. Es war Sebastian dann doch noch gelungen, ein gewisses Maß an Rücksicht auf seine Schlafbedürfnisse durchzusetzen. Er würde bis halb elf überwachen, danach hätte er Feierabend. Zwar war Sonja enttäuscht von so viel Selbstsucht und hielt Sebastian eine kleine Rede, in der sie Solidarität mit der Idee und vor allem der Firma einforderte und die Gefahr einer roten Übernahme der SCHOW GmbH durch Gewerkschaften und Kommunisten in dunklen Farben ausmalte, doch schließlich willigte sie ein. Sie würde dann eben ihre Einsatzzentrale auch um halb elf dicht machen.

Als Sonja Wolfram Tietz gegen Feierabend in ihre Pläne einweihte, brach dieser zu ihrer Überraschung nicht in Begeisterungsstürme aus. Im Gegenteil stellte er relativ viele Fragen und war sehr abwägend. Was Tietz durch den Kopf ging, war die Frage, inwiefern Sonjas Aktivitäten mit seinen eigenen interferieren würden. Darüber hinaus überlegte er, ob es rechtliche Konsequenzen haben könnte, wenn herauskäme, Mitarbeiter, die zu einer Betriebsversammlung einluden, würden beschattet. Die Idee der Beschattung hielt Tietz zunächst für ausgemacht dämlich. Reine Zeitverschwendung. Etwas weniger skeptisch stand er dem Plan gegenüber, Sabine Müller auf Olaf Graf anzusetzen. Das konnte unter Umständen etwas bewirken. Sonja beschwerte sich ausgiebig darüber, wie wenig ihr Engagement geschätzt würde. Sie würde die Firma retten und Tietz fiele nichts anderes ein, als Fragen zu stellen. Schließlich sei sie die einzige Mitarbeiterin der Firma, die wirklich motiviert sei und die sich wirklich mit der Firma identifiziere.

“Ein paar andere Mitarbeiter machen auch gute Arbeit”, meinte Tietz daraufhin.

“Aber nur wegen dem Geld und nicht aus Überzeugung!”

Tietz unterdrückte ein Lachen. In diesem Moment hatte er eine kleine Eingebung. Wenn Sonja komplett die Verantwortung für diesen ganzen Überwachungshokuspokus übernehmen würde, wäre er bereit, die Unternehmung zu unterstützen. Es dürfte nur nicht rauskommen. Sonja versicherte Tietz ihre Verschwiegenheit, und natürlich war Sonja bereit, die Verantwortung zu übernehmen, schließlich war die Beschattung ihre Idee. “Verantwortung übernehmen” war in Sonjas Ohren synonym mit “Gewinn abschöpfen”. An die Bedeutung “die Konsequenzen tragen” dachte sie nicht. Tietz war sich nach einem Moment des Nachdenkens inzwischen sicher, der ganze Beschattungsunsinn würde den Druck auf die Graf, Gottschalk und Bauer erhöhen. Damit wäre das Ziel freilich noch nicht erreicht, aber wenn man die Temperatur erhöht, ist das Fleisch schneller gar.

Nach dem Gespräch mit Sonja nahm sich Tietz einen Moment Zeit, um zu einer vorläufigen Bewertung der Ereignisse zu kommen. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und legte die Füße auf seinen Schreibtisch. Die Dinge waren in Bewegung geraten, was ihn zufriedenstellte. Er ging davon aus, Gottschalk, Bauer und Graf hätten schon die ein oder andere Erschütterung zu spüren bekommen. Es war geradezu komisch, wie die drei dabei halfen seine eigene Position zu festigen. Um die Gottschalk war es ein bisschen schade, dachte er bei sich. Sie sah gut aus und hatte etwas, das ihn anzog.

Von der Analyse der Situation glitt Tietz hinüber ins Tagträumen. So von der erotischen Seite aus betrachtet, hätte es sogar etwas gehabt, der Gottschalk als Kontrahentin gegenüber zu stehen. Es wäre sicher ein ausgesprochen prickelnder Reiz, sie von Zeit zu Zeit in Sitzungen zu provozieren, auf dass sie laut würde und ihn herrisch anschrie. Er hätte sie zugern rasend vor Wut gesehen, wie sie Dinge nach ihm warf, ihn beschimpfte und vielleicht sogar ohrfeigte.

Tietz griff zum Telefon, wählte Herrin Katharinas Nummer und machte einen Termin für den heutigen Abend. Er überlegte, ob die Situation sich in einem Rollenspiel umsetzen lassen würde. Er auf den Knien vor der als Betriebsratsvorsitzende Gottschalk verkleideten Herrin Katharina, die ihn kräftig runter machte und ihm mit dem Betriebsverfassungsgesetz den Hintern versohlte, während er sich an Zofe Jaqueline verging. Er verwarf den Gedanken als zu nah an der Realität. Lieber mittelalterliche Kerkerspiele oder eben Hundehaltung. Das Betriebsverfassungsgesetz war auch zu dünn, um erregende Schmerzen hervorzurufen, selbst in so einer begnadeten Hand wie der von Herrin Katharina. Aber geil machte ihn die Gottschalk eben schon.

Caroline Gottschalk räumte in diesem Moment ihren Schreibtisch auf. Sie wollte Feierabend machen. Die Atmosphäre in ihrem Büro war angespannt, denn die vergangenen Stunden hatten Caroline und Miriam kaum ein Wort gewechselt. Caroline fühlte sich persönlich gekränkt durch den von Miriam erhobenen Vorwurf, sie würde ausschließlich an sich und nicht an die anderen denken. Diese Unterstellung aus dem Mund Miriams tat ihr weh. Gleichzeitig fühlte sie die Notwendigkeit, dieses Gefühl zu überwinden und mit Miriam zu reden, weil nur so der Beweis zu erbringen wäre, wie sehr Miriam falsch läge. In diesem Hin und Her waren Carolines Gedanken nun schon seit geraumer Zeit gefangen, ohne dass es ihr gelungen wäre, diesen Kreislauf des Denkens zu durchbrechen und endlich ein Gespräch zu beginnen.  Sie räumte eben ihren Kugelschreiber in die Schreibtischschublade, als Miriam meinte: “Ich würde nochmal gerne mit dir über den Betriebsrat reden.”

Statt über die unerwartete Wendung froh zu sein, fühlte Caroline in sich den Drang aufsteigen, Miriam mit Vorwürfen zu überhäufen, von Gemeinheit und Verrat zu sprechen, um sich dann beleidigt abzuwenden, doch sie unterdrückte diese Regungen. Zu anderen Zeiten war Caroline für Zickigkeiten zu haben, doch war dafür jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.

“Sollen wir auf einen Feierabend-Prosecco ins Loft?”

“Das ist eine gute Idee”, war Miriams Antwort. “In zwanzig Minuten kann ich los. Macht es dir was aus, wenn Julius auch mitkommt?”

“Julius? Der Praktikant aus derer IT? “

“Ja genau.”

“Nein, natürlich nicht.”

Zwanzig Minuten später  trafen sich  Caroline, der ausnehmend gut aussehenden und sympathische Julius George und Miriam am Firmeneingang, um sich auf den Weg ins Loft zu machen.

Das Loft war eine Bar, die auf die Zielgruppe der in der Werbebranche arbeitenden Angestellten zugeschnitten war. Sowohl der Stil der Musik als auch der Stil der gesamten Einrichtung war von unterkühlter Klarheit, das Licht gedämpft, die Preise gehoben aber nicht übertrieben und die Anzahl an männlichen und weiblichen Singles war ausbalanciert. Wer sich hier aufhielt, bekam zum Getränk das Gefühl mitgeliefert, dazuzugehören, wenn auch nicht genau klar war, zu was.

Miriam, Julius und Caroline grüßten das ein oder andere bekannte Gesicht und nahmen dann in einer Nische platz, in der man ungestört reden konnte.

„Wie geht es denn nun weiter?“, wollte Miriam wissen, während Julius nach ihrer Hand griff. Caroline sah es und war überrascht.

Während Caroline zusammen mit Miriam und Julius bereits im Feierabend angekommen waren, saßen Olaf und Gregor noch zusammen im Büro.

“Marcel aus der Grafik hat mich den ganzen Nachmittag zugelabert”, beschwerte sich Gregor.

“Der Kempker? Der redet ganz gern, das ist mir auch schon aufgefallen.”

“Heute war das anders. Normalerweise redet er über Fußball und die Bundesligatabelle, seine Freundin und ihre Blow-Job-Fertigkeiten, ein bisschen unverfänglich über Politik und er berührt in weiteren fünf Minuten zwanzig weitere Themen. Aber heute gab es nur ein Thema: die Betriebsversammlung und die möglichen negativen Konsequenzen. Dabei war er gestern noch voll dafür.”

“Caroline hat mir vorhin eine Email geschrieben. Ihr ist es genauso ergangen. Miriam hat auf sie eingeredet. Hast du ihre Nachricht nicht bekommen?”

“Doch, ich glaube schon. Da kam was. Ich habe was allgemeines zurückgeschrieben”

“War Marcel auch beim Tietz zum Gespräch?”

“Ja! Er hat die ganze Zeit nur vom Tietz gesprochen und wie besorgt der sei. Die Kosten würden explodieren, er müsse Leute entlassen, der Betriebsrat wäre schuld.”

“Das ist ziemlich deckungsgleich mit dem, was Caroline erlebt hat. Das ist eine Masche. Ich nehme mal an, der Tietz hat mit allen gesprochen, die mit uns näheren Kontakt haben.”

“Meinst du? Mit dir hat aber niemand gesprochen, oder?”

“Nein. Ich sitze hier auch allein auf dem Gang. Mit mir redet inzwischen kaum noch jemand. Alle sehen zu, dass sie schnell an meinem Schreibtisch vorbei kommen. Es ist, als hätte ich die Pest.”

“Das klingt aber gar nicht gut. Kann das am Tietz und seiner Aktion mit liegen?” Gregor tippte sich nachdenklich mit dem Zeigefinger an die Lippe.

“Klar liegt das am Tietz. Miriam hat Caroline erzählt, auf der Liste, auf der jeder darüber Auskunft geben musste, ob er zur Betriebsversammlung geht, stand was Abwendung arbeitsrechtlicher Konsequenzen, wobei ‘arbeitsrechtlicher Konsequenzen’ fett gedruckt war.”

“Ach? Wusste ich gar nicht. Was bedeutet das? Was sollen das für arbeitsrechtliche Konsequenzen sein?”

“Wenn du deine Emails lesen würdest, wüsstest du es. Das hat sie dir auch geschrieben. Wir waren beide als Empfänger gelistet.”

“Ist ja schon gut. Und was bedeutet das jetzt? Was für arbeitsrechtliche Konsequenzen?”, wiederholte Gregor Bauer seine Frage.

“Nichts bedeutet das. Da stand ja ‘Abwendung arbeitsrechtlichen Konsequenzen’. Das bedeutet nichts, außer, dass der Tietz damit allen deutlich gemacht hat, wie wenig es sich hier um einen Spaß handelt, denn die Worte ‘arbeitsrechtliche Konsequenzen‘ waren ja fett gedruckt, der Rest nicht. Psychologisch gut gemacht, das muss man ihm lassen.”

“Und jetzt?”

“Ich mache jetzt Feierabend. Sollen wir noch ein Bier trinken gehen? Dann können wir auch noch ein bisschen gemeinsam über das ‘Und jetzt’ nachdenken.”

“Aber nicht so viele wie gestern. Heute war für mich ganz schön anstrengend. Sollen wir auf ein Bier ins Loft?”

“Nein, lieber nicht ins Loft. Da sitzten Caroline und Miriam und sprechen über den Betriebsrat. Es ist wohl besser, wir tauchen da nicht auf. Das sähe komisch aus.”

“Woher weißt du das alles?”

“Du liest wirklich keine Mails, oder?”

“Das lag an Marcel. Der hat mich wirklich ziemlich zugelabert und außerdem merke ich die Bier von gestern noch. Wo sollen wir hin?”

Die beiden entschieden sich für eine Bar in der Innenstadt. Kurz bevor sie sich auf den Weg machen wollten, klingelte Olafs Telefon. Er entließ mehrere Hmmhs in den Hörer und sagte schließlich. “Ich bin gerade dabei Feierabend zu machen. Wir können das morgen besprechen, wenn das geht.” Es schien zu gehen, denn kurz darauf legte Olaf Graf auf.

“Du glaubst nicht, wer das eben war”, sagte er an Gregor Bauer gewandt.

“Wer denn?”

“Sabine Müller aus der Personalabteilung. Sie will sich mal mit mir treffen, ganz unverbindlich.”

“Fährt die auf dich ab? Hätte ich jetzt gar nicht gedacht.”

“Glaube ich nicht. Da steckt was anderes dahinter. Und selbst wenn, ich bin in dieser Hinsicht immun. Sollen wir los?”

Während Gregor Bauer und Olaf Graf sich gemeinsam auf den Weg machten, fauchte die Einsatzleiterin der ‘Zelle des Widerstands’ Sonja Zand Sabine Müller an. Wieso sie zu blöd sei, ein einfaches Date mit diesem Volltrottel Olaf Graf auszumachen, wollte sie wissen. Und wenn sie schon zu blöd sei, ein einfaches Date auszumachen, was sie denn sonst rausgefunden hätte. Warum sie nicht nur zu blöd sei, ein einfaches Date auszumachen, warum sie darüber hinaus noch zu blöd sei, zu fragen, warum der Volldepp heute Abend keine Zeit habe, wollte Sonja von Sabine wissen. Ob diese Blödheit Absicht sei, wollte Sonja wissen und knallte ohne eine Antwort abzuwarten den Hörer auf die Gabel, um ihn sofort wieder abzunehmen und eine Nummer zu wählen. “Arschgeige!”, sagte sie und dann: “Nein nicht du! Ich hab die Müller gemeint.”

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s