Titten

Menschen haben Brüste, die einen mehr, die anderen weniger. An so etwas wie dem biologischen Geschlecht, falls es so etwas gibt, lässt sich das Vorhandensein von Brüsten und Busen nicht notwendig festmachen. Es gibt biologische Männer mit extrem viel und biologische Frauen mit extrem wenig Busen. Und es gibt alles Mögliche dazwischen, darunter, darüber und drum herum mit ganz unterschiedlichen Busenformen. Dennoch halten sich hartnäckig zwei Vorurteile. Das erste: Es gibt zwei biologische Geschlechter; das zweite: Das eine ist mit Titten ausgestattet, das andere nicht.

Der Grund, warum ich mich hier auf das etwas schlüpfrige Terrain der Quarktaschen begebe, ist nicht die anhaltende Sexismusdiskussion um Herrn Brüderle. Diese Diskussion ist genau so aufgeregt wie sie unemanzipiert ist. Sie weist lediglich darauf hin, dass deutsche Qualitätsmedien eigentlich keine richtige Berichterstattung mehr hinkriegen, weil sie ihre Redaktionen aus Kostengründen ausgedünnt haben. Dann macht man eben Tittenjournalismus.

Vielmehr wurde ich neulich in ganz brüsker Weise auf die Anwesenheit von Titten hingewiesen. „Ja, ich habe Brust“, war der Satz meines Gegenübers und mein Blick senkte sich, hob sich aber gleich wieder, denn da war tatsächlich etwas. Etwas, das ich normalerweise nicht wahrnehme. Erinnerungen an den Biologieunterricht und den Zivildienst im Altenheim wurden wach. Die verbale Attacke, die dem genannten Satz voraus ging unterstellte mir Sexismus. Über den Vorwurf war ich bass erstaunt, denn ich bin weit entfernt von jeder Tittenstarrerei und das heterosexuelle Hobby des Hinterngrabschens ist mir fremd. Was man mir statt Sexismus tatsächlich vorwerfen könnte, wäre völliges Desinteresse an weiblichen Auswölbungen und Einstülpungen, schließlich bin ich schwul.

Allerdings, und das ist das Interessante an meiner Perspektive, wurde mir dieses Desinteresse schon öfter zum Verhängnis. In meiner Gegenwart stellt sich vermutlich keine flirty Atmosphäre ein, die gewohnte Spannung bleibt aus, kein Shakern, kein Verzeihensbonus, kein sinnlicher Augenaufschlag, kein noch so subtiles Spiel mit der Erotik, nichts davon. Zumindest dann nicht, wenn es sich beim Gegenüber um eine Frau handelt. Das mag in einer heterosexuell dominierten Umgebung irritierend und kalt wirken, ist aber wirklich und ganz echt nur absolute sexuelle Gleichgültigkeit. Doch einige derjenigen Menschen, die sich der Gruppe der Frauen zurechnen, reagieren auf diese ungwohnte Gleichgültigkeit zickig.

Ich nehme etwas anders wahr und das mag manchmal verwirren. Namen, beispielsweise, kann ich mir ausgesprochen gut merken. Es muss sich aber um Männernamen handeln. Frauennamen muss ich mir aktiv einprägen und es dauert in aller Regel länger. Da ist es zum Gefühl des beleidigt Seins nicht mehr weit.

Neulich Abend war ich mit einem guten Freund unterwegs. Die Straße war weit und leer. Kein Mensch weit und breit, nur wir zwei. Plötzlich sagte mein Begleiter: „Hast Du die drei Mädels gesehen? Die mittlere hatte ja geile Titten!“ Ich hatte nicht.

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