Die Kynast-Dialoge. 4. Teil

Wir halten uns noch immer ein bisschen bei den Vorwürfen auf, die Kynast über das angeblich homophobe Russland ausgegossen hat. Es geht in seinem Rundumschlag noch um HIV und Zugang zu Medikamenten. Dazu sei einfach angemerkt: HIV und Aids sind in Russland tatsächlich ein Problem. Die Infektionsraten sind hoch.  Die Infektion kam spät ins Land, der Eiserne Vorhang schützte besser als jedes Kondom. Um so heftiger tobt die Epidemie jetzt.

Allerdings stimmt es nicht, dass der Zugang zu Medikamenten eingeschränkt sei. Russland folgt den Behandlungsrichtlinien der WHO. Es gibt da sicherlich Verbesserungsmöglichkeiten, aber der Vorwurf, Russland würde Schwulen auf staatliches Geheiß generell die Behandlung verweigern, ist völliger Unsinn. 

Die Aufklärungskampagnen sind verschnarcht und erreichen vermutlich die Zielgruppen nicht. Ich habe mal welche in Kaliningrad gesehen, da dachte ich, es sei Werbung für irgendeinen Optiker und Sehtests. Für diese mangelnde Qualität ist vermutlich Putin persönlich verantwortlich und sie ist Zeichen für die grassierende Homophobie im Land. Zumindest in der Logik von Kynast. Es gibt ja in Russland nichts, wo Putin nicht persönlich dahinter steckt. Wenn Aufklägungskampagnen schlecht sind, kann das einfach nur in  einer teuflisch bösen Absicht seine Ursache haben. 

HIV ist, das vergisst Kynast zu erwähnen, in Russland zudem ein eher heterosexuelles Problem. Vermutlich, weil er es nicht weiß. Insgesamt ist unserem Hauptstadtkorrespondenten auch bei diesem Thema einiges verrutscht.

Obwohl so ziemlich alles falsch ist, was unser heldenhafter Hauptstadtkorrespondent zum Thema “Schwul in Russland” vorzutragen hat, wird er nicht müde, seine Fake-News zu verbreiten. Er ist damit nicht allein, der gesamte Mainstream macht das.

Das hat natürlich Konsequenzen. Das Vorurteil, Russland sei ein homophobes Land mit einem homophoben Diktator, indem Schwule völlig entrechtet zu Hause sitzen, weil sie sich vor Angst nicht trauen, die Wohnung zu verlassen, wird von ihm und seinen Kollegen und Kolleginnen gut gehegt und gepflegt.

Da Putin meist nicht greifbar ist, werden die Russen, die sich in den Schengen-Raum trauen, dafür angegriffen. Insbesondere dann, wenn es sich um schwule Russen handelt. Da kann es dann schon passieren, dass der Eintritt in die Schwulendisse verweigert wird, weil man identifizierbar miteinander Russisch gesprochen hat. Oder man wird als Russe in einer einschlägigen Bar einfach mal ganz grundlegende beschimpft, weil Russland einfach ein scheiß homophobes Land mit einem Drecksdiktator ist, das jetzt einfach mal gesagt werden musste., damit das klar ist.
Oder man wird einfach übergangen und missachtet. Russen werden in manch ehrenhaften Herrenbar nicht bedient. Es ist schon erstaunlich, wie sich insbesondere die sich selbst als offen, der Vielfältigkeit und Toleranz verpflichtete LGBT-Community hier mit einem kruden Rassismus hervortut. Man kann sich dafür nur schämen.

Wenn man nachfragt, weiß jeder schwule Russe, den ich kenne, von Diskriminierungen zu berichten. Sie haben ihren Ursprung in der Fake-Berichterstattung des Mainstreams, zu dem auch Kynast zählt.

Bei den Geschichten, die mir erzählt wurden, ist bis zur körperlichen Aggression alles dabei. Schwule verkloppen Schwule wegen ihrer Herkunft. Bei dieser Spaltung der Community in die gute West und die böse Ost-Community macht Kynast fleißig mit. Es ist Verleumdung und Hetze die er und die Seinen betreiben. Vermutlich ist das justiziabel. Es ist auf jeden Fall nicht Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen. Sie sollen eigentlich der Völkerverständigung dienen und keine Volksverhetzung betreiben. Tun sie aber. Und Kynast ganz vorne weg.

Die Kynast-Dialoge. 3. Teil

Die steile These Kynasts war im voraufgegeangenen Tweet, Schwule und Lesben hätten in Russland keinen freien Zugang zu Kunst und Literatur. Spätestens hier muss auffallen, wie verschroben und absurd die Sicht Kynasts auf Russland ist. Hier wird deutlich, dass hier eben kein Journalist unabhängig und möglichst unvoreingenommen berichtet, sondern dass hier jemand für sich und sein Publikum eine virtuelle Realität zusammenzimmert, die einem ideologisch geformtem Weltbild entspringt, das sich aus Ressentiments speist und Ressentiments bedient.

Denn wie soll die Verweigerung eines Zugangs zu Kunst und Literatur für Schwule und Lesben funktionieren? Wird da die sexuelle Orientierung am Eingang des Bolschoi Theater abgefragt? Muss man einen Fragebogen zu sexuellen Präferenzen ausfüllen, wenn man in die Ermitage möchte? Das ist natürlich alles völliger Humbug.

Ein Blick in die russische Pop-Kultur genügt, um darüber hinaus zu erkennen, dass auch die Kunst- und Kulturschaffenden nicht nach möglichst heterosexueller Orientierung ausgewählt werden. Es ist viel ziemlich queer, was im russischen Pop passiert.

Es lohnt also ein weiterer Blick auf die vorgetragenen Thesen unseres Hauptstadtkorrespondenten. Natürlich stimmt es nicht, dass Schwulen und Lesben staatliche Schutz verwehrt wird. Richtig ist: Es wird ihnen kein besonderer Schutz in Form eines Antidiskrimnierungsgesetztes gewährt. Ich will hier nicht die besondere Problematik dieses Gesetzes diskutieren, auch nicht, ob es tatsächlich klug war, ein solches Gesetz zu verabschieden, ob man es überhaupt braucht. Zur Kenntnis nehmen sollte man jedoch, dass dieses Gesetzt vielfach diskutiert und aus guten Gründen nicht ausschließlich positiv bewertet wird.

Was aber für Russland genau wie für andere Rechtsstaaten auf jeden Fall gilt, ist, dass keine gesellschaftlichen Gruppen vom Schutz durch das Gesetz ausgenommen sind. Es ist grober Unfug, was Kynast hier behauptet.

Auch die Sorge um die Anerkennung der sexuellen Orientierung bei Kollegen ist merkwürdig verschroben. Ob das Verständnis für meine sexuelle Orientierung bei meinem Kollegen stark  oder weniger stark ausgeprägt ist, weiß ich in meinem eigenen Fall nicht zu sagen,. Ich informiere meine Kollegen im Allgemeinen darüber nicht, frage ihr Verständnis daher auch nicht ab.  Ich möchte auch von meinen Kollegen nicht im Detail über ihre sexuellen Orientierungen und Vorlieben informiert werden. Es gibt da Ausnahmen, die sich durch eine besondere persönliche Nähe ergibt. Allgemein gilt jedoch, dass ich mit den sexuellen Wünschen und Begehren meiner Kollegen und Kolleginnen bitte nicht belästigt werden möchte. Es könnte durchaus sein, dass ich dafür kein Verständnis habe, weil ich die sich daraus ergebende Lust nicht nachempfinden kann.

Sexualität ist privat und intim. Sexualität ist gerade das Element menschlichen Verhaltens, wodurch das Private vom Öffentlichen abgegrenzt wird. Das gilt in Russland ebenso wie bei uns. Es ist eine anthropologische Konstante, die sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte zieht.

Da hat Herr Kynast seinen Foucault entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Für das Vorhandensein dieser Grenze Putin oder den russischen Staat verantwortlich zu machen, zeugt daher entweder von einer völligen Verkennung und Verblendung gegenüber der Natur menschlicher Existenz oder ganz einfach von niedriger Absicht, davon von Russland etwas einzufordern, was gar nicht eingelöst werden kann.

Der Rechtsstaat kann Gesetze machen, die seine Bürger schützen. Er kann keine Gesetze machen, die Verständnis erzwingen.  Die Gedanken sind frei. Tut er es doch, bewegt er sich ganz zügig Richtung Totalitarismus und Diktatur.  Aber genau das fordert Kynast. Der russische Staat soll sicherstellen, dass alle Bürger Russlands für die sexuellen Begehren aller anderen Bürger Verständnis haben müssen. Mit Verlaub – so eine Forderung ist an Schwachsinnigkeit, vor allem aber an Freiheitsfeindlichkeit nicht zu überbieten. Kynast fordert Gedankenpolizei und Gesinnungskontrolle.

Diese Forderung eignet sich aber auch, gerade weil sie auf ewig unerfüllbar bleiben muss, wunderbar zur Agitation und Propaganda. An der vollständigen Kontrolle der Gedanken ihrer Bürger ist noch jede Diktatur gescheitert. 

Es muss freilich jeder für sich selbst entscheiden, wo er Kynast einordnen möchte. Ist er einfach nur nicht gerade das hellste Gestirn am Journalisten-Firmament oder ist er ein ausgemachter Propagandist? Alle Mischungsverhältnisse dieser beiden Varianten sind natürlich ebenfalls denkbar.

Die Kynast-Dialoge. 2. Teil

Wir hatten einen Einstieg in ein Thema. Mein Lieblingsthema, denn meine persönliche, intensivere Auseinandersetzung mit Russland entzündete sich genau an der Frage, inwieweit Schwule und Lesben in Russland tatsächlich unterdrückt, verfolgt und staatlich drangsaliert werden.

Die gute, von mir persönlich immer weiter und tiefer recherchierte Nachricht ist: Es gibt keine Unterdrückung von Schwulen und Lesben in Russland. Man kann als Schwuler in Russland gut leben. Es gibt eine funktionierende Infrastruktur. Bars, Clubs, Saunen, Vereine. Es gibt keine Razzien in den Clubs, die russischen Städte zählen zu den sichersten der Welt, man wird also nicht verprügelt, weder als Schwuler noch als Hete.

Man kann als schwules Paar unbehelligt zusammen leben. Ich habe Freunde in Moskau, in Kaliningrad, in Petersburg und Archangelsk, ich weiß von Paaren in anderen Städten, die genau das tun. Man kann sich auch auf dem Roten Platz küssen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Es passiert nichts, es interessiert einfach niemanden.

Die schlechte Nachricht ist daher eine andere: Wir bekommen hier von Medien und NGOs zu genau diesem Thema einen Haufen Blödsinn erzählt. Dieser Blödsinn stachelt auf, er schafft Aggression und Hass auf Russland. Das ist kein Versehen. Diese Wut, die aufkeimt, wenn wir hören, dass Schwule einfach nur aufgrund ihrer Neigung grausam zugerichtet werden, die Nachrichten darüber, wie sie dann kein Gehör finden bei Polizei und Behörden, diese Wut die dadurch entsteht ist das eigentliche Ziel der Berichterstattung. Mit der Fake-News Berichterstattung der westlichen Medien, auch der öffentlich-rechtlichen Medien wird Hass und Widerwillen gegen die russische Regierung und gegen Russland erzeugt. Die Information von der Verfolgung von LGBT in Russland ist falsch. Die damit erzeugte Wut, die Ablehnung und Ressentiment gegenüber Russland, die sind allerdings echt.

Dieser Propaganda schließt sich unser Hauptstadt-Korrespondent natürlich an.

Das Thema LGBT ist eins der Themen, mit dem eine antirussische Grundstimmung erzeugt wird. Das zdf und Kynast machen hier fleißig mit. Kynast klärt nicht auf, er verschleiert. Mutmaßlich aus eigenem Unwissen. Das ist das, was man zu seiner Entschuldigung noch sagen kann. Er hat einfach keine Ahnung wovon er spricht, plappert vermeintliche Allgemeinplätze nach. Und er überschlägt sich in seiner Argumentation bis hinein ins Absurde.

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Die Kynast-Dialoge. 1. Teil

Ein Korrespondent des zdf kommentierte einen Beitrag von RT Deutsch auf Twitter positiv. Ich fand das erstaunlich und entschloss mich, ihm zu folgen. Was ich danach erst verstand: Diese vermeintlich positive Kommentierung konnte nur ironisch gemeint sein. Dennoch schien mir dieser neue Kontakt gewinnbringend, weshalb ich ihn aufrecht erhielt. Der Korrespondent war Andreas Kynast. Auf Twitter ist er ausnehmend aktiv, kommentiert alles und jeden, oft in ausnehmend aggressiven Ton, meist verbunden mit einem grundlegenden Mangel an Themenkompetenz. Es wird ganz schnell deutlich: Um Dialog, Austausch, Einblick in andere Sichtweisen, Verständnis – um all dem geht es ihm nicht. Es geht ihm um Durchsetzung einer bestimmten Sichtweise, die wiederum eingebettet ist in eine bestimmte Ideologie. Von dieser Ideologie, in die er eingebunden ist, die er massiv vertritt, weiß Andreas Kynast nichts. Er hält seine Welt für den natürlichen Zustand, das finale Ziel historischer Entwicklung. Einfach normal eben. Er kann seine Sicht daher auch nur sehr bedingt reflektieren.

Damit ist Andreas Kynast das, was Ulrich Teusch in seinem Buch “Lückenpresse” den “Mainstream im Mainstream” nennt. Er markiert gleichsam emblematisch den Ort journalistischen Versagens. Aus diesem Grund ist eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung geboten, lässt sich an ihr doch zeigen, was gerade in der deutschen Medienlandschaft so grundlegend schief läuft und für ein zunehmendes Unbehagen sorgt.

Beginnen will ich mit einem Text von mir, der auf RT Deutsch erschienen ist. Es geht darin um die Frage, warum es in Russland keine Gay Prides gibt. Ich habe einen Link zum Text gewittert und erhielt darauf unmittelbar eine Antwort von unserem zdf-Korrespondenten.

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Hier entspann sich dann ein Gespräch, das Diskussion zu nennen sich verbietet.

Im zweiten Teil werde ich auf den Inhalt und die Struktur des Gesprächs eingehen.

Warum gibt es in Russland eigentlich keine Gay Prides?

Es ging ein Raunen durch den russischen Blätterwald. als bekannt wurde, dass die Stadtregierung von Nowouljanowska grünes Licht für die erste Gay Pride in Russland gegeben hat. Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Doch dann kam alles ganz anders.

Abgehalten werden sollte die Pride am 28. August in der Zeit von 12 bis 14 Uhr in dem kleinen Dorf Jablonewij, dessen Einwohnerzahl mit 7 (sieben) angegeben wird.

Der Initiator der Veranstaltung und Gründer der Organisation „Gay Russia“ Nikolai Aleksejew, der seit Jahren auf juristischem Wege versucht, Gay Prides in Russland durchzusetzen, sah sich und sein Verständnis von Schwulenrechten auf der Zielgeraden angekommen.

Doch schon wenige Tage nach der Ankündigung folgte die Absage. Die Art der Absage lässt darauf schließen, dass …

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Konflikte der Zukunft – Alexander Dugin umreißt eine künftige Theorie der multipolaren Weltordnung

Alexander Dugin ist ein russischer Philosoph und Soziologe, der an der staatlichen Moskauer Universität lehrte und aktuell als Publizist arbeitet. Im Westen wird er gerne als „Chef-Ideologe“, „Vordenker“ oder „Zuflüsterer“ des russischen Präsidenten tituliert.

Sucht man im Internet gleichzeitig nach den Namen Dugin und Putin erhält man eine lange Liste von Artikeln über den angeblichen Einfluss Dugins auf die Politik Putins. In den deutschen Qualitätsmedien wie SpiegelDie ZeitSüddeutsche und Welt ist von einem modernen Rasputin die Rede, von „Putins Hirn“, vom „Einflüsterer Putins“, da ist Dugin der „rechtsradikale Guru“ Russlands. Dugin wird dargestellt als wirr, als rechts bis offen faschistisch und daher gefährlich. Gleichzeitig ist er laut deutschen Medien mit großem Einfluss auf die russische Politik ausgestattet.

Wer die Unzuverlässigkeit kennt, mit dem der deutsche Mainstream über Russland „informiert“, bekommt …

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Derbent – Weltkulturerbe am Kaspischen Meer

Im Süden von Dagestan, unweit der Grenze zu Aserbaidschan, liegt die Stadt Derbent. Sie liegt malerisch am Kaspischen Meer und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Derbent ist über zweitausend Jahre alt, erste Zeugnisse für Siedlungen werden auf ein Alter von fünftausend Jahren datiert.

Von Machatschkala, der Hauptstadt der russischen Republik Dagestan, erreicht man Derbent am besten mit …

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