Fin de siècle 32

Wenig später verließen wir die Party. Sebastian holte unseren Wagen, ich sollte das Tor aufschließen.
Als ich wenig später im Auto saß und sich im rückwärtigen Fenster die Finka langsam entfernte, wurde mir wohler. Ich hatte es überstanden, wir hatten es überstanden. Sebastian atmete deutlich hörbar aus. „Sorry“, sagte er. Es sei schlimm gewesen, er wisse das und „Sorry!“ Das stimmte mich sanft. Die Themen, über die ich mit Sebastian sprechen wollte, sein Verhalten in Bezug auf Sam, sein großspuriges Auftreten als hochstapelnder Deutschlandkenner, über das ich mich so geärgert hatte, sein merkwürdiges Verhalten gegenüber der blöden Kuh, deren Namen ich immer noch nicht in Erfahrung gebracht hatte, über all das würde man auch morgen noch sprechen können, in aller Ruhe. Mit jedem Meter Distanz verließ uns die Anspannung ein bisschen mehr,, wir bemerkten das beide. Wir fuhren eine bewaldete Straße hinab Richtung Küste, es dämmerte. Plötzlich durchzuckte mich ein Gedanke, mein Puls erhöhte sich, mir wurde warm. Ich griff in meine Hosentasche. Sebastian hatte meine Unruhe bemerkt. Er wollte wissen, was los sei. „Scheiße! Ich habe noch den Schlüssel.“
Wir überdachten die unterchiedlichen Optionen. Es gab nur zwei. Zurückfahren und den Schlüssel abgeben oder den Weg einfach fortsetzen. Sebastian kam auf eine dritte Möglichkeit: anrufen. Letzlich, das wahr mir klar, war dieser dritte Weg lediglich eine Schleife, die uns zu Option eins oder zwei zurückführen würde. Sebastian sah das anders und wählte Andrews Nummer, der nach geraumer Zeit das Gespräch annahm. Andrew fand es unglaublch cool, dass Sebastian ihn anrief, fand es schön seine Stimme zu hören und es machte ihn echt traurig, dass wir jetzt wegen des Schlüssels ein Problem hatten. „Der ist total drauf“, flüsterte Sebastian mir zu.
„Brauchst Du den Schlüssel?“, wollte er von Andrew wissen.
Andrew wusse nicht, um was für einen Schlüssel es ging, konnt sich aber erinnern, dass es im Laufe des Tages schon einmal um einen Schlüssel gegangen sei. Sebastian fragte nach, ob er den Schlüssel zur Finka vorbei bringen sollte.
„Ja, cool, komm vorbei. Wir machen uns eine gute Zeit“, antwortete Andrew und fügte hinzu: „Heute ist mein Hochzeistag.“
Sebastian legte auf. „Der ist total breit. Was machen wir jetzt?“
„Zurückfahren, Schlüssel abgeben und dann endgültig weg. Fahr los.“
Ich ärgerte mich über mich selbst. Wie eben mit zunehmender Distanz die Spannung abgenommen hatte, nahm sie jetzt mit abnehmender Distanz wieder zu.

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