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Der russische Außenminister Sergej Lawrow – Vortrag und Diskussion in Berlin

Am 14. Juli war der russische Außenminister Lawrow zu Gast in Berlin. Die Körber-Stiftung hatte ihm ein Podium eröffnet, auf dem Lawrow über aktuelle Probleme sprach. Lawrow legt klar die Sichtweise Russlands dar, analysiert plausibel die westliche Politik sowie die Entwicklung der letzten Jahre und zeigt mögliche Wege aus der Krise. 

Es ist  nichts weniger als ein weiteres Angebot zur Zusammenarbeit auf den aktuell wichtigen Feldern, das Lawrow hier präsentiert.

Wie wenig diese durchweg aufgeklärte Haltung und das dialektische Denken in  der deutschen Polit-Kultur noch vertreten ist, zeigt dann die Fragerunde.

Volker Beck (Grüne) und Elisabeth Motschmann (CDU) sind das Beispiel jener Politiker, die sich selbst nicht mehr um Aufklärung bemühen, sondern nur noch feste Positionen und Sprachregelungen vertreten, ganz unabhängig von einer Überprüfung der Fakten und ohne jedes diplomatische Verständnis. Völlig unkritisch sind sie dem Material gegenüber, dass ihnen seitens irgendwelcher NGO’s zugeliefert wird.

Wenn Volker Beck im Hinblick auf die Situation in Tschetschenien von „Berichten“ über die Verfolgung von Schwulen spricht, müsste er eigentlich wissen, dass das falsch ist. Es gibt keine Berichte, es gibt lediglich einen einzigen Bericht in der Novaja Gaseta. Alle anderen Berichte wie zum Beispiel der von Human Rights Watch oder der Bericht von Vice sind der Zwei- und Drittaufguss dieses einen Berichts. Dort wird nichts Neues hinzugefügt.

Und wenn jede Ermittlungsarbeit seitens der Russen von deutschen Medien, insbesonderen der Organe der queeren Szene noch vor jeder Prüfung infrage gestellt werden, einfach nur weil die Ermittler Russen sind, dann müsste er auch wissen, dass Lawrow recht hat mit seiner Feststellung, es gäbe hier im Westen Russophobie. Ein immens großes Problem, so groß, dass wir es beständig übersehen. 

Sachlich und aus dem Geiste der Aufklärung heraus ist es in keinem Fall, was hier bei uns politisch passiert. Das sieht man deutlich an der Verdrehung der Fakten in Bezug auf die Krim durch Beck. Das von ihm erwähnte Budapester Memorandum über die Grenzen in Europa legitimiert nämlich in keiner Weise einen Putsch, wie er vom Westen in der Ukraine betrieben wurde. Auch lässt sich diskutieren, ob nicht die USA gegen das Memorandum zuerst verstoßen haben. Mit dem Putsch in der Ukraine muss die Erzählung über die Krimkrise aber beginnen, denn ohne ihn ist die Abspaltung der Krim nicht denkbar. Diesen Teil lässt Beck aber geflissentlich aus.

Jenseits jeglicher Vernunft, aus reiner Emotion heraus argumentiert dann Elisabeth Motschmann, Mitglied der CDU und des auswärtigen Ausschusses. Allein schon in der Wortwahl gibt sie jede Verbindung zu einer an den Werten der Aufklärung sich orientierenden Leitkultur preis. Völkerrecht und international Verträge haben für die CDU-Politikerin keinerlei bindenden Charakter mehr. Nur die eigene emotionale Aufwühlung ist ihr Richtschnur.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel hat an der Veranstaltung nicht teilgenommen – er ließ sich aufgrund von gesundheitlichen Problemen entschuldigen.

Urlaub in Russland: Die Region Krasnodar

Russland, so ist geht ein weit verbreitetes Vorurteil ist ein kaltes Land. Kaum einer denkt an ausgedehnte Strände, subtropisches Klima mit langen Zypressenhainen und Weinanbau, lauen Nächten und perfektem Badewetter. Genau das allerdings bietet die in Südrussland gelegene Region Krasnodar.

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Wahlen hier und dort

In Berlin sind morgen Wahlen. Ich weiß bis jetzt noch nicht, was ich wählen soll. Der Wahlkampf war schlapp und mau, die Themen und Thesen hohl und schal. Die Kampagnen und Programme unterscheiden sich lediglich ästhetisch, inhaltlich jedoch kaum. Das gilt nicht nur für Kommunalwahlen, auch bei den Landtagswahlen war es ähnlich.

Morgen sind auch Wahlen in Russland. Die Duma wird gewählt. Das entspricht in etwa unserer Bundestagswahl. Und während die etablierten Parteien hier in Deutschland durch ihre thematische Nähe auffallen, kann man russische Bürger unter demokratischen Aspekten nur beneiden. Die haben tatsächlich was zu wählen. Es gibt da Kommunisten, Sozialisten, die Partei “Einiges Russland”, die sich inzwischen vom Neoliberalismus verabschiedet hat, Sozialdemokraten, die den Namen verdienen, Liberale, die den Neoliberalismus nach wie vor ganz toll finden, und so weiter und so fort.

Mit anderen Worten, im Gegensatz zur hiesigen Parteienlandschaft, die in ökonomischen Fragen alle weitgehend gleichgeschaltet sind und Alternativlosigkeit predigen, macht der russische Wahlzettel mit den unterschiedlichen ökonomischen Alternativen zum hiesigen System vertraut.

Die Idee, man müsste eine so wichtige Frage wie die ökonomische der politischen und gesellschaftlichen Steuerung entziehen und im Gegenteil Gesellschaft sogar durch ökonomische Zwänge steuern lassen, zeigt den intellektuellen Niedergang der westlichen Welt. Blöder geht eigentlich nicht, nur vielleicht dadurch, dass die Medien diese Idiotie nicht nur mitmachen, sondern sogar befördern.

Es war der Philosoph Ludwig Feuerbach, der nachwies, dass Gott etwas ist, das als Projektionsfläche vom Menschen geschaffen wurde. Gott ist ein kulturelles Produkt. Es war die Aufklärung, die uns von der Absurdität befreit hat, uns unter etwas zu unterwerfen, was wir selbst geschaffen haben.

Heute unterwerfen wir uns dem “freien Markt”. Auch der ist irgendein metaphysisches Dingsbums, das wir selbst geschaffen haben, um uns ihm total zu unterwerfen. „Wie dumm kann man sein?“, muss man an dieser Stelle fragen.

Diese Totalunterwerfung unter das Prinzip des freien Marktes erkennt man an der epidemischen Ideenlosigkeit der Parteien, ihrer Gleichförmigkeit, die sich darin äußert, dass sie sich nur noch über Marginalien streiten. Burkaverbot und Homoehe besipielsweise; völlig irrelevante Themen, wenn es darum geht, gemeinsamen Wohlstand und darüber gesellschaftliche Zusammenhalt zu befördern. Entsprechend driftet Gesellschaft auseinander und radikalisiert sich, denn sie hat keinen Ort mehr, der ihr zentrales Interesse repräsentiert. Die westliche Bürgerschaft ist politisch verwaist, weil Politik über Parteigrenzen hinweg auf die zentrale Frage die immer gleiche, nicht zielführende Antwort gibt: Der Markt richtet es, irgendwie.
Denn natürlich ist die Verteilungsfrage zentral. Sie nicht mehr zu stellen, sie im Gegenteil zu belächeln, treibt den Niedergang westlicher Demokratien voran. Denn das Faktum, dass Ökonomie ein zentraler Bestandteil von Politik zu sein hat, die zum Wohle aller zu regulieren ist, das hat Russland wohl verstanden. Bei uns besteht da aber ein gravierender Wissensmangel. Es braucht eine neue, mutige und mächtige Bewegung der Aufklärung, um uns aus dieser seit Dekaden im Westen wütenden Anti-Aufklärung zu befreien. 

Die Krim – Ein Jahr danach

Bereits im vergangenen Jahr habe ich die Krim besucht. Damals war ich überrascht von der Situation, die sich vor Ort so ganz anders darstellte als in unseren Medien beschrieben. Jalta war damals im Gegensatz zu den Behauptungen von Golineh Atai und ihren Mainstream-Kollegen gut besucht. Es gab auch keine Engpässe in der Versorgung, Jalta zeigte sich schon im vergangenen Jahr als subtropisches Ferienidyll. In diesem Jahr bin ich wieder nach Jalta gereist. Etwas zog mich hin zu diesem Ort. Ich hatte eigentlich geplant, einen anderen Ort in Russland zu besuchen, Sotchi vielleicht oder den Baikal-See. Russland ist groß, multikulturell, vielgestaltig, bietet daher eine große Auswahl an Orten, die es wert sind, bereist zu werden. Doch ich wollte nochmals auf die Krim. Ich hatte von ihr geträumt, immer wieder in den vergangenen Monaten. Immer wieder war ich nachts in ihre Schönheit eingelassen.

Ich plante eine zweiwöchige Reise. Zur Sommersonnenwende, den weißen Nächten, fuhr ich mit meinem Freund Pawel  nach Sankt Petersburg, anschließend reiste ich über Moskau auf die Krim.

Im Gegensatz zum Vorjahr war die Krim in diesem Jahr nicht gut besucht, sie war schlicht voll. Es fing schon auf dem Moskauer Flughafen Vnukovo an. Ich hatte es für einen Fehler im Buchungssystem gehalten, als ich es auf meinem Ausdruck zu Hause gelesen hatte. Aber es war tatsächlich so, dass der knapp zweistündige Flug mit einer Boeing 747, dem zweitgrößten Passagierflugzeug der Welt durchgeführt wurde, das eigentlich für Langstreckenflüge ausgelegt ist, nun aber zwischen Moskau und Simferopol im Pendelverkehr eingesetzt wird, um den Andrang bewältigen zu können.

Der Flughafen in Simferopol ist für derart große Maschinen nicht ausgelegt. Das fängt schon beim Ausstieg an. Man verlässt die zweigeschossige Boeing über eine mobile Gangway und wird mit Bussen zum Flughafengebäude gefahren. Das ist doch sehr ungewöhnlich. Bei den Gepäckbändern geht es weiter, sie sind viel zu kurz, um die große Zahl an Koffern aufzunehmen. Der kleine Flughafen, der im vergangenen Jahr an seiner Belastungsgrenze arbeitete, arbeitet jetzt jenseits davon. Entsprechend groß sind die Verspätungen, zu denen es kommt. Auf meinem Hinflug waren es fünf, auf meinem Rückflug immerhin noch knapp drei.

Die Nachfrage nach Urlaub auf der Krim wurde in diesem Jahr zusätzlich dadurch befeuert, dass für Russland die Urlaubsziele Türkei und Ägypten ausfielen, darüber hinaus bedingt durch einen ungünstigen Rubelkurs Reisen in die Eurozone unverhältnismäßig teuer sind.

Die Sanktionen gegen die Krim, die zu den Russland-Sanktionen die Halbinsel zusätzlich treffen sollen, sind noch in Kraft. Das heißt, die Krim ist noch immer vom SWIFT-Zahlungsverkehr abgeschnitten. Kreditkarten funktionieren daher nicht. Allerdings hat sich die Situation im Vergleich zum vergangenen Jahr doch verbessert. Zumindest für die Russen. Denn angesichts der Drohungen, im Rahmen eines erweiterten Sanktionsregimes Russland vollständig vom SWIFT-System auszuschließen und dem faktischen Ausschluss der Krim hat Russland ein eigenes Zahlungssystem entwickelt, das inzwischen auch in China eingesetzt werden kann. Die Krim-Sanktionen haben diese Entwicklung beschleunigt.

Kommt man aus der EU bedeutet das aber, dass man mit Bargeld anreisen muss. Weitere Sanktionen gegen die Krim sind unter anderem, dass in Reisebüros des Westens keine Reisen auf die Krim angeboten werden dürfen. Weiterhin erhalten die Bewohner der Krim kein Schengen-Visum. Sippenhaft. Ganz primitiv. Falsch abgestimmt, dann müssen alle dran glauben. Kennt man auch aus Griechenland. Der Westen zeigt in seinen Handlungen wenig Souveränität.
An der Haltung der Krimbewohner ändern die Sanktionen freilich nichts. Im Gegenteil erscheint vor Ort das westliche Sanktionsregime als reichlich absurdes Theater. Ich persönlich frage mich, warum westliche Regierungen die Forschungsergebnisse in Psychologie und Pädagogik so vehement ignorieren. Gesetzt den Fall, man hielte es für sinnvoll, und man will eine Verhaltensänderung erreichen, dann sind Stubenarrest und Taschengeldentzug als Mittel gegenüber einer Person völlig ungeeignet, die sich als eigenständig, voll entwickelt und daher auf Augenhöhe sieht. Es wirkt in seiner Unangemessenheit reichlich lächerlich, disqualifiziert daher eher den Sanktionerer als ernst zu nehmendes Subjekt. Das gilt für einzelne Individuen genauso, wie für Gruppen und Nationen.  

Die Krim ist von einer beeindruckenden Schönheit. Wie gesagt, hatte ich ursprünglich geplant, an einem anderen Ort in Russland meine freien Tage zu verbringen. Allerdings war der Drang, wieder auf die Krim zu fahren schließlich übergroß. Es gab da auch noch viel zu entdecken, schließlich hatte ich längst nicht alles gesehen. Es gab da beispielsweise Simeiz, das sich zu Jalta verhält wie Sitges zu Barcelona. Ein kleiner, gayfriendly Badeort, der laut Auskunft von Freunden wohl schon in der Sowjetzeit einschlägig bekannt war. Sowas gibt es in Deutschland nicht, im angeblich homophoben Russland komischerweise schon. Da stimmt wieder mal was mit der hiesigen Wahrnehmung nicht. 

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Der Zugang zum dortigen FKK-Strand ist alles andere als barrierefrei. Man muss schon ein bisschen klettern und braucht feste Schuhe, um den zwar gut ausgeschilderten, aber doch sehr felsigen Weg hinab zu bewältigen. Dafür wird man unten angekommen um so mehr entschädigt. Die kleine Bucht bietet einen schönen Ausblick auf das Schwarze Meer, eingerahmt von Steilküste, die dem ganzen Szenario eine unglaublich ästhetische Dramatik verleiht.

Viele junge Leute sind in Simeiz, nicht nur, weil Europa derzeit teuer ist. Es herrscht hier ein anderes Flair. Obwohl gayfriendly fehlt die im Westen so typische schrille, fast schon hysterische Komponente. Keine Muskelmänner in High Heels, kein zur Schau getragener Fetischismus, außerhalb der Bars keine Drag-Shows. Wem das Schrille einer westlichen Gay Pride nicht liegt, wer aber trotzdem auf die Community nicht verzichten möchte, der wäre hier eigentlich richtig.

In Simeiz wird fühlbar, wie anders eine gay community auch möglich wäre. Allerdings werden diese Alternative die westlichen Vertreter à la Meth-Konsument Beck von den Grünen zu diskreditieren wissen. Unsere Transatlantiker mit emanzipatorischem Anstrich dulden nur eine Form der Darstellung von queerer Emanzipation, und die ist schrill, laut bunt, marktkonform, fokussiert auf die weiße, bürgerliche Mittelschicht, ein bisschen rassistisch und natürlich wenig Kultur sensibel. Es muss überall die gleiche Soße sein, sonst schmeckt es nicht. Diese nicht nur aber vor allem bei den Grünen weit verbreitete Haltung kann man mit einiger Berechtigung auch Kulturchauvinismus oder neokoloniales Denken nennen, zumal es in diesem Fall tatsächlich dazu eingesetzt wird, zu hetzen, zu spalten und eine Aggression gegen Russland zu schüren.

Von unglaublicher Überheblichkeit ist dieses Denken. Völlig verkürzt, auf ganz wenige Indikatoren reduziert, bemessen westliche, allen voran Grüne Politiker die Freiheit von Schwulen und Lesben in anderen Ländern. Gay Pride ja oder nein?  Wir haben das, die nicht. Schwule Ehe ja oder nein? Gibt’s bei uns, bei denen nicht. In ganz wenigen Kategorien erschöpft sich deren Bemessungsgrundlage. Heraus kommt dann, Russland sei ein homophobes Land. Die Unzulänglichkeit dieser Methode ist offensichtlich.  Als gebe es einen objektiven Gradmesser für Homophobie jenseits von so etwas wie offiziellem Verbot und Strafen. Alle Versuche, das zu ermitteln, sind bestenfalls diskussionswürdig, meist aber einfach Humbug.

Es war übrigens die Grüne Europaabgeordnete und Vorsitzende der Grünen im Europaparlament Rebecca Harms, die in Kiew aus der Regenbogenfahne eine Symbol westlichen Imperialismus’ gemacht hat. Man kann nur erschrecken über soviel Arroganz.
Mit ihrer fast ausschließlichen Ausrichtung auf kulturethische, liberale Fragen und ihrer Abkehr von der Frage nach Verteilungsgerechtigkeit sind die Grünen eben keine linke, emanzipatorische Partei mehr. Die SPD freilich auch nicht.  Und bei der Linken habe ich nicht erst seit dem Wagenknecht-Bashing große Zweifel. Deutschland ist geistig verarmt. 

Hinzu kommt die Kurzsichtigkeit und mangelnde Reflexion insbesondere der Grünen im Hinblick auf Kultursensibilität, wenn es um Russland geht. Hier herrscht Ignoranz in einem erschreckenden Ausmaß. Man kann hier gerne auch schon mal von blankem Rassismus sprechen. Anders lassen sich zahlreiche Irrationalismen bis hin zum offenen Hass bei Beck Harms und Co meines Erachtens gar nicht mehr erklären. Hier werden ganz offen doppelte Standards angelegt. 

Es ist zu wünschen, das Engagement für Minderheiten und ihre Rechte würden Harms und ihre korrekt gendernden MitstreiterInnen auch auf die USA anwenden. Aber auf die Teilnahme an einer illegalen Demonstration gegen rassistische Polizeigewalt von irgendwelchen Grünen wird man noch lange warten können. Nicht die kleinste Stellungnahme ist hier zu finden, obwohl sich gerade Grüne Politiker damit hervortun, jegliche diplomatische Gepflogenheit unter den Tisch fallen zu lassen und sich kräftig in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen. Aber nur, wenn es um Osteuropa geht. 

Unter anderem an dieser Asymmetrie in der Bewertung sieht man, wie unlauter ihr Engagement auch in Sachen Russland gegen den angeblich homophoben russischen Staat ist. Es ist einfach ein ganz gewöhnlicher transatlantischer Imperialismus unter dem Deckmäntelchen des Einsetzens für Minderheiten, der hier stattfindet.

Doch bevor mein Blutdruck weiter steigt, weg von den Grünen, hin zu Angenehmerem, wieder zurück nach Simeiz.
Simeiz wäre das ideale Ziel für alle, die einen idyllischen, ruhigen Strandurlaub in der Community verbringen wollen, aber auf die in den letzten Dekaden etablierten Symbole, das dionysisch Rauschhafte und die Klischees der westlichen gay community verzichten möchten, wären da nicht die Sanktionen, die einen Besuch in Simeiz für westliche Besucher zu einem Abenteuer machen, denn die ganze Reise muss allein organisiert werden. Auf Englisch als Brückensprache kann zudem nicht vertraut werden. Ein Austausch und ein Eindruck wird somit fast unmöglich gemacht. Allerdings ist es dieses Mal der Westen der hier einen zunehmend eiserner werdenden Vorhang errichtet.

Auf der Krim wird viel über Politik gesprochen. Man beschwert sich über steigende Preise, fordert mehr Unterstützung aus Moskau, sieht den Prozess der Integration zu langsam fortschreiten. Die Anbindung an die Ukraine wünscht dabei aber niemand.
Sicherlich: Man sieht auch Aggression und wehrt sich dagegen. Allerdings verortet man den Aggressor ganz woanders als es hier in den Medien dargestellt wird: Es ist die NATO, die auf der Krim als Bedrohung empfunden wird.

Auf dem zentralen Platz der Stadt Jalta vor dem großen Lenin-Denkmal gab es an meinem dritten Aufenthaltstag eine Demonstration gegen die NATO sowie gegen die Präsenz von US-amerikanischen Kriegsschiffen im Schwarzen Meer. In den Reden wurde darauf verwiesen, dass man hier immer wieder gegen die NATO demonstriert hatte, auch zu Zeiten, als die Krim noch zur Ukraine gehörte. Es wurde von früheren Bemühungen um mehr Autonomie und von Abspaltungsverlangen der Krim-Bewohner erzählt, es wurde hervorgehoben, wie dann die NATO immer Präsenz gezeigt und gedroht hätte.

Die Krim hat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion immer wieder für mehr Autonomie gestritten. Schon 1994 fand ein Referendum statt, in dem mit überwältigender Mehrheit von 90 Prozent die Bürger der Krim für einen Anschluss an Russland votierten.

Die Bürger der Krim in ihrer Vielfalt fühlen sich Russland zugehörig. Das jetzige Referendum hat dem erneut Ausdruck verliehen. Ich habe keine Stimme gehört, die sich die Ukraine zurück wünschen würde. Das wäre auch seltsam, denn es ist deutlich, was die Alternative zu subtropischen, wirtschaftlich prosperierenden Ferienidyll wäre: Bürgerkrieg in einem scheiternden Staat, faschistische Bataillone und eine unglaubliche Korruption.

In Sankt Petersburg war ich es selbst, der die NATO als Aggressor empfunden hat. An einem Abend waren wir dort in der Oper, in Don Carlos. Es war ein unglaublich geglückter Abend, eine gute Vorstellung, hochbegabte Sänger, ein Orchester mit einem virtuosen Dirigenten verbunden mit einer interessanten Inszenierung. In der Pause überfiel mich dann der Gedanke an die Übungen der NATO und die Stationierung von unter anderem deutschen Soldaten kaum 160 Kilometer von Sankt Petersburg entfernt, die nichts anderes übten und kein anderes Ziel verfolgten, als all dies hier zu zerstören.

Hier bei uns wird die Meinung vertreten, Russland sei international isoliert. Ein Land, das ausschließlich für sich und seine Interessen kämpft. Wer nur ein bisschen außerhalb des Mainstreams nach Informationen sucht, wird feststellen können, wie schräg und verzerrt dieses Bild ist. Russland ist, oft als treibender Motor, in eine Vielzahl von transnationalen Projekten involviert. Da sind neben BRICS die Shanghai Organisation für Zusammenarbeit, die Zollunion, die New Development Bank, die Asian Infrastructure Development Bank, usw. usf. Die Liste der Großprojekte, die eine weltweite Vernetzung von Handel, kulturellem Austausch und Zusammenarbeit vorantreiben, an denen Russland maßgeblich beteiligt ist, ließ sich noch weiter fortsetzen.
Allein Europa, die Europäische Union kommt in all diesen weltumspannenden Projekten, die die Weichen für eine Neuordnung der Welt bedeuten, bestenfalls am Rande vor. Es ist der Westen, der sich isoliert hat und den Anschluss verpasst. In Russland und den mit Russland kooperierenden Ländern wird gerade ganz groß und ganz visionär gedacht. Bei uns denkt man an schwarze Nullen, Austerität, Kleinklein und in Trippelschritten, man denkt an das Wohl der großen Konzerne und Banken während die Infrastruktur zerbröckelt.

Muss man sich wirklich überlegen, ob man diese Unterordnung von Politik unter die Ökonomie für alternativlos halten möchte. Ein Blick nach Osten zeigt, dass es nicht so ist. Dort gestaltet Politik Wirtschaft in ganz großem Maßstab.  Unter anderem auf der Krim wird das sicht- und fühlbar. In nur einem Jahr ist der Wohlstand hier deutlich gewachsen. Während er in der Ukraine und der Europäischen Union für die Mehrheit der Bürger sinkt. 

Nachdem durch den Untergang des Römischen Reiches dessen Infrasturktur zerbröselte, hat es übrigens 600 Jahre gedauert, bis wieder mal eine Brücke über den Main gebaut wurde. Die war dann aus Holz.

 

Massenpsychose – Wie Deutschlands Elite Krisen verarbeitet.

Wer meinem Blog folgt, erfährt immer auch ein bisschen was über mich. Das geht gar nicht anders.
Der erfährt zum Beispiel was über meine Arbeit. Der weiß, ich arbeite in der Gemeindepsychiatrie, genauer in der Drogenhilfe. Das war nicht mein Berufsziel, denn ich habe mal was Geisteswissenschaftliches studiert, das abgeschlossen und verdiente mein Geld als Dozent und Lehrer. Leider kam meiner beruflichen Karriere der Bologna-Prozess und das Zuwanderungsgesetz in die Quere.
Das Bundesamt für Migration stattete die Integrationskurse genannten Sprachkurse, die Zuwanderer seit 2003 besuchen müssen, finanziell so schlecht aus, dass entweder die Klassen sehr groß oder die Honorare für die Dozenten sinken mussten. Da die Sprachschulen an der Größe ihrer Räume wenig ändern konnten, entschieden sie sich für die Senkung der Honorare.

Ein von mir unternommener Fluchtversuch in Richtung Universität scheiterte, denn dort sah es inzwischen ähnlich aus. Man bekam drei-Monatsverträge und wurde eingeladen, ab und zu mal was für Umme zu machen.
„Na dann eben nicht“, dachte ich mir, und zog weiter.
Ab etwa dreißig stellt sich das Bedürfnis ein, einen etwas längeren Zeitraum als vier Monate finanziell überblicken zu wollen. Das ist freilich eine Zumutung für die Arbeitsmärkte, die ganz auf Flexibilität der Marktteilnehmer setzen.  

So kam ich als Pädagoge zur Arbeit in der Psychiatrie und was soll ich sagen, ich fühle mich dort rundum wohl. Ich ermögliche Veränderung, verfüge über die Zeit und die finanziellen Mittel meinen Blog unabhängig und werbefrei zu halten, kann reisen und darüber berichten, so ein kleines Gegengewicht zur deutschen Propaganda bilden.  Alles chic also.

Die Psyche, der psychische Apparat und der Umgang von Gesellschaft mit den Blüten, die Psyche in der Lage ist zu bilden, war ein Thema, dem ich mich auch an der Universität intensiv gewidmet habe. Es fasziniert mich.

Gesellschaft muss sich am Umgang mit ihren Rändern messen lassen. Sie muss sich daran messen lassen, wie sie mit ihren Wahnsinnigen und Irren, ihren Süchtigen, ihren Schwulen und Lesben, mit ihren Pädophilen umgeht. Es handelt sich bei all diesen Phänomenen um anthropologische Konstanten, das heißt, sie sind immer da. Man kann diese Menschen einsperren, sie zwingen sich zu verstecken, man kann sie mit dem Tode bedrohen, man kann sie in ein Schiff setzten, das Fluss abwärts fährt und hoffen, dass die Passagiere des Narrenschiffes ihren Weg nie zurück finden, man kann ihnen Teile des Gehirns zermatschen auf dass sie dick und friedlich werden. Und dennoch: In der nächsten Generation sind sie wieder da.

Jede Gesellschaft muss sich an ihrem Umgang mit diesen Phänomenen ethisch messen lassen und der Umgang ist zu allen Zeiten immer ein unterschiedlicher. Er unterliegt sich wiederstreitenden Strömungen. Michel Foucault hat das in seinem wegweisenden Buch “Wahnsinn und Gesellschaft” sehr exakt heraus gearbeitet.

Der Umgang, der sich bei uns in den vergangenen Jahrzehnten mit Wahnsinn, Verrücktheit und Sucht herauskristallisiert hat, ist ganz einfach: eine möglichst zügige Abwälzung der Kosten auf die Allgemeinheit.  

Während es vor einigen Jahren für Menschen, die jetzt psychiatrisch versorgt werden, noch Arbeitsplätze und damit Teilhabe an gesellschaftlichem Leben gab, sind diese Arbeitsplätze inzwischen weggefallen oder so arbeitsverdichtet, dass sie in ihrer Leistung geminderte Personen nicht mehr ausfüllen können. Die Hauspost- und Hausmeisterstellen sind wegrationalisiert worden, die Arbeitsverdichtung im Niedriglohnbereich ist enorm.
Typische Patienten der Suchtpsychiatrie sind inzwischen die Zimmermädchen der Hotelketten, die Angestellten der Systemgastronomie und die Friseure in den “Alles 10-Euro-Salons”, die Barmänner in den angesagten Läden, die, um der Arbeitsbelastung Stand zu halten, mit Amphetaminen nachhelfen, um dann am Wochenende mit den selben Substanzen gemischt mit MDMA etwas von dem Glück zu fühlen, das ihnen sonst verwehrt wird. Das geht freilich nach einer Weile schief. So sieht es aus am unteren Rand. Auf Speed Betten machen und Bäder putzen, damit man das Pensum schafft. 

Dass eine durch und durch an Leistung orientiere Gesellschaft nun plötzlich die Schwulen so ins Herz geschlossen hat, passt übrigens ganz gut in dieses Bild. Schwule Männer ohne familiäre Anbindung, oftmals gut ausgebildet können ganz gut die Flexibilität und die Leistung erbringen, die ein neoliberaler Arbeitsmarkt erwartet. Da sollte man sich keinerlei Illusionen im Hinblick auf die Motivation des Sinneswandels hingeben. Er ist auch nicht aus der Gesellschaft heraus entstanden, sondern von oben diktiert. Das kippt genauso schnell wieder, wie es gekommen ist. Menschen wie Volker Beck sehe ich in meiner Arbeit übrigens nicht. Denen stehen andere Wege offen. Meine Institution ist nur für die, die von schon relativ weit unten noch weiter runter gefallen sind. 

So, jetzt ist mir die Einleitung doch ein bisschen lang geraten, denn eigentlich will ich auf etwas ganz anderes raus. Meine liebste psychiatrische Störung, ich gebe das gern zu, ist die Schizophrenie. Schizophrenie ist der Stachel im Arsch der Gesellschaft. Es wird sie immer geben, sie wird immer für Unruhe sorgen, denn das ist ihr Wesen.
Schizophrenie ist eine schwere, das Leben einschneidende Diagnose für die Betroffenen selbst aber auch für ihre Umgebung.
In meinem Arbeitsfeld gibt es relativ viele Schizophrene. Ob die jetzt zuerst schizophren waren, Stimmen hörten oder sich verfolgt fühlten und dann versuchten, das mit beispielsweise Heroin, kiffen oder Benzodiazepinen selbst zu therapieren, oder ob es umgedreht der Substanzkonsum war, der eine Schizophrenie ausgelöst hat, spielt für die konkrete Arbeit keine Rolle. Da geht es nur darum, möglichst viel Freiraum herzustellen und zu erhalten, in dem die Betroffenen möglichst eigenständig leben und nach Möglichkeit Veränderung gestalten können.  

Die, die man da auf der Straße sieht, die mit den vielen Taschen, die da so vor sich hin sprechen mit sich selbst, um die man lieber einen Bogen macht, weil sie so komisch gekleidet sind, die Nachbarin oder der Nachbar, der immer so seltsam, schon auch ein bisschen Furcht einflößend ist, die, die da immer so ohne ersichtlichen Grund aus sich herauslachen, so sieht sie aus, die Schizophrenie. Es sind die, die manchmal ihren Kopf schützen müssen, vor Strahlen, vor Gedanken, vor Stimmen, das sind sie, deren Leidensdruck enorm ist und über die man sich gerne lustig macht. Das sind sie, unsere Schizos.

Sie hören Stimmen, die nicht da sind, die sie beschimpfen, die sie kommentieren, die ihnen Dinge verbieten oder befehlen. Sie fühlen sich verfolgt, haben das Gefühl, jemand oder etwas möchte sie vernichten, ist hinter ihnen her, verrückt die Dinge in der Wohnung, treibt sie langsam und absichtsvoll in den Wahnsinn, indem sie sich schon lange befinden. Es ist ein allgegenwärtiges Phänomen, das aber an den Rand gedrängt wird. Schizophrenie ist eine häufige Störung. 

Was aber, wenn eine ganze Gesellschaft oder große Teile einer Gesellschaft an Schizophrenie erkranken? Geht das?
Es gibt von Sigmund Freud mit Totem und Tabu und mit Der Mann Moses zwei kulturkritische Schriften, in denen er versucht, seine Erkenntnisse der Psychoanalyse auf Gesellschaft als Ganzes anzuwenden. Das Unternehmen liest sich ganz spannend und ist, obwohl zentrale Voraussetzungen der Psychoanalyse nicht haltbar waren, nach wie vor ein interessanter Ansatz.

Ich persönlich glaube sehr wohl, dass sich psychiatrische Phänomene, die einzelne betreffen, auch auf Gesellschaft als Ganzes anwenden lassen.

Wir wissen nicht genau, was eine Schizophrenie auslöst. Auslöser von Schizophrenie können Stress, Drogenkonsum (ja, auch und gerade THC), das Leben einschneidende Vorfälle, Trennung, Arbeitsplatzverlust, irgendwelche Erschütterungen sein. Eine genetische Disposition und familiäre Vorerkrankungen sind Marker.
Typisch schizophren ist, dass eben das zugrunde liegende Problem nicht rational be- und verarbeitet wird, sondern dass die Problemlösung nach Außen und ins Irrationale verschoben wird.

Nun gibt es gerade große Erschütterungen in der Europäischen Union. Es ist schwer zu leugnen: Sie zerfällt. Gleichzeitig ist der moralische Führungsanspruchs des Westens immer schwerer aufrecht zu erhalten. Die USA verlieren mit jedem Tag ein Stückchen ihrer Führungsrolle und kämpfen mit großen inneren und äußeren Problemen. Die Welt tritt in eine neue Ordnung ein.
Damit zerbricht aber auch die Ausrichtung und der Lebensplan der deutschen und westlichen Elite in Politik und Medien.

Die unterschiedlichen Länder gehen mit dem Phänomen unterschiedlich um. Die USA schlagen wild um sich, reagieren aggressiv auf den eigenen Niedergang.
Es gehört zu den Lehren der Geschichte, dass Deutschland seine Krisen und Erschütterungen psychotisch verarbeitet. Es wird wahnhaft.
Die deutschen Eliten reagieren auf Krisen irrational aber zunächst nicht aggressiv. Das schlägt dann aber dafür später um so heftiger um. Die deutsche Elite reagiert mit einer Verschiebung, die es ihr verunmöglicht Krisenursachen rational und analytisch anzugehen. Unsere Eliten spalten etwas ab und projizieren es nach außen, fangen an, sich verfolgt zu fühlen, hören im Übertragenen Sinne Stimmen und unterstellen jemand verrücke heimlich die Anordnungen. Es war mal die bolschewistisch-jüdische Weltverschwörung. Im aktuellen Diskurs hat sich Deutschlands mediale und politische Elite Russland und vor allem Putin als Objekt der Psychose ausgesucht. 

Putin will Merkel stürzen, Europa destabilisieren, er agiert dazu im Verborgenen. Es werden immer wirrerer, immer irrationalere Wege eingeschlagen, um den Nachweis zu führen, wie unsichtbare Kräfte aus Russland gegen uns arbeiten, die Deutschland und die EU vernichten, zersetzen, zerschlagen wollen. Warum und mit welchem Zweck? Keine Ahnung! Es ist nicht rational.

Wenn eine Beweisführung keinen Beleg für die Wahrheit erbracht hat, wird eben ein neuer Beweis gesucht. Am Ziel wird wahnhaft festgehalten. Das eben ist das typische einer Schizophrenie. Die innere Logik funktioniert nur die Anbindung an das Außen, an Fakten ist verloren gegangen.
Deutsche Politik und die aktuelle Berichterstattung trägt alle Anzeichen eines akuten psychotischen Schubs, der für die deutsche Geschichte so typischen paranoiden Schizophrenie, die sich hier erneut Bann bricht.
Dabei könnte es so einfach sein. Absteigen vom hohen Ross und die eigenen Axiome auf ihre Wahrheit überprüfen und gegebenenfalls gegensteuern. Doch diese Wendung auf das Selbst bekommen Schizophrene eben nicht hin. In ihrem Kern sind schizophrene Menschen unglaublich arrogant. Ebenso hält die deutsche Elite an den wahnhaften Ideen ihrer Perfektion fest und entwickelte eine Paranoia, um Realität auszuweichen, geht lieber unter als zu korrigieren.

Dabei ist eigentlich alles, was sie in den letzten Jahren angepackt hat, gründlich in die Hose gegangen. Die Agenda 2010 hat nicht nur Deutschland sondern ganz Europa unter Druck gebracht. Die Austeritätspolitik zersetzt Europa. In Deutschland selbst zerfällt die Infrastruktur und sinkt für weite Teile der Bevölkerung der Lebensstandard. In den europäischen Krisenländern würde ein russischer Lebensstandard das Ende der Misere bedeuten. Recht auf Wohnung und auf medizinische Versorgung, um nur mal zwei Aspekte zu nennen.
Mit anderen Worten, alles, was die politischen und medialen Eliten in einer gemeinsamen Aktion an Veränderungen herbei geführt haben, fällt ihnen jetzt gründlich auf die Füße. Es wäre an der Zeit, Scheitern einzugestehen, um möglichst schnell gegen zu steuern.

Doch stattdessen wird immer abstruser in Richtung Russland agitiert. Putin hier, Putin da, Putin überall.
Menschen mit klarem Verstand können das Wahnhafte deutlich erkennen. Allein dem Irren selbst bleibt der Wahn verborgen, wobei die gefühlte Furcht echt ist.
Doch ganz rational und vernünftig betrachtet, hat Russland an einer zerfallenden EU ein ebenso großes Interesse wie der Nachbar meiner schizophrenen Patientin daran ein Interesse hat, ihr in deren Abwesenheit die Kleider zu verstecken oder Rohre in die Wand einzubauen, aus denen nachts Gas strömt.  Worin sollte das Interesse bestehen?  Für die europäische Misere sind wir selbst verantwortlich. Deutschland war hier federführend. Und meine Patientin verscherbelt ihre Klamotten, um sich Heroin kaufen zu können. Es braucht keinen bösen Nachbarn. Dass es ihr schimmer schlechter geht, dafür sorgt sie schon selbst.

Die Deutschen Eliten haben schon seit zwei Jahrhunderten eine Disposition zur paranoiden Schizophrenie. Unter Stress verarbeitet Deutschland psychotisch. Die Idee eine größere Rolle in der Welt spielen zu wollen, ist daher kontraindiziert. Bloß nicht! Man gibt einem Irren keine Macht, man sorgt für einen festen Rahmen, in dem er sich ausagieren kann.
Alles andere kann gar nicht glücken, wie die Geschichte überdeutlich lehrt. Deutschlands Eliten bringen für eine Führungsrolle nicht die Gene mit, sind den Anforderungen nicht gewachsen.
Gefragt ist vielmehr Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe und ein Umfeld in dem langsam Realitätsbezug und Veränderungsbereitschaft heranreifen können. Das dauert allerdings lange.

Putin und Russland brauchen also noch viel Geduld mit Deutschland bis sich es hier wieder zum Besseren wendet und wieder die Möglichkeit für einen rationalen Diskurs besteht. Allerdings muss man auch sagen, dass Russland mit der deutschen Psychose bisher sehr gut umgeht. Es zuckt seufzend die Schultern. Mehr kann man bei einem akuten Ausbruch eigentlich auch gar nicht machen.  

Desinformationskampagnen

Es geht wieder mal ein Gespenst um in Europa. Dieses Mal gruselt es Deutschland ganz besonders, aber auch die EU ist voller Furcht. Das Gespenst trägt den Namen russische Desinformation oder auch russische Propaganda. Die EU und die Bundesregierung rufen ihre Geisterjäger von BND und Verfassungsschutz, gründen sogar eine eigene Geisterjägertruppe, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Die Hysterie wird auf ganz großer Flamme gekocht, immer mehr Zutaten werden in den Topf geworfen, der täglich weiter angeheizt wird. Putins Trolle seien überall, in den Foren der Nachrichtenmagazine, man macht ganze Trollfabriken ausfindig, es wird suggeriert, sie seien in Organisationen wie der Publikumskonferenz, sie betrieben subversive Blogs und bombardierten mit russlandfreundlichen Parolen die sozialen Netzwerken.

Nun betreibe auch ich einen Blog, der ausgesprochen freundlich von Russland spricht, und meine Texte werden vielfach geteilt. Entsprechend häufig bekomme ich den Vorwurf gemacht, ich sei ein Kreml finanzierter Troll, der die Desinformationskampagnen Russlands unterstützt.

Da ist zum Teil etwas Wahres dran, denn tatsächlich sind Desinformationskampagnen ein zentraler Motor meines Schreibens. Wer meinem Blog folgt, bekommt über meine Motivation Auskunft.

Vor drei Jahren noch war ich braver, systemkonformer Putin-Gegner. Schrecklich, was da alles passiert in diesem dunklen Russland, das eingeklemmt ist zwischen orthodoxer Kirche und rückwärts gewandter Politik eines homophoben, sein Volk aller Freiheiten beraubenden Diktators. Schauprozesse, unterdrückte Presse, Gewalt gegen Schwule und Lesben, ein eigenes Gesetz sogar, das die Gewalt gegen Minderheiten festschrieb. Einfach entsetzlich.

Aber irgendwann war es mir dann so, als würde doch etwas zu dick aufgetragen. Es waren Meldungen wie die, dass Bundespräsident Gauck diplomatische Verwicklungen riskiert und seinen Besuch bei den Olympischen Spielen in Sotchi aus Sorge um die Schwulen und Lesben absagte.
Die Inkarnation des deutschen Opportunismus wirft sich schützend vor eine Minderheit? Irgendwie war das ein bisschen zuviel, um glaubhaft zu sein. Es wurde mir klar, ich musste da selbst mal gucken gehen. Hinfahren also und einen Sprachkurs machen. Genau das habe ich dann auch getan.

Was soll ich sagen? Das, was ich fand, war so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was in den deutschen Medien berichtet wurde. Überall Lebenslust und Lebensfreude, aufgeklärter Hedonismus, politisches Bewusstsein, tief in der Gesellschaft verwurzelte Solidarität, eine große queere Szene mit einer funktionierenden Infrastruktur. 

Schon nach einem verlängerten Wochenende war mir klar: Ich war angelogen worden.
Es war ganz schlicht und einfach: Ich war von meiner Regierung und meinen Medien hinters Licht geführt worden. Sie hatten mich belogen. Da gibt es gar nichts zu beschönigen. Und ich habe ihnen viel zu lange geglaubt.
Ich hatte gedacht, manches mag vielleicht nicht ganz so stimmen, manches könnte man eventuell auch anders sehen, aber im Großen und Ganzen wäre es schon richtig, schließlich arbeiteten hier gut bezahlte und gut ausgebildete Journalisten.  Allein an die Möglichkeit einer ganz großen Lüge war ich noch nicht reif zu glauben.
Jetzt bin ich es und ich kann auch nicht mehr zurück.
Ganz offensichtlich wird von deutscher, von westlicher Seite eine gezielte Desinformationskampagne gegen Russland und damit auch gegen die eigene Bevölkerung geführt.

Ich musste, das war mir nach meinem ersten Besuch klar, wieder nach Russland, musste mein Engagement intensivieren, musste der Anti-Aufklärung aus Deutschland, Europa und den USA etwas entgegensetzen.

Es war und ist immer noch wie aufwachen. Aus einem Traum aufwachen, den man für wahr gehalten hat, und sich in der Realität wiederfinden, die vielfältiger und reicher ist, als jeder Traum es sein kann. 

Wie ein Schwamm sauge ich inzwischen alles auf, was mit Russland zu tun hat. Ich höre russische Popmusik, schaue russische Filme und Serien, lese russische Nachrichten. Und immer noch überprüfe ich alles, was hier über bei uns über Russland erzählt wird. Es könnte ja sein, dass ich etwas übersehen. Meinen zentralen Vorwurf musste ich bisher nicht korrigieren. Wir werden hier falsch informiert und es steckt Absicht dahinter. 

Es sind lauter kleine Erlebnisse der Überführung der westlichen Propaganda, die meine Faszination und meine Liebe zu Russland aufrecht erhalten. Bei meiner zweiten Reise nach Moskau beispielsweise unterhielt ich mich über den Einfluss der orthodoxen Kirche. Ja, der sei schon gewachsen in den letzten Jahren.
Wie das denn aussähe wollte ich wissen. Es würden einfach immer mehr Leute in die Kirche gehen, bekam ich zur Antwort. Und nein, so was wie eine Kirchensteuer gäbe es nicht. Und Krankenhäuser und Kindergärten würde die Kirche auch nicht betreiben, das sei alles staatlich. Nein, die Kirche sei kein wichtiger Arbeitgeber. Es gäbe sowas wie Armenspeisung, das sei aber eher symbolisch, weil dafür auch der Staat zuständig sei.

Ich habe das überprüft, es stimmt alles. In der Mitte Moskaus beispielsweise steht die Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie ist das Zentrum der russischen Orthodoxie. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut, denn sie wurde unter Stalin abgerissen und durch ein öffentliches Schwimmbad ersetzt. Die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau kamen ausschließlich aus Spenden, staatliche Gelder flossen nicht. Das ist in Deutschland nachweislich anders. Da werden aus Steuermitteln Kirchen saniert. 

So sieht er also aus, der wachsende Einfluss der orthodoxen Kirche: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gehen wieder mehr Menschen in die Kirche. Das ist wirklich angst einflößend und muss hier dringend auf die Nachrichtenagenda gesetzt werden. Dabei ist Russland weit von der Verflechtung von Staat und Kirche entfernt, wie er in Deutschland üblich und meines Erachtens zutiefst übel ist.

Ich habe die Krim besucht. Nach deutschen Medien sollte es dort nach dem Anschluss an Russland ganz schrecklich sein. Sich ausbreitende Armut, Inflation, Unsicherheit, ausbleibende Touristen und unterdrückte Tartaren, so sähe es da jetzt aus. Nur ein paar alte Sowjetspinner würden da hinfahren, in Nostalgie schwelgen und vom wiederaufleben der Sowjetunion träumen. Nichts davon ist auch nur annähernd wahr. Die Hotels gut gebucht, die Strände voll, die Tataren integriert. Sie arbeiten als Taxi- und Busfahrer und betreiben Restaurants und Cafés in touristischen Ausflugszielen wie dem Berg Aj Petri. Systematische Unterdrückung sieht anders aus.

In Zusammenhang mit der Krim wird in den deutschen Medien immer das Wort Annexion gebraucht, möglichst häufig, versteht sich, damit auch der letzte versteht, dass Russland Unrecht begangen hat.
Nur trauert auf der Krim der Ukraine wirklich niemand hinterher, denn allen ist klar, die Alternative zu subtropischem Ferienidyll wäre ein tobender Bürgerkrieg. Auch die Wiederholung des Wortes, macht es in diesem Zusammenhang nicht wahrer. Man muss das Selbstbestimmungsrecht der Völker völlig negieren, um im Zusammenhang mit der Krim den Begriff der Annexion aufrecht erhalten zu können. Die USA halten im Hinblick auf die Krim diese Interpretation des Völkerrechts übrigens für richtig.
Und wer jetzt meint, mit den freundlichen grünen Männern argumentieren zu müssen, deren Anwesenheit Putin doch schließlich doch zugegeben hat, dem sei gesagt, dass er auch da wieder auf einen Propagandatrick reingefallen ist. Die Anwesenheit russischen Militärs wurde nie und zu keinem Zeitpunkt geleugnet, das wäre auch ziemlich unsinnig gewesen, schließlich war Sewastopol auch während der Zeit der Zugehörigkeit der autonomen Republik Krim zur Ukraine ein russischer Stützpunkt. Allerdings wurden die vertraglich zugesicherten Obergrenzen nie ausgeschöpft und der Nachweis, die Anwesenheit von einzelnen und kleinen Gruppen von russischen Soldaten wäre befehligt gewesen, kann eben nicht geführt werden. Der Anschluss der Krim an Russland verlief friedlich und folgte dem bekundeten Interesse der Bewohner der Krim.

Ursprünglicher Kristallisationspunkt meiner Auseinandersetzung mit Russland aber war das Anti-Gay-Propaganda-Gesetz, das hier im Westen für großen Wirbel gesorgt hat und immer noch sorgt.
Das Gesetz ist Mist, das steht außer Frage, allerdings werden seine Folgen für die queere russische Community völlig übertrieben und es wird auch die eigene Geschichte dabei völlig ausgeblendet. Es war Margaret Thatcher, die mit der
Clause 28 im Jahr 1988 eine Verwaltungsvorschrift erlassen hat, die positive Berichterstattung über gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Schulen, Gemeinden, kurz dem öffentlichen Raum untersagte. In Deutschland forderten konservative Politiker ähnliches.
Die Clause 28 ist praktisch die Blaupause zum russischen Gesetz. Sie war übrigens bis 2003 in Kraft. Es ist also noch keine 15 Jahre her, dass beispielsweise den Briten vom Saulus zum Paulus gewendet ganz tungendhaft die Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte der Schwulen und Lesben am Herzen liegen.
Die Clause 28 wie auch Internierungsgedanken des damaligen bayerischen Gesundheitsministers Peter Gauweiler fielen auch nicht einfach vom Himmel, sondern waren eine Reaktion auf die Aids-Krise, die plötzlich in grausamer Weise Homosexualität sichtbar gemacht hat. Es sind einfach viele gestorben. Gleichzeitig war die Clause 28 und die konservative Diskussion hier in Deutschland Auseinandersetzung mit Pop- und Jugendkultur. Denn ebenso plötzlich wie durch Tod die Verbreitung von Homosexualität in der Gesellschaft sichtbar wurden, war in der Pop-Kultur nämlich plötzlich alles schwul, lesbisch, androgyn, trans.
Das hat wenig verwunderlich konservative Reaktionen ausgelöst. Erst die Rap-Bewegung mit ihren tief konservativen Repräsentanten wie Bushido, Moses Pelham und Sabrina Setlur brachten musikalisch das durcheinander gewirbelte Geschlechterverhältnis wieder in spießige Ordnung und die Diskussion war vorbei.

Mein Blog dient daher auch dazu, über die Entwicklungen in der russischen Pop-Kultur zu berichten, denn dort geht es wie bei uns in den 80-ern und beginnenden 90ern wundervoll bunt und queer zu. Das nimmt man hier nur leider nicht zur Kenntnis. 

Eine Argumentation über gesellschaftliche Entwicklungen erklärt aber eine konservative Reaktion der russischen Gesellschaft viel besser und tiefer als das deutsche Geschreibsel von einem homophoben Diktator und schwachsinnige Meldungen, wie die, in Russland dürften Transsexuelle keinen Führerschein besitzen.
Es wäre Aufgabe einer an journalistischen Prämissen orientierten Berichterstattung gewesen, über genau diese gesellschaftlichen Entwicklungen aufzuklären, anstatt Ressentiments zu schüren und Hass zu erzeugen. Dieses Züchten von Hass geht bis in die queere Community hinein und wird dort mit Inbrunst ausgelebt.

Wenn man nach Russland einreist, dann warnt die weit verbreite schwule Dating-App Scruff. An der sogenannten Reisewarnung ist so ziemlich alles falsch. Schwuler Aktivismus ist in Russland natürlich genauso wenig verboten, wie Versammlungen generell illegal sind. screenshot_2016-03-05-21-03-51.png
Die in der Warnung geschürte Angst verhindert Kontakt und Austausch. Perfide.
Man muss es sich eigentlich auf der Zunge zergehen lassen. Eine App aus einem Land, das nachweislich foltert, völkerrechtswidrige Kriege zuhauf führt, Menschenrechte mit Füßen tritt, radikalen Fundamentalismus züchtet und weltweit Chaos verbreitet, eine solche App schwingt sich zum Moralapostel auf und lügt ihren Nutzern die Hucke voll.
Dieser Unwillen zur Aufrichtigkeit und Reflexion ist eine Unverschämtheit. Auf Nachfrage, was das soll, bekommt man einen Textbaustein zurück, der sich für die Nachfrage bedankt. Ansonsten beredtes Schweigen.

Scruff funktioniert in Russland übrigens nicht. Das liegt nicht daran, dass Schwule da alle unterdrückt werden, sondern eher daran, dass sie, wenn sie aus dem Ausland zurückreisen beim Grenzübertritt von Scruff gesagt bekommen, wie scheiße und gefährlich es in ihrem Land ist. So eine Anwendung deinstalliert man, zumal dann, wenn es vorne und hinten nicht stimmt. Den gleichgeschlechtlich liebenden Männern unter meinen Lesern mit Reiseabsichten nach Russland empfehle ich Growlr.

Ich bin kein Freund des Wortes Lügenpresse, weil es politisch instrumentalisiert wird, aber in meiner Auseinandersetzung mit Russland wurde und wird deutlich, wir werden systematisch falsch informiert. Es sind nicht einzelne Ausrutscher oder Akzentuierungen, über die man sich streiten kann. Es sind tatsächlich flächendeckende Fehlinformationen. Es geht gar nicht anders als Absicht zu unterstellen. Es stellt sich freilich die Frage, warum und mit welchem Ziel das alles passiert.

Um dieser Frage nachzugehen, ist das, worüber wir falsch informiert werden zu ergänzen um das, worüber wir überhaupt nicht informiert werden.

Augenfällig ist in Russland, dass überall gearbeitet wird. Überall ist Personal. Viel Personal. Alle arbeiten. In Russland wurden durch die Sanktionen absichtlich eine Wirtschaftskrise herbeigeführt und die Arbeitslosenquote liegt bei 5 Prozent. In der Krise! In den Museen an der Garderobe, viel Personal, in den Sälen viel Personal. In der Metro neben den Automaten besetzte Kassenhäuschen, in den Restaurants, überall viel Personal. In den Zügen hat jeder Waggon einen Zugbegleiter, in den Supermärkten sitzen Kassierinnen an Kassen und warten auf Kunden. Nicht wie bei uns, wo die Kunden schon mal die Waren aufs Band legen und dann auf die Kassiererin warten, die gerade noch ein Regal einräumt, damit auch jede Sekunde Arbeitskraft gewinnbringend ausgenutzt wird. Überall ist in Russland Personal. Alle arbeiten. Viel dieser Arbeiten könnten sofort und ohne viel technischen Aufwand wegrationalisiert werden. Dass es nicht getan wird, ist Absicht.

Und weiter noch: Überall wird gebaut. Kostenintensiv gebaut. Rund um die Uhr, auch an den Wochenenden und Feiertagen. Straßen, Brücken, Häuser, Gleistrassen. Es ist wirklich augenfällig.

Und dann die Armut. Auch das ist augenfällig. Die viel beschriebene russische Armut. Sie fehlt weitgehend. Es gibt sie, aber im Vergleich zu meiner Stadt Berlin ist die öffentlich sichtbare Armut in Moskau verschwindend klein. Und nein, die Bettler werden da nicht von der Polizei abgeführt.

Ich war im Winter dort, bei minus 25 Grad. Das kann man ungeschützt draußen nicht überleben. Ich hätte sie sehen müssen in der Metro, in den Einaufszentren, an den öffentlich zugänglichen Plätzen, an denen es warm ist. Und ich habe ein Auge dafür, denn es sind meine Patienten, die, mit denen ich hier in Berlin arbeite, die Gescheiterten, Schizophrenen, Süchtigen. Es gibt sie auch in Russland, aber in viel geringerer Zahl. Irgendetwas fängt sie auf, bevor sie ganz tief fallen.

Und ich glaube, das, was sie auffängt, ist Arbeit. Ich werde dem weiter nachgehen, bin mir aber jetzt schon ziemlich sicher.
Mit meiner Vorgesetzten hatte ich darüber eine interessante Diskussion. Sie wurde in der DDR geboren. Sie meinte, ich solle mir keine Illusionen machen, alle meine Patienten, so psychiatrisch auffällig sie auch seien, hätten in der DDR gearbeitet. Auf irgendeiner Stelle wie in einem Kassenhäuschen neben einem Automaten vielleicht, nicht hart und schwer. Aber sie hätten alle gearbeitet und teilgenommen.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen wie absurd unser System ist. Wir haben einen ausschließlich auf Leistung verkürzten Arbeitsbegriff, dem die soziale Komponente von Arbeit geraubt wurde und sortieren darüber Menschen aus der Gesellschaft aus, die wir dann in sozialpsychiatrischen Einrichtungen unterbringen, die gesellschaftliche Zugehörigkeit über arbeitsähnliche Maßnahmen faken. Zu wessen Nutzen ist das? Es nutzt denen, die aus Arbeit Gewinn erzielen. Es ist Umverteilung von unten nach oben durch Ausgrenzungen und Entsolidarisierung. 

Merkels brandgefährlicher Ausdruck von der marktkonformen Demokratie jedenfalls wäre Putin niemals über die Lippen gekommen. Nicht, weil er kein Demokrat wäre, sondern weil die Marktkonformität die Aufgabe von Demokratie bedeutet. Man hat bei uns einfach noch gar nicht begriffen, was diese Frau da tatsächlich gesagt hat. Es ist nichts weniger als die Preisgabe des Politischen und Unterordnung aller Interessen unter die Metaphysik des Marktes. Da kann man eigentlich auch Diktatur dazu sagen. Und in dieser Hinsicht sind wir auf einem guten Weg.

Mir scheint, die Koordinaten haben sich einfach verschoben. Während es früher zwischen Ost und West zugespitzt um die Frage Karl Marx oder Adam Smith gehandelt haben mag, handelt es sich heute ganz unzugespitzt um die Frage Keynes oder Hayek. Das ist meines Erachtens der eigentliche Motor hinter dem andauernden Russland-Bashing. Es geht um die Verteilungsfrage. Russland präferiert offensichtlich ein Wirtschaftssystem, das den Menschen zum Mittelpunkt macht. Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen. Bei uns ist es umgedreht. Es ist der Verdienst Putins, den Sozialstaat nach Jelzin wieder hergestellt und den Einfluss der Oligarchen zurückgedrängt zu haben. Es ist weiterhin sein Verdient, eine Balance zwischen privater und staatlicher Wirtschaft hergestellt zu haben. Es ist sein Verdienst, das Primat der Politik über den Markt wiedererlangt zu haben. Unsere Politik betreibt das Gegenteil. Sie befördert die Aufgabe des Politischen und übergibt Macht an das Kapital.
Dabei ist das russische Modell im Gegensatz zum europäischen Neoliberalismus und der Austeritätspolitik erfolgreich. Europa desintegriert und verarmt. Demgegenüber ist die russische Staatsschuldenquote eine der niedrigsten der Welt und in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs gelang es Russland einen Staatsfund zu schaffen, aus dem es jetzt zehrt und mit dessen Mitteln es die Wirtschaft ankurbelt. Das ist Keynes, der Starke, regulierende Staat. 

Und gerade als Europäer sollte man sich keinen Illusionen hingeben: Ein Lebensstandard wie der in Russland wäre für die Menschen in den europäischen Krisenländern eine Verbesserung. Eine deutliche Verbesserung! Was aber Europa von Keynes und einer auf  den Menschen ausgerichteten Wirtschaftspolitik hält, das hat Schäuble mit EU, EZB und IWF im Bunde an Varoufakis und Griechenland vorgeführt.
Russland ist mit seiner Wirtschaftsordnung nicht die Überwindung des Kapitalismus, aber es zeigt seine alternative Form. Doch genau davon schweigt der deutsche Mainstream nicht ganz zufällig. 
Das alles kommt nicht in den Nachrichten. Es ist aber wichtig, genau darüber zu berichten. Ein lauterer Journalismus würde das tun.

Wer meint, es ginge in der Auseinandersetzung mit Russland um Menschenrechte, um die Freiheiten von Schwulen und Lesben, der versteht von Geopolitik reichlich wenig. Wer sich hier in eine schwule Bar stellt und es gut findet, dass die den russischen Wodka boykottiert, er sich daher mit finnischem besäuft, beweist tiefe politische Unbildung. Wer dem Mainstream glaubt, und denkt,  Russland hätte die Absetzung von Merkel im Sinn, ebenfalls.
Es geht um Verteilungsfragen und es geht nach wie vor um die Konkurrenz von Wirtschaftssystemen. Wir lassen uns gegeneinander ausspielen. 

Die Desinformationskampagnen hierzulande sind äußerst massiv. Ich bin seit zwei Jahren sehr regelmäßig in Russland. Und wenn ich zurück bin, vermisse ich Moskau schon nach wenigen Tagen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich, wenn ich hier von Russland erzähle, ich großes Misstrauen ernte.
In der Regel bekomme ich dann von Menschen, die noch nie in Russland waren und die auch die Sprache nicht sprechen, die auch nie da hin fahren würden, weil es nach allem was man hört da ja schrecklich sein soll, von solchen Menschen bekomme ich dann erklärt, wie es in Russland wirklich zugeht: Unterdrückung der Presse, der Schwulen, Morde an angeblichen Oppositionellen und so weiter und so fort. Da haben die Spin-Doktoren und Think-Tanks wirklich gute Arbeit geleistet. Die Absurdität fällt meinen Gesprächspartnern in der Regel nicht auf. Sie sind sich absolut sicher.

Im Gegenteil. Die Propaganda hier ist so massiv, dass ich Freundschaften verliere. Wegen meiner russlandfreundlichen Position wenden sich Menschen ab. Es wurde absichtlich eine Pogromstimmung gezüchtet, die jede Form anderer Meinung diskriminiert. Wir können gar nicht mehr miteinander sprechen. Wir können uns nur wechselseitig unserer Konformität versichern. Falls das nicht möglich ist, folgt unmittelbar der Kontaktabbruch.
Gegenüber Russland werden medial primitivste Rassismen vorgetragen, die man sich sonst verbietet. Es ist kein Argument zu blöd, um nicht noch gegen Russland ins Feld geführt zu werden. Vor allem die Mittelschicht in der Bundesrepublik ist derart aufgehetzt, dass sie nicht einmal mehr in der Lage ist, eine andere Meinung einfach nur  hören und stehen lassen zu können. Dabei vertritt weder die Bundesregierung noch die Europäische Kommission, die NATO oder die USA irgendwelche Interessen, die auch nur annähernd deckungsgleich wären mit den Interessen der deutschen Mittelschicht. Diese in Deutschland herrschende politische Blindheit empfinde ich als einfach nur furchtbar und deprimierend.

Und dann ist da noch etwas, über das die deutschen Medien nicht berichten. Sie berichten nicht über die unglaubliche Wertschätzung, die Russland und Russen gerade Deutschland entgegen bringen. Das dem so ist, kann man sich hier vermutlich auch gar nicht vorstellen, denn hier wird ja permanent auf Russland eingedroschen. Warum sollten die uns wertschätzen?

Während bei uns das Bild vom primitiven Russen in seiner ganzen rassistischen Varianz medial gepflegt wird, glaubt man in Russland an eine Gemeinschaft mit der deutschen Kultur, die die Jahrhunderte und alle Verwerfungen überdauert.
Dass der zentrale Platz Berlins durch die Jahrhunderte und durch die Systeme nach einem russischen Zaren benannt ist, der eine Freundschaft mit Preußen pflegte, ist jedem meiner Besucher aus Russland untrügliches Zeichen dafür, dass es so ist. Dass die meisten Deutschen nicht wissen, warum der
Alexanderplatz Alexanderplatz heißt, wollen meine Freunde dann kaum glauben.

Dabei ist an der Hoffnung meiner russischen Freunde sogar was dran. Angela Merkel und ihre Regierung wird als relativ machtlos und eingeschränkt wahrgenommen. Eingeklemmt zwischen den USA und  Konzerninteressen kann diese Regierung nach Auffassung meiner russischen Freunde ohnehin kaum etwas wirklich selbst entscheiden. Vermutlich haben sie recht.
Aber so eröffnen sich auch positive Visionen von Zukunft. Denn wenn man die transatlantische Einklemmung und die erdrückende Umarmung der Lobby abschütteln könnte, dann tun sich Möglichkeiten auf.
Nach wenigen Überlegungen schon ist klar, dass Deutschland als wichtiger Anker in Europa im Zusammengang mit Russland in der Lage wäre einen ewig währenden Frieden zu stiften. Eine Wirtschaftsunion von Lissabon bis Wladiwostok, daran angeschlossen und verbunden die BRICS. Ein riesiges Geflecht von Handel und kulturellem Austausch. Es wäre ein großer Schritt zu dem, was Immanuel Kant in seiner Schrift “Zum ewigen Frieden” beschrieben hat. Es ist genau dieses Angebot, das wir von Russland beständig gemacht bekommen, das hier nie thematisiert wird und das unsere Eliten ohne uns zu fragen mit Vehemenz zurückweisen. Sie hetzen uns lieber gegeneinander auf.
Es ist an uns, Mittel und Wege zu finden, das zu durchbrechen. Das, was die Bundesregierung mit TTIP und ihren Kriegen gegen den Terror, mit Überwachung und Einschränkung von Freiheiten plant, ist nicht in unserem Interesse. Das was Russland mit BRICS und den alternativen Institutionen zu Weltbank und IWF tut, mit Russlands an Frieden ausgerichteten Politik, sowie der Absicht, der UNO und dem Sicherheitsrat nach seiner Beschädigung durch westliche Politik wieder Leben einzuhauchen, das ist sehr wohl in unserem Interesse. Wir müssen das wenigstens zur Kenntnis nehmen und diskutieren, bevor wir es eventuell zurückweisen. Dann wüssten wir wenigstens, was wir aufgeben, warum und zu welchem Preis wir es aufgeben.
Mit meinem Blog trage ich dazu bei, die Desinformationskampagnen des Mainstreams zu durchbrechen. Aus freien Stücken, nicht als bezahlter Troll, sondern weil ich Aufklärer bin. 

La Gioconda – Die Antworten/Ответы

Vor einiger Zeit habe ich eingeladen, die große Dragqueen Gioconda zu befragen.

Hier sind nun die Antworten.

Bedanken möchte ich mich ausdrücklich bei Dimitri Rebrikov für  die Übersetzungen.

 

Ganz allgemein fragt zum Beispiel Elena aus Pyatigorsk. Sie möchte wissen, ob du eine bestimmte Message hast, die du mit deiner Kunst ausrücken möchtest, etwas, das man in einem Satz oder Slogan zusammen fassen könnte.

Lena, mach das, was dir gefällt, sonst brauchst du es nicht zu machen. Ich will niemanden zu etwas aufrufen. Meine Schöpfungen haben nur den Zweck, die Menschen zu inspirieren. Ich bezeichne meine Kunst als intuitiv und bin mir nicht immer bewusst, in Welche Richtung sich alles entwickelt. Das Witzige ist, dass ich selbst nie eine Botschaft darin verstecke. Ich mache es so, dass die Menschen sich selbst eine ausdenken und mir dann mal darüber erzählen. Manchmal höre ich ihnen zu und glaube selbst nicht, dass ich so etwas schaffen konnte.

Life-Couch Sven Rebel, Autor von schwulen Lifestyle-Ratgebern wir “Joyful Gay Sex” hat eine ganz besondere Frage. In Deutschland konnte er das Phänomen beobachten, dass besonders harte auftretende Machos, betont männlich auftretende Schwule ihre Vorliebe für passiven Analsex gern mit Drag Queens ausleben. Sven möchte wissen, ob dir in Russland ähnliche Entwicklungen aufgefallen sind.

Ich bin natürlich kein Experte darin… Ich denke die Gays sympathisieren mit den Drugqueens nur aus Interesse an deren künstlerischen Seite, denn der Begriff “Gay” impliziert, dass diese Männer deswegen die sexuellen Beziehungen mit Männern haben, weil sie die Männlichkeit erregt. Und die, die von Drugqueen, d.h. von mehr weiblichen Gestalt, erregt werden, sind eher keine Gays oder sind mindestens bisexuell. Obwohl, es ist sehr individuell.

Branding-Stratege und Marketing Experte Jens Hagendorf fragt nach deinem Namen. Wenn man nach La Giaconda googelt, bekommt man zunächst jene völlig unbedeutende gleichnamige Dame angezeigt, die von dem völlig unbedeutenden Künstler Leonardo da Vinci in der Renaissance gemalt wurde, wobei der erste Platz im Ranking doch eigentlich dir gebühren würde. Jens möchte wissen, ob du die Namenswahl bereust und ob du dir Alternativen zu deinem Namen vorstellen könntest.

Mein Künstlername sagt aus, dass ich selbst eine künstlerische Schöpfung bin, ein Bildnis. Im echten Leben kann ich dann Leonardo sein, der seine Gioconda malt. Gewiss beherrscht das Bild der Mona Lisa die Internet-Suchergebnisse, sie ist ja schließlich 500 Jahre alte und mein Bildnis erst 15. Aber ich denke in nächster Zeit ändert sich die Situation – Ich werde die Vorrangstellung noch erkämpfen 🙂

Die schwule Bär-Group Man-G aus Chelabinsk hat die ganz bescheidene Frage, ob du sie kennst.

Bis jetzt habe ich nichts von euch gehört, habe aber jetzt schon gegoogelt. Jetzt werde ich euer Schaffen beobachten. Also nehmt euch in acht und denkt bei euren nächsten Werken daran, dass ich sie mit einem ernsthaften und kritischen Blick beobachte 🙂

Bob von den Moscow Bears möchte wissen, wann du eine weitere Zusammenarbeit zwischen dir und den KGBears zu erwarten ist. Er erinnert sich noch gerne an euren gemeinsamen Auftritt in der Moskauer Schwulendisko “DJ-Station”.

Wenn ich richtig verstehe, meinen Sie eine Zusammenarbeit mit der Band KGBears. Wir haben noch in Moskau einen Clip aufgenommen, aber weil ich das Land verließ, wurde das Projekt eingefroren und das ganze Jahr, seit dem ich in den USA lebe, hatte ich keine Zeit irgendwas wieder zum Leben zu erwecken. Das letzte Jahr war für mich voller Veränderungen in meinem Leben und war gleichzeitig sehr schwer und machte mich andererseits unglaublich glücklich.  Ich musste mein Leben von vorne anfangen und das ganze Jahr die Umgebung für meine schöpferische Tätigkeit wieder herstellen. Am Jahresende hatte ich meine Balance wieder – ich habe die Nähmaschine, die Studioausrüstung und einen Computer gekauft. Also alles, was ich für mein Schaffen brauche, und habe das erste Mal seit 10 Monaten meine Ordner mit Skizzen und Projekten wieder aufgemacht, die ich in Moskau nicht fertig bekommen habe. Also befinde ich mich jetzt mehr oder weniger in einer Balance und fange mit meiner Arbeit wieder an. Also, denke ich, es wird alles  noch kommen.

Auch der Künstleragent Dimitry Starosta möchte wissen, ob du mal wieder in Moskau zu sehen sein wirst. Er könnte sich dir gut zusammen mit Lora Kolli auf der Bühne vorstellen.

In der nächsten Zeit werden ich weder in Moskau noch in Russland generell auftauchen. Wie man sagt: Aber ihr seid herzlich willkommen in New York.

Dimitry aus Stuttgart möchte wissen, welche Vorteile dein Umzug in die USA für dich hatte. Die Professionalität deiner bisherigen Videos und auch das Echo aus Russland deutet darauf hin, dass deine Beliebtheit und auch deine Möglichkeiten dort sehr umfassend waren. Was haben die USA zusätzlich zu bieten?

Mit meiner Ausreise nach New York habe ich keine unmittelbaren Vorteile verfolgt. Für mich waren die Entwicklungsmöglichkeiten wichtig. Und diese habe ich in Moskau für mich nicht mehr gesehen. Alles ist zu einer Routine geworden. Moskau ist für mich wie ein gelesenes Buch. Ein Buch, dass ich so gerne wieder und wieder lesen mochte, dass es jetzt abgenutzt ist. Vielleicht lese ich es irgendwann noch mal aber jetzt habe ich mir eine Auszeit genommen, habe das Buch ins Regal gestellt und lese jetzt eine Neues. Das neue Buch ist sehr kompliziert und in der fremden Sprache, manchmal unverständlich, manchmal unbequem, aber sehr interessant und unvorhersehbar. Eigentlich sollten sich für diejenigen, die meine Clips bei YouTube schauen, sich nichts geändert haben – sie können sie weiterhin schauen. Geändert hat sich für sie nur mein Wohnort. Natürlich kann man mich nicht mehr in Moskauer Clubs sehen, aber dafür gibt es jetzt den Grund nach New York zu reisen, um eure geliebte Gioconda zu sehen. Ich denke meine Verehrer können stolz sein, was ich gerader in einem fremden Land mache und wie die amerikanischen Zuschauer mit großen Augen auf eine russische Darstellerin schauen.

Ich bin glücklich, dass ich einen neuen schöpferischen Schub bekommen habe. Die neuen Ideen erfüllen mich, so dass ich keinen Platz mehr finde, um sie umzusetzen. Praktisch alle meine Schöpfungen, die ich aus Moskau mitgenommen habe, sind bereits überarbeitet und man kann sich nicht vorstellen, was noch alles möglich ist. Meine Kunst hat einen Schritt nach vorne gemacht und bald werden es alle sehen können.

Und als letzte, sehr indiskrete Frage möchte Oleg aus Moskau wissen, wie es um dein Privatleben steht, und ob der Platz an deiner Seite noch frei ist. Ich weiß allerdings nicht, ob Oleg in dieser Hinsicht Ambitionen hat.

Mein Herz ist mit meiner Kunst gefüllt und man wird viel Mühe brauchen um dort noch Platz zu schaffen 🙂

Лена из Пятигорска задаёт обобщённый вопрос. Она хочет знать, есть ли у тебя выражение или призыв который бы охарактеризовал то послание которое ты выражаешь своим искусством.

Делай то что тебе нравится иначе не надо это делать . Я не хочу ни к чему никого призывать мои произведения призваны только для того что бы вдохновлять людей . Я называю свое творчество „интуитивное“ и не всегда до конца понимаю что из этого получится . Самое смешное что я никогда не зашифровывают никакого послание , я делаю так чтобы люди сами придумали его а потом взяли и рассказали мне об этом . Иногда послушаешь и ушам не веришь неужели я это могла сделать.

Свен Ребель, Life coach и автор справочника полезных советов “Joyful Gay Sex” задал довольно особый вопрос. В Германии он заметил феномен, что жёсткие “Самцы” (т.е. особенно подчёркивающие свою мужскую внешность геи) симпатизируют пассивному анальному сексу с Дрэг­квинами. Свен хотел бы знать, заметила ли ты этот феномен в России.

конечно не Эксперт в этом ….Мне кажется геи симпатизируют Drugqueen только в творческой стороне,так как само понятие геи является тем что мужчины имеют сексуальные отношения с мужчинами потому что их возбуждает мужской образ . А тех кого возбуждает Drugqueen образ ,то есть более женственный , тот скорее всего не гей или поменьше мере бисексуал . Хотя это очень индивидуально.

У Йенс Гагендорфа, эксперта по брэндингу и маркетингу, есть вопрос к твоему имени.

Если от гуглит La Giaconda, то видит на первом месте портрет абсолютно неважной дамы, потом какого­то Леонардо Давинчи, хотя на самом деле первое место должно принадлежать тебе. Йенс хотел бы знать не сожалеешь ли ты о выборе этого имени и могла бы ты представить себе альтернативные имена.

Моё сценическое имя говорит о том что я сама по себе являюсь произведением искусства то есть картиной , а в жизни я могу быть Леонардо то есть художником который рисует свою Джоконду . Конечно в Интернете на данный момент в поиске картина – Джоконда будет превалировать Так как ей уже более 500ста лет а моему образу всего 15 ,но думаю в ближайшее время ситуация изменится и я ещё по борюсь за первенство:)

У Гей­группы из Челябинска Men-­G/МЕНДЖИ очень скромный вопрос: Ты о них слышала?

До этого момента нет не слышала ,но уже поинтересовалась и по googliLa . Теперь буду следить за вашим творчеством так что уважаете моё внимание . И следующий творенье делаете с расчётом на то что я на них смотрю своим грозным взглядом:) .

Боб из Moscow Bears хотел знать, когда можно было бы предположить ваш новый совместный проект. Он до сих пор вспоминает ваше совместное выступление в московской дискотеке “DJ Station”.

Если я правильно понимаю Вы скорее всего говорите о совместном творчестве с группой KGBears . Мы ещё в Москве от сняли клип но из-за того что мне пришлось уехать из страны проект был немного заморожен и весь год что я живу в Америке у меня не было возможности что либо размораживать .Предыдущий год был годом больших изменений в моей жизни одновременно был очень трудный и невероятно счастливым .Мне пришлось заново начать жизнь и целый год восстанавливать комфортные условия для себя в которых я мог бы творить . И в конце года равновесие было достигнуто я купил Швейную машинку студийное оборудование и компьютер В общем все что нужно для творчества ,и в первый раз за 10 месяцев открыл файлы с разными набросками и проектами которые не доделал в Москве . Сейчас более-менее я нахожусь в равновесие и приступаю к привычной работе . Так что думаю все будет .

У артистического агента Дмитрия Старосты такой же вопрос: Когда ты будешь снова в Москве? У него есть идея вашего совместного выступления с Lora Kolli.

В ближайшие несколько лет я не появлюсь не только в Москве нo вообще на территории России. Как говорится нет уж лучше вы к нам добро пожаловать в Нью-Йорк .

Дмитрий из Штутгарта спрашивает, какие преимущества у тебя от твоего переезда в США. Твои клипы которые он видел на Ютюбе очень профессиональны и посещаемые, поэтому он может себе представить что твоя популярность и твои возможности в России были достаточно велики.

Я не гнался за преимуществами когда уехал в Нью-Йорк. Для меня были важны перспективы . В последние годы в Москве я этих перспектив для себя не видел . Всё превратилось в рутину . Москва для меня как много раз прочитанная книга . Книга которую человек так любит читать что зачитывает её до дыр. Возможно я когда-нибудь прочту её ещё раз ну сейчас мне нужен тайм-аут как говорится поставил на полку и начал читать другую. Да новая книга очень сложная и вообще на другом языке, иногда непонятная , иногда неудобная , но чертовски интересная и непредсказуемая . На самом деле для зрителя который смотрит мои клипы в Ютьюбе ничего не изменилось они также могут продолжать смотреть их . Изменилась только моё место дислокации . Да конечно в московских клубах меня уже больше не увидеть ну теперь будет повод съездить в Нью-Йорк чтобы посмотреть на любимую Джоконду . Думаю что почитатели моего творчества будут гордиться тем что я сейчас делаю на чужбине и как американский зритель широко раскрытыми глазами смотрит на русскую Артистку . Для меня счастье что у меня вновь открылось творческое дыхание идеи так и прут не знаю куда их складывать . Практически все мои творения которые я взял из России были модернизированы так что я даже представить себе не мог что я с ним не могу ещё сделать. На мой взгляд моё творчество шагнуло вперёд . И скоро все это увидят.

 

И напоследок достаточно нескромный вопрос от Олега из Москвы. Он хотел бы спросить как у тебя образовалась личная жизнь и “занята” ли ты уже. Правда я не знаю был ли этот вопрос основан на личном интересе Олега.

Моё сердце занято творчеством и нужно очень постараться чтобы потеснить его:)