Archiv des Autors: Gert Ewen Ungar

Die Dialektik des Liberalismus

Für eine historische Millisekunde sah es tatsächlich wie das Ende der Geschichte aus. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren die Gegensätze hinfällig, die die Welt bisher gespalten hatten.

Die Welt, so suggerierte dieser historische Moment, würde sich fortan in Frieden jenseits globaler Konflikte weiterentwickeln. Das war der Traum der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Weltweiter Handel, verbunden mit dem Abbau von Handelsgrenzen und Beschränkungen, würde zu einem unermesslichen Reichtum führen, von dem alle profitieren würden. Armut würde der Vergangenheit angehören, der Wohlstand würde auf alle herabregnen – auf manche mehr, auf andere weniger, doch ganz ausgelassen würde keiner.
Für einige Länder, vor allem die ehemaligen sozialistischen Staaten, war lediglich noch …

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Anmerkungen aus linker, queerer Sicht zum offenen Brief des LSVD an Sahra Wagenknecht

Im Springerblatt „Die Welt“ wurde von der Fraktionsvorsitzenden der Partei “Die Linke” Sahra Wagenknecht ein Beitrag zu ihrem Vorhaben einer linken Sammlungsbewegung publiziert. Beim Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) stieß der auf großen Widerstand.

Die Fraktionsvorsitzende der Partei „Die Linke“ Sahra Wagenknecht …

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Besuch in Wolgograd

Das war sie also, die, glaubt man den Expertenmeinungen außerhalb des deutschen Mainstreams, beste WM aller Zeiten. Es war eine wunderbare Zeit, für mich ein wundervoller, erfüllender Monat in Russland. Nun ist die WM vorbei, meine Faszination für Russland jedoch nicht. Als ich vor Kurzem in Wolgograd war, war der Großteil der Besucher aus Wolgograd bereits wieder abgereist, denn das letzte Spiel im neu gebauten Stadion war bereits gespielt. Der spannende, internationale Teil der WM mit zahlreichen ausländischen Gästen in der Stadt war für Wolgograd schon zu Ende. Die Stände und Zelte vor dem Stadion wurden wieder abgebaut. Doch auch ohne große Zahl an ausländischen Gästen verblieb …

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„Alles Schlampen in Russland“ – Kontinuitäten in der deutschen WM-Berichterstattung

Als Deutscher, der anlässlich der WM für einen Monat nach Russland gereist ist, kann man sich für die deutsche Berichterstattung nur schämen. Sie ist in ihrer Verzerrung einfach nur noch peinlich. Das absolut unterirdische Niveau des deutschen Mainstreams lässt sich eigentlich nur noch in sarkastischer Weise kommentieren.

Im Vorfeld der Fußball-WM wurde im deutschen Mainstream bereits eindringlich eine Vielzahl von Themen düster ausgemalt: Von marodierenden Hooligans wurde berichtet, es wurde diskutiert, ob schwule Fans zur WM reisen können, schließlich ist nach deutschem Verständnis Russland bis …

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Von Bürgern zweiter Klasse – Anmerkungen zu einem Interview im Tagesspiegel

Tja, da war der Tagesspiegel leider schneller. Über einen guten Freund, der hier in Moskau in einem schwulen Sportverein Volleyball spielt, wollte ich eigentlich an ein Interview mit dessen Vorstand kommen. Ich hatte angefragt, aber man hat sich offensichtlich für ein Interview mit dem  Berliner Tagesspiegel entschieden.

Die Auswahl war bestimmt nicht zufällig. Der Tagesspiegel passt deutlich ….

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Schauen wir doch einmal genauer auf die russischen Medien

in Kommentator der Tagesthemen regte unlängst an, bei Russland etwas genauer hinzuschauen. Die NachDenkSeiten hatten diesen Kommentar bereits kritisiert und Leserbriefe dazu veröffentlicht. Man sollte die Kernaussage aber ernst nehmen und auf jeden Fall genauer auf Russland schauen. Schade, dass die ARD es meist nicht ihrem Auftrag entsprechend tut, obwohl sie doch alle Freiheit dazu hätte – zumindest auf den ersten Blick.

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Russische Propaganda 13 – Die ARD wird mir peinlich

Immer, wenn du denkst, das Niveau in der Berichterstattung über Russland lässt sich eigentlich nicht mehr unterbieten, kommt die ARD daher und beweist das Gegenteil.

In den Tagesthemen vom 27. Juni bewies Jochen Leufgens, dass der Raum nach unten bisher noch nicht ausgelotet war.

Ich will es mal ganz deutlich sagen: Der Journalismus der ARD ist seine 17,50 im Monat nicht wert. Auch keine 2,80.  Auch nicht weniger. Der öffentlich-rechtliche Journalismus in Deutschland ist grottenschlecht, man möchte ihn nicht einmal geschenkt. Doch während man sich gegen die Zustellung der Bild-Zeitung zu Werbezwecken wehren kann, muss man die ARD über sich ergehen lassen. Zwangsweise.

Lassen wir mal kurz einige Minderleistungen des “Nachrichtenflagschiffs” der ARD, der tagesschau, Revue passieren.

Obwohl in einem der wichtigsten Prozesse der Nachkriegszeit, im NSU-Prozess reihenweise die Zeugen wegsterben, ist das der ARD keine Recherche wert. Den Qualitätsjournalisten der wichtigsten deutschen Nachrichtensendung sind gehäufte Todesfälle im Umfeld des NSU keine Aufforderung zur journalistischen Arbeit. Wenn junge, gesunde Menschen ohne medizinische Vorgeschichte reihenweise dahingerafft werden, die einzig verbindet, dass sie Beziehungen zum NSU hatten – für die Redaktion der ARD ist das total normal.  

Der makroökonomische Sachverstand in der Redaktion der tagesschau ist derart niedrig, dass sie sich über Trump lustig, macht, der meint, global gesehen sei der internationale Handel ein Nullsummenspiel. Er ist zwar ganz genau das, aber die ARD ist so fasziniert von der deutschen Idee, es sei vernünftig seine Handelspartner auf Kosten der heimischen Beschäftigen reihenweise in Grund und Boden zu konkurrieren, dass ihnen einfache mathematische Zusammenhänge entgehen. Die Absicht sich lustig zu machen gerät nicht nur zum Rohrkrepierer, sie entlarvt auch noch die tagesschau der völligen Ahnungslosigkeit im Hinblick auf einfache makroökonomische Zusammenhänge. Die permanenten deutschen Überschüsse sind die Pest des Welthandels. An ihnen stirbt Europa und der Zusammenhalt des Westens. Engagierter Journalismus dazu bei der tagesschau – Fehlanzeige. Im Gegenteil: völliger geistiger Bankrott in Makroökonomie. 

Die Redaktion schafft es, seit mehreren Jahren über Flucht zu berichten, ohne Fluchtursachen zum Thema zu machen. Kein Wort, wer die Kriege anzettelt, vor denen die Menschen fliehen. Dass zwischen dem, wovor sie fliehen und dem, wohin sie fliehen ein Zusammenhang besteht, den man kriegerische Handlung und Völkerrechtsbruch, den man wirtschaftliche Ausbeutung und Erpressung nennt – kein Wort davon in der ARD.

Massenüberwachung, Militarisierung, Auseinanderbrechen der EU durch deutsche Inkompetenz – alles kein Thema für das Flaggschiff der deutschen Nachrichten. Die Griechen sind faul, die Italiener auch; wir sind fleißig und daher besser, wofür uns der Markt belohnt.  Das ist nachweislich absolut falsch, zeigt aber die absolute Primitivität des Niveaus auf dem sich die tagesschau aufhält.

Alles, was die Nachrichtenredaktion der ARD präsentiert ist von einer biedermeierlichen Obrigkeitshörigkeit, von derart geballter Inkompetenz in zentralen Themenbereichen, getragen von völligem journalistischen Unvermögen, dass man sich nur verwundert die Augen und Ohren reiben kann, wenn mit Jochen Leufgens ein Kommentator der ARD sich und den seinen zutraut, die journalistische Arbeit, die sie sich hierzulande weigern zu erbringen, könne von unseren deutschen journalistischen Nullnummern in einem anderen Land erbracht werden.

In Russland traut man sich zu, aufzuklären. Unter anderem von Nordkoreanischen Zwangsarbeitern, die in Russland Fußballstadien gebaut hätten, ist die Rede.

Echt jetzt? Noch blöder ging es nicht? Im eigenen Land bekommt ihr nichts auf die Reihe, aber in Russland, da wollt ihr trotz Sprach- und kultureller Barriere Zugang zu Quellen und Beweisen haben? Das ist absolut lächerlich. Der deutsche Journalismus ist zu einer Peinlichkeit verkommen.

Wir sitzen hier gerade in Moskau, ich übersetze den Kommentar von Leufgens und meine russischen Freunde brechen wegen der offensichtlichen Blödsinnigkeit des Behaupteten in Lachen aus. ARD, was bist du mir unangenehm geworden.