Ausgestorbene Berufe – Der Fluffer

Technologische Innovationen haben die Arbeitswelt grundlegend verändert. Die Einführung des Fließbandes, die Unterteilung der Produktion in kleine und kleinste Schritte, sind in ihren Auswirkungen weitgehend beschrieben und der Prozess der Entfremdung wird noch immer diskutiert. Die Auswirkungen der digitalen Revolution sind in Bezug auf die Veränderungen des Begriffs der Arbeit und in ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft bisher weit weniger gedacht, denn die Veränderungen sind noch im Prozess. Doch auch hier ist klar, dass in einer rückblickenden Analyse die Einschnitte und Veränderungen tiefgreifend gewesen sein werden. Ein gemeinsamer Punkt, den die Analyse erbringen wird, ist, dass in beiden Fällen eine Vielzahl von Arbeitskräften freigesetzt werden und ganze Berufsbilder verschwinden. Kesselmacher braucht heute niemand mehr zu lernen, der Beruf ist ausgestorben. Ein ähnliches Schicksal erlitten zahlreiche handwerkliche Berufe. Die industrielle Revolution und ihre Fortschreibung in der fordistischen Revolution der Opitimierung der industriellen Arbeitsabläufe machten sie überflüssig.

Ein ähnliches Schicksal erleiden derzeit eine Vielzahl von Dienstleistungsberufen. Der Bankangestellte, der Überweisungen und Einzahlungen entgegennimmt, ist eine ebenso aussterbende Gattung wie der Angestellte, der Tickets gleich welcher Art verkauft. Das machen wir künftig alles selbst.

Die Beispiele für die Freisetzung durch technologische Innovationen ließen sich beliebig lange fortsetzten. Allerdings möchte ich das Augenmerk auf eine wesentlich verborgenere Entwicklung richten: Die Freisetzung von Arbeitskräften durch pharmakologische Innovationen. Es ist der Beruf des Fluffers, den dies zentral trifft. Im Zentrum des Berufsbildes des Fluffers steht das Anblasen der männlichen Darsteller am Filmset einer Pornoproduktion.

Zwar hat die Zahl der Pornoprodutkionen in den letzten Jahren rasant zugenommen. Das ist zum Einen der technologischen Entwicklung zu verdanken, die immer bessere und einfacher zu handhabende Produkte zu immer günstigeren Preisen auf den Markt brachte. Was es zum Anderen ermöglichte, dass heutzutage jeder und jede, die von den eigenen sexuellen Fertigkeiten überzeugt ist, diese sofort filmisch dokumentieren und online einem breiten Publikkum zur Verfügung stellen kann. Aufwendige Filmsets sind dazu nur noch für hochwertige Pornoproduktionen notwendig. Für die tägliche Wichsvorlage reicht eine mittpreisige Webcam.

Doch auch aufwendige Filmsets haben mit dem allgegenwärtigen Kostendruck zu kämpfen. Es findet dieser globale Wettbewerb nach unten statt. Wir verdienen preisbereinigt immer wenger, also können die Pornos nicht teurer werden. Gut also, dass die pharmazeutische Industrie diesen Kostendruck mindert, indem sie Mittel bereitstellt, die in der Lage sind, Arbeitskräfte freizusetzen.Was einst der Fluffer zustande brachte, ereledigt heute Viagra und Co. Und das viel besser, denn auf eine pharmazeutisch induzierte Errektion kann man stundenlang die Kamera halten, ohne dass sie in sich zusammenfällt, während eine Fluffer induzierte Errektion sich wie ein Hefeteig verhält. Kaum kommt ein bisschen Windhauch dran, fält alles in sich zusammen. Ein Fluffer muss, selbst wenn er sein Geschäft hobymäßig betreibt, über einen Drehtag durchgefüttert werden. Das kostet mehrere Kaffee und ein Mittagessen. Eine generische Viagra kostet unterhalb zwei Euro. Dafür kriiegt man keine Pizza. Also weg damit.

Schade.

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