Deutschland rettet die Welt

Die Rossikaya Gazeta hat mich erneut um einen Beitrag gebeten. Es ging um die Idee, die Deutschen sollten auf Fleisch verzichten. Der Beitrag auf Russisch ist hier.

Hier das Original auf Deutsch:

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) schlug kürzlich vor, den Fleischkonsum der Deutschen massiv einzuschränken. Ginge es nach ihm, dann würden die Deutschen künftig mit 10 Gramm Fleisch am Tag auskommen. Alle drei Tage ein Wurstbrot, oder alle zehn Tage eine Bratwurst. Das muss nach Auffassung des Ministers reichen.

Fleisch gilt in links-liberalen Kreisen in Deutschland nicht nur als ungesund, sondern auch noch als klima- und umweltschädlich. Würde man in Deutschland umfassend auf den Konsum von Fleisch verzichten, könnten die Deutschen damit einen relevanten Beitrag gegen den Klimawandel leisten, glauben viele Deutsche aus dem Umfeld der Grünen.

Außerdem spielt der Gedanke an das Tierwohl eine große Rolle. Man möchte, dass die Tiere von Geburt bis auf ihrem Weg zur Schlachtbank ein angenehmes und würdiges Leben haben und kennzeichnet das Fleisch gesetzlich vorgeschrieben in entsprechender Weise. Deutsche Politiker wie Cem Özdemir und Annalena Baerbock sorgen sich um das Wohl von Tieren deutlich stärker als um das Wohl von beispielsweise ukrainischen Soldaten, möchte man hier anmerken, auch wenn das eventuell zynisch ankommt. Aber es ist einfach so. Man nennt das eine kognitive Dissonanz.

Tierwohl und Waffenlieferungen

Die zutiefst humanitären Überlegungen, die man in links-liberalen Kreisen in Deutschland zum Thema Fleischkonsum anstellt, fallen beim Thema Waffenlieferungen unter den Tisch. Auch im Hinblick auf die Auswirkungen von Sanktionen spielt Menschlichkeit als Richtschnur für die deutsche Politik keine Rolle. Diese Überlegungen sind in Deutschland gerade Tieren vorbehalten auf die man einen befremdlich naiven anthropomorphisierenden Blick wirft. Man kann daran erkennen, dass in Deutschland etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Der Pfad des aufgeklärten Denkens wurde verlassen.

Es zeigt sich an dem Vorgang aber noch etwas anderes. In der deutschen Parteienlandschaft verstehen sich nicht nur die Grünen, diese aber ganz besonders als Nanny-Partei. Man weiß es besser und möchte die Deutschen zu etwas zwingen, von dem man glaubt, es sei das Wahre, das Schöne und das Gute. Dafür ist man auch bereit, Freiheit einzuschränken. Es dient ja der guten Sache. Nicht umsonst gelten die Grünen als “Verbotspartei”. Aktuell ist ihnen nicht nur der Fleischkonsum der Deutschen ein Dorn im Auge. Sie wollen auch die Art der Heizung vorschreiben. Öl- und Gasheizungen werden in Deutschland per Gesetz verboten. Die Deutschen sollen mit Strom heizen, mittels Wärmepumpe. Das würde dem Klima dienen, wird behauptet.

Die Ziele sind alle hehr und groß: Kampf gegen den Klimawandel, Kampf für das Tierwohl, Kampf für das moralisch Gute. Allerdings ist die Umsetzung dann in ihren Auswirkungen wenig durchdacht, vor allem aber sind die links-liberalen Ideologen nicht zu Kompromissen, noch nicht einmal zur Diskussion bereit, wenn sie auf Widerstände und auf Realität treffen. Das lässt sie in der Umsetzung ihrer großartigen Ideen in praktische Politik dann autoritär, totalitär und undemokratisch wirken.

Links-liberaler Totalitarismus

Und genau das ist, was in Deutschland passiert. Das links-liberale bürgerliche Milieu, dem die Grünen entspringen, würde immer dann die Demokratie abschaffen oder zumindest massiv einschränken, wenn sie Mehrheitsverhältnisse produziert, die der Durchsetzung liberaler Ideologie zuwiderlaufen. Die Breite der zugelassenen Diskussion wird begrenzt, man begrüßt Zensur als geeignetes Mittel zum Schutz von Presse- und Meinungsfreiheit, verunglimpft andere Meinungen sofort als “rechts” oder “populistisch”. In deutschen Großstädten wie Berlin oder Hamburg muss man durchaus damit rechnen “Nazi” genannt zu werden, wenn man sich zum Fleischkonsum bekennt. Wie bereits gesagt, ist in Deutschland viel aus der Balance geraten.

Die Idee, die sich unter anderem hinter all dem verbirgt, ist ein typisch deutscher Größenwahn, wie man ihn aus der Geschichte kennt. Ein relevanter Teil der Deutschen glaubt tatsächlich, wenn die Deutschen als Nation auf Fleisch verzichten, dann ändert sich etwas in der Welt. Wenn die Deutschen nicht mehr mit Öl und Gas heizen, dann passiert etwas mit dem Klima. Das ist zwar tief irrational, aber aus dem öffentlichen Diskurs in Deutschland nicht zu eliminieren. Es gehört fest zur Vorstellungswelt der bürgerlichen Mitte, man habe globale Wirkung. Und keine politische Partei in der deutschen Parteienlandschaft steht für diese größenwahnsinnige Idee so sehr wie die Grünen. 
Sie glauben an ihren Vorbildcharakter für die Welt. Wenn Deutschland etwas tut, blickt die ganze Welt darauf und sieht, dass es gut ist. Die Welt macht es dann nach, glaubt man in Deutschland ernsthaft. “Am deutschen Wesen mag die Welt genesen”, dieses Schlagwort, das der deutsche Kaiser Wilhelm II. verwendete, ist tief in die kulturelle DNA der Deutschen eingeschrieben.

Das Problem an all den moralisch guten Ideen bleibt ihr autoritärer Charakter im Rahmen ihrer Umsetzung. Das Problem sind all die Verbote und Einschränkungen von Freiheit, mit denen sie einhergehen. Daran zeigt sich, dass das links-liberale deutsche Bürgertum im Geiste längst wieder ganz weit rechts angekommen ist. Es hat sich in Deutschland wenig geändert.

Ein Kommentar zu „Deutschland rettet die Welt

  1. gert, und ja, so ist das halt. sagt daniele immer. ideologien kann man nich bekämpfen. man toetet den träger der ideologie, aber nicht die ideologie. hat in Vietnam auch nicht funktioniert.

    bitte denke bei grün an braun. und dass deutschland schon von black rock übernommen wurde, dessen aktiver executiv arm die grüne ideologie ist. deutschland ist schon tot, bei und kommt morgenthau und in polen marshall. vorher müssen wir deutsch noch alles mit zinsen zurückzahlen, was der hegemon seit 1949 bis 1990 hier investiert hat. und dass der einfache deutsche sich dann vllt noch eine currywurst pro monat leisten kann. vllt auch nur eine halbe.

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