Archiv der Kategorie: Texte zu RT

Causa Seppelt

Der selbsternannte Dopingexperte Hajo Seppelt darf nun doch nach Russland einreisen und bei der Fußball-WM vor Ort kräftig mitfeiern. Von seinen Behauptungen über Staatsdoping bleibt indes wenig übrig, sein Kronzeuge hat seine Aussagen widerrufen.

Seppelt, darauf weist die Russische Botschaft in Berlin hin, gilt zwar nach wie vor als unerwünscht, aber …

weiterlesen auf ksltcjp_

Empörungswellen und Steilvorlagen – Hajo Seppelt wird Einreise zur WM nach Russland verweigert

Der deutsche Mainstream tobt. Einer ihrer führenden Experten in Sachen Doping wurde auf eine Liste der in Russland unerwünschten Personen gesetzt. Dem selbsternannten Investigativ-Journalisten Hajo Seppelt wird damit die Teilnahme an der WM-Sause verweigert. Eine Einordnung:

Der Mainstream wird nicht müde, sich in Superlativen zu überbieten, …

weiterlesen auf ksltcjp_

Amtseinführung Putin: Kampagnenjournalismus in der taz

Die taz ist eine Zeitung, derer sich mittlerweile sogar einige ihrer Gründer schämen. Von einer linksalternativen Tageszeitung hat sie so weit gewandelt, dass sie mit einigen Beiträgen zu geopolitischen Themen sogar noch aggressiver als FAZ und „Welt“ agiert.

Die taz wurde mit den Jahren ein wichtiges Instrument für die Feindbilderzeugung, erreicht sie doch eine Leserschaft, die sich immer noch für links hält, die jedoch mittlerweile infolge propagandistischer Dauerberieselung mit Vokabeln wie „Schutzverantwortung“ und „humanitäre Verpflichtung“ bereit ist, jeden Völkerrechtsbruch des Westens mitzutragen. Geht ja schließlich um die gute Sache.

Wer die taz liest, begreift …

weiterlesen auf ksltcjp_

Russische Propaganda 12

Wenn ich morgens mal nicht so in die Gänge komme, dann werfe ich einen Blick auf tagesschau.de. Die Wahrscheinlichkeit, dass dann schlagartig der Blutdruck in die Höhe schnellt und der Kreislauf in Gang kommt, liegt nahe an einhundert Prozent.

Heute brauchte ich wieder mal eine Dosis Wachmacher. Geholfen hat ein Propagandabeitrag von Silvia Stöber. Nebenwirkungsfrei war ich schon nach der Lektüre von wenigen Zeilen schlagartig wach.

Die GEZ-finanzierte Propagandistin, die immer wieder durch faktenfreie Faktenchecks, durch große Unkenntnis oder einfach durch umfassenden Mangel in Bezug auf journalistische Standards auffällt, ließ sich heute RT aus.

‚Sie behauptet da zum Beispiel:

Ob die Konflikte in der Ukraine und in Syrien, die Präsidentschaftswahl in Russland oder die Affäre Skripal – „Russia Today“ (RT) als Flaggschiff der russischen Auslandsmedien berichtet genau das, was die Führung in Moskau der Welt mitteilen will.

Und schwupp war der Blutdruck oben, der Puls bewegte kräftig die Halsschlagader. Die Texte von Stöber sind besser als jeder Kaffee und besser als Koks. Unter pharmakologischen Gesichtspunkten nebenwirkungsarm. Unter soziologischen allerdings leider nicht, denn das interessengeleitete Zeug, das sich hier als Journalismus nur notdürftig tarnt, zielt natürlich auf eine gesellschaftliche Wirkung.

Nun arbeite ich ab und an für RT und es ist sicherlich so, dass RT eine Blattlinie verfolgt. Als ausgemachter Russenhasser,  sollte man eher eine Karriere im Mainstream anstreben, bei RT ist man da völlig falsch.

Allerdings habe ich auch schon Texte für deutsche Magazine abgeliefert. Im Gegensatz zu RT habe ich, insbesondere wenn es um Meinungsbeiträge ging, meine eigenen Texte in deutschen Magazinen eigentlichen nie wiedererkannt. Da wurde selbst die Kernaussage ins Gegenteil verdreht. Die Breite des Sagbaren ist bei RT erheblich größer als in deutschen Medien.

Natürlich bin ich „prorussisch“, für Frieden und gute Beziehungen mit Russland. Natürlich fühle ich eine kulturelle Nähe und halte Russland in seinem Facettenreichtum für in den deutschen Medien unterrepräsentiert. Wenn in den USA ein Schneesturm losbricht – wir zwangserfahren es. Passiert in Russland etwas, wird da ein neuer Flughafen in Betrieb genommen,  bekommt die Moskauer Metro einen zweiten Ring, eröffnet in Moskau im Zentrum ein riesiger Park – wir erfahren es nur dann, wenn wir uns selbst bemühen. Im Mainstream kommen diese Informationen nicht vor. Wenn doch, dann eingebettet und mit Kommentar versehen, damit ja niemand auf die Idee kommt, auch in Russland gäbe es Änderung, Fortschritt und Entwicklung.
Ich halte es für wichtig, über Russland zu informieren und Russland und die russische Sicht auf aktuelle Probleme und Krisen zumindest als Angebot für die Deutschen bereit zu halten. Es dient der Pluralität und damit der Meinungsbildung. Man muss sich ja nicht sofort allem anschließen, was da formuliert wird.
Diese Pluralität und Ausgewogenheit bekommen wir eigenständig nicht hin.- gerade die GEZ-finanzierten Angebote sind in dieser Hinsicht ein einziges Trauerspiel. Man muss der russischen medialen Präsenz daher dankbar sein. Es ist ein wichtiger Beitrag.
Über den Fall Skripal beispielsweise hat der Mainstream eigentlich nur Blödsinn erzählt und sich weitgehende der britischen Regierungsposition angeschlossen, obwohl das unglaublicher Unfug war, der da erzählt wurde.
Und dass im syrischen Duma vermutlich gar kein Giftgas zum Einsatz gekommen ist, verdanken wir der Recherche von russischen Medien und russischem Militär. Die Tagesschau würde uns noch immer die Mär vom Schlächter Asaad auftischen, der sein eigenes Volk vergiftet., weshalb wir da unbedingt mal mit unseren Präzisionswaffen militärschlagen sollten.

Wenn ich mit meiner Haltung ohne jemals mit einem Mitglied der russischen Führung gesprochen zu habe, den Programmauftrag des Kreml erfülle, dann muss ich sagen: Respekt. Das hat sich der Kreml gut ausgedacht und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum demokratischen Prozess und zur Aufklärung in Deutschland.
Sollte diese Form der Berichterstattung nicht auch Teil der deutschen Berichterstattung sein, frage ich mich dann? Sollten nicht auch unsere GEZ-finanzierten Medien laut Staatsvertrag der Information über andere Länder und Kulturen, dem Frieden und der Völkerverständigung dienen.
Folgt man dem Empörungslevel von Frau Stöber, dann soll es das genau nicht.  Genau hier setzt die blutdrucksteigende Wirkung ein.

Russische Propaganda 11 – Holgers Mucke mit Pathos

Vor Kurzem habe ich mich in einen Disput verwickeln lassen. Inhaltlich ging es um Russland. Die mir entgegengehaltene These war wieder einmal, dass Russland die Rechte von Schwulen, Lesben, ganz allgemein von LGBT unterdrückt.

Man kann die Reihung der Buchstaben in LGBT sicherlich durch den ein oder anderen ergänzen und das entstandene alphabetische Ensemble zudem noch mit Sternchen oder Herzchen zieren, damit auch die sich angesprochen fühlen können, deren sexuelle Identität mit einem Buchstaben nicht zu erfassen ist. Logozentrismus ist eh scheiße. Diese fundamentale Skepsis gegenüber einer wichtigen Errungenschaft unserer Kultur kann man damit gleichzeitig auch noch zum Ausdruck bringen. Aber ich schweife ab.

Ich jedenfalls hatte wieder mal einen kleinen Disput darüber, wie frei man in Russland seine Homosexualität leben kann. Wir waren zu dritt. Harm, der zwar noch nie in Russland war, aber irgendwie verstanden hat, dass er hierzulande ziemlich verarscht wird, wenn es um Russland und geopolitische Themen geht, Holger von einer Gruppe namens 100% Mensch, der voll auf Linie ist, daher offensichtlich alles glaubt, was ihm irgendwelche westlichen Medien und NGOs unter die Nase halten. Natürlich ist es für ihn jenseits jeder Vorstellung, dass man als Schwuler in Russland irgendwie über die Runden kommen kann. Nur unter tiefer Verleugnung seiner sexuellen Identität und Persönlichkeit, psychisch völlig deformiert und in beständiger Angst lebend.  Also ganz ganz schrecklich auf jeden Fall. Und dann war da noch ich, mit eigener Anschauung, vor Ort gewonnen und einer gewissen Sprachkompetenz hinsichtlich des Russischen.

LGBT-Aktivisten könnte man uns alle nennen, auch wenn ich in den letzten Jahren eine deutliche Abneigung gegen das Kürzel LGBT gewonnen habe und inzwischen bei jeder Regenbogenflagge in Misstrauen verfalle, weil ich denke: “Achtung! Augen und Ohren ganz weit auf! Kein Bier, kein Wodka, kein Gin Tonic mehr, klare Birne, denn man will dich vermutlich für irgendwas Fieses benutzen.”  

Dass ich da nicht so ganz falsch liege, dafür ist das Projekt 100% Mensch eigentlich das beste Beispiel.

Zu einem recht frühen Zeitpunkt der Diskussion musste ich zugeben, dass ich das Oeuvre von Holger nicht kenne, daher eigentlich auch nichts dazu sagen kann. Allerdings ist das Werk zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch recht überschaubar und man kann sich zügig einarbeiten. Das habe ich dann auch getan.

Die erste Produktion mit der Holger und die Seinen an die Öffentlichkeit getreten sind, ist von 2014. Ganz viele Stars haben ihn und sein Projekt unterstützt. Den Text hat er selbst geschrieben. Voll auf Emotion setzt er, von Pathos durchtränkt ist jede Zeile. Er trägt damit auch die Verantwortung für die Textzeile “wir sind illegal … in Russland”.

Was in dem ganzen Pathos ein bisschen untergeht, sind die Fakten, denn das Doofe daran ist nämlich: wir sind nicht illegal in Russland. Es ist eine glatte Lüge.

Homosexualität ist in Russland nicht verboten, im Hinblick auf die Behandlung von Transsexualität folgt Russland den Regeln zur Geschlechtsangleichung nach den Normen der Weltgesundheitsorganisation. Es ist schlicht falsch, was hier gesungen wird. Es ist sogar ein bisschen mehr noch: Es ist Hetze. Es ist Hetze. Er schwimmt gleichsam auf einem breit erzeugten anti-russischen Sentiment, wodurch der Text einerseits getragen wird, das er andererseits mit füttert.

Er hat dann noch ein bisschen auf die Christen drauf, auf die Moralapostel, ohne zu merken, wie sehr er selbst einer ist, auf die Fundamentalisten (dito). So wird das nix mit der Überwindung der Spaltung der Gesellschaft und der Gesellschaften. Dazu muss man kein Psychologiestudium absolviert haben, um das zu erkennen.  Bei 100% Mensch läuft was grundlegend schief. 
Jedenfalls: Wenn man heute in der Szene nach den homophobsten Ländern der Erde fragt, kann man sicher sein, Russland wird mit an erster Stelle genannt. Holger mit seiner Band trägt dafür mit die Verantwortung, denn er bedient dieses Klischee mit seinem Schaffen. Dabei war er weder in Russland, spricht auch die Sprache nicht. Seine Quellen sind westliche NGOs. Er verlässt sich blind darauf, dass das, was die von sich geben den Fakten entspricht und ihn nicht instrumentalisieren. Leider falsch. Völlig falsch. Und ganz objektiv betrachtet, ist Russland in Bezug auf Akzeptanz im internationalen Vergleich ziemlich weit vorne. Es gibt weitaus schlimmere Länder. Litauen zum Beispiel.  

Aber schlimmer geht ja immer. In einem etwas aktuelleren Beitrag verurteilt 100% Mensch den Rechtspopulismus. Allerdings mit etwas merkwürdigen, dem Gegenstand sehr unangemessenen Mitteln. Das Bild, das der Text zeichnet wird, ist vielsagend. Von Angst in der Nacht ist die Rede, von Misstrauen untereinander und Frust über das Nicht-gehört-Werden. Es fällt unmittelbar auf: Die rhetorischen Mittel sind identisch mit den Mitteln, gegen den das kleine Machwerk versucht zu mobilisieren. Es sind die rhetorischen Mittel des Rechtspopulismus.  

Sollte es auch sowas geben wie LGBT-Populismus? Schiere Oberflächlichkeit und Ängste schüren als Mittel um Menschen zu bewegen, politisch in einer bestimmten Weise aktiv zu werden? Ja, klar gibt es das. 100 % Mensch ist genau diesem Populismus verpflichtet.

Natürlich sehe auch ich den Rechtsrutsch. Militarisierung ist wieder groß im Kommen, Grenzen sind wieder groß in Mode, die Verteilungsfrage wird praktisch nicht mehr gestellt, sondern wurde durch die neoliberale Regenbogenfahne ersetzt. 100% Mensch ist daher nicht die Antwort auf den Rechtsrutsch, sondern ein Teil davon.  Es ist reine Gegenaufklärung.

Der Ideologie, der auch 100% Mensch auf den Leim geht, liegt die Annahme zugrunde, wenn jeder nach seiner Art leben kann, dann ist Gesellschaft befriedet. Ökonomische Ungleichheit wird bewusst ausgeklammert, sexuelle Identität akzentuiert. Das ist absolut falsch, völliger Blödsinn. Verteilungsgerechtigkeit muss herrschen, dann folgt nahezu unmittelbar mit nur einem Hauch von breiter gesellschaftlicher politischer Bildung der Gleichmut gegenüber dem (sexuellen) Glück der NachbarInnen.

Die grundlegende Annahme des Projekts ist hoch naiv, glaubt es doch, es ginge dem Westen in seiner zunehmenden Aggression gegen Russland und andere Staaten tatsächlich auch oder sogar ganz zentral um schwule Rechte, um die Rechte von LGBT.

100% Mensch versteht nicht, dass diese nur Mittel zum Zweck der Durchsetzung einer neoliberalen Ordnung ist. Ist der Zweck erreicht, wird das Mittel fallen gelassen. Es geht in internationaler Politik nie um Freiheit und Menschenrechte, hat Egon Bahr einmal gesagt und hinzugefügt, es geht immer um Interessen von Staaten. Inzwischen muss man hinzufügen und von westlichen Oligarchen.

Die ganze Lächerlichkeit der politischen Diskussion in Deutschland zeigt sich auch darin, dass man inzwischen zudem noch hinzufügen muss, es geht in internationaler Politik auch nicht um schwule Ehe und Gay Prides. Wer das glaubt, hat einfach den Glockenschlag nicht gehört.

Es geht um Verteilung und Zugang zu Ressourcen, um ökonomische Modelle wer in welcher Weise am erwirtschafteten Wohlstand teilhaben darf. Das ist die aktuelle, große Klammer, die alle politischen Themen miteinander verbindet. Gay rights sind dabei ein Instrument, dem sich westliche NGOs gerne bedienen. Es ist wohlfeil, die angesprochene Gruppe fühlt sich gebauchpinselt und die emanzipatorischen Elemente wurden irgendwann in den Neunzigern entsorgt und haben einer Heulsusenmentalität Platz gemacht, die sich im Werk von 100% Mensch wunderbar niederschlägt.

Die Macher mögen sich in der Tradition von Heine sehen, doch faktisch sind sie Biedermeier in seiner schlimmsten Ausprägung. Es hat weder ein emanzipatorisches noch ein aufgeklärtes noch ein versöhnendes Moment, was hier zur Darbietung kommt. Es bedient lediglich Klischees und züchtet Hass. Es trennt und spaltet. Nix mit Dialektik und so. Aber genau das bräuchte man wieder dringend!

Hat Holger das verstanden? Vermutlich nicht. Er hat sich in der Diskussion irgendwann ausgeklinkt.

Esst doch Kuchen statt Brot – Vom Zustand der deutschen Politik

Mit der Initiative der Bundeskanzlerin, die Vergabepraxis der Essener Tafel für Notdürftige in Erwartung eines günstigen Moments für politische Zustimmung zu kritisieren, ist ein vermeintlich cleverer Schachzug nach hinten losgegangen.

Jean-Jacques Rousseau war es, der eine Geschichte über Marie-Antoinette verbreitete, die zum geflügelten Wort wurde.
Am Vorabend der Französischen Revolution soll sich laut ihm ein Dialog zwischen der französischen Königin und ihrem Diener zugetragen haben, nachdem sie Tumult wahrgenommen hatte. Auf die Frage, was …

weiterlesen auf ksltcjp_

Eine Reise nach Sotschi – Olympisches Angedenken vier Jahre danach

Vor vier Jahren war die Russische Föderation selbst Gastgeberin der Olympischen Winterspiele. Schon damals war dies für deutsche Politik und Medien Anlass zu Hassausbrüchen. Ein Besuch in Sotschi heute zeigt, wie lächerlich die damalige Berichterstattung war.
Es war eine spontane Idee. Wir hatten ein paar Tage Zeit und entschlossen uns, Sotschi zu besuchen. Der Moment konnte kaum glücklicher gewählt sein, denn aktuell laufen die Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea. Es war eine gute Gelegenheit, mit einem Besuch vor Ort die vorangegangenen Winterspiele auch in ihrer politischen Dimension in Erinnerung zu rufen.

Bei den diesjährigen Spielen ist die russische Flagge wegen des Vorwurfs des Staatsdopings verboten. Der Grund für diese Entscheidung ist inzwischen mehr als nur umstritten. Schon der Begriff „Staatsdoping“ ist ein interessantes Wording, suggeriert es doch, privates Doping wäre in irgendeiner Weise weniger systematisch und irgendwie besser. Zudem suggeriert es auch, und das dürfte wohl der Clou …

weiterlesen aufksltcjp_