Identität II

Blogs zu schreiben, bringt einen eigenen Stil des Erzählens hervor. Charakteristisch für den Stil ist der persönliche Ausgangspunkt. Eine Begegnung, eine Irritation, ein idiosynkratisches Moment bildet den Anlass für einen Text, der eine Einordnung versucht, eine Verallgemeinerung, oder, wenn das nicht möglich ist, Abgrenzung oder Neuordnung. 
Zu Beginn meiner bloggenden Existenz als Gert Ewen Ungar, dachte ich, genau dies sei mein persönlicher Stil. Doch die große Zahl der Blogs, die diesem Prinzip der Komposition folgen, durchkreuzt diesen Gedanken.
Es handelt sich hier nicht um einen persönlichen Stil, sondern um eine Vorgabe der besonderen Struktur des Bloggens.
Auch der Stil des Schreibens selbst, die Häufung der Modalpartikel beispielsweise, die einem jede Schreibschule sofort auszutreiben versuchen würde,  wird hier zum Charkteristikum einer eigenen Textgattung. Auch diese vermeintliche Rebellion gegen bestimmte Vorgaben des Schreibens ist nichts persönliches, wie ich zunächst dachte, sondern dem Genre spezifisch. Zu häufig sind die Blogs, die sich ähnlicher grammatischer Instrumente bedienen. 
Doch wo beginnt dann das Individuelle? Was ist das Persönliche? Lediglich die Themenwahl, die aus dem Kontingenten ein Thema zur Bearbeitung wählt, ist das, was einen Moment der Individualität ermöglicht.  Wenn überhaupt.
Auch dieser offene Schluss erweist sich weniger als meine Idee, auch sie scheint von der Art des Schreibens, dem Medium und der Struktur eingeschrieben zu sein.

Ein Gedanke zu „Identität II

  1. queerdenke_n

    Das Individuelle daran ist wohl tatsächlich nicht der Stil, da stimme ich dir zu. Sondern die Perspektive, dein ganz persönlicher Blickwinkel und die Entscheidung, dass gerade diese kleine Begebenheit wichtiger ist als eine andere. Oft kommt es dann vor, dass viele über das gleiche Thema bloggen oder es vor hatten, vielleicht auch auf ähnliche Art – dann heißt das nichts anderes, als dass diese Personen sich in ihren Interessen und ihrer Perspektive ähnlich sind. Bloggen ist ja auch weniger eine Kunstform als ein gemeinschaftliches Sprechen über alles mögliche. Deswegen denke ich mal, dass Individualität hier gar nicht mal das Wichtigste ist. Ein blog, der so individuell ist, dass das niemand anderes könnte, weil keine ähnlichen Interessen und Perspektiven vorhanden sind, kann weniger zu Austausch führen als einer, bei dem die leute lesen und denken: „Hey, das kenne ich auch! Nur habe ich darauf eine andere Perspektive, das schreib ich mal in die Kommantarspalte…“😉

    Antwort

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