Immanuel Kant: Zum ewigen Frieden. 2. Teil

Unser kleiner philosophischer Salon hatte eine kleine, ungeplante Pause. Zudem habe ich unsere letzte Zusammenkunft hier nicht protokolliert, denn ich bin wenige Tage später zu einem Bildungsurlaub nach Russland aufgebrochen, da ich dort meine Sprachkenntnisse verbessern wollte. Vor der Abreise war die Zeit zu knapp, um einen Text zu verfassen.

Heute trafen wir uns zur weitere Lektüre und beschäftigten uns mit dem Abschnitt, der mit “Dritter Definitivartikel zum ewigen Frieden” überschrieben ist, und mit dem sich daran anschließenden Kapitel “Von der Garantie des ewigen Friedens”.

Den dritten Definitivartikel möchte ich ganz kurz abhandeln, obwohl das, was er enthält an gedanklicher Klarheit meine Bewunderung findet.

Kant grenzt hier das Weltbürgerrecht, also das Recht aller Menschen gegeneinander, auf das Recht der Reisefreiheit ein. Man darf überall hinreisen, aber man hat eine Zurückweisung zu akzeptieren. Es mag zunächst verwundern, dass er ein Gastrecht explizit ausklammert. Es ist aber das Phänomen der Kolonisierung fremder Länder, die feindliche Übernahme und Ausbeutung, die er hier versucht zu verhindern. Ein Besuchsrecht ist kein Gastrecht. Die Verweigerung zu bleiben, muss möglich sein. Die Möglichkeit zu bleiben, darf an Bedingungen geknüpft werden. Eine Besatzung darf nicht stattfinden. Sie ist ein Akt der Gewalt. 

Die ganze Schönheit der Gedankenwelt des Deutschen Idealismus entfaltet sich dann im anschließenden Passus.

Hier entfaltet Kant eine wundervolle Teleologie. Eine der Natur, dem Sein innewohnende Dialektik, so ist sich Kant sicher, führt zwangsläufig zu einem Zustand des ewigen Friedens. Über Krieg bilden sich Nationalstaaten heraus, die wiederum über ihre kulturellen Differenzen in einen Austausch eintreten, wobei Kant vor allem dem internationalen Handel eine Frieden stiftende Funktion zuschreibt. Am Ende der Geschichte steht ein ewiger Friede, der sich gleichsam von selbst herstellt. Die uns allen innewohnende Vernunft lässt gar nichts anderes zu. 

An der Faszination, die diese Gedankengänge auf uns ausüben, an der Nähe zu unserem Denken und zu unseren Maßstäben lässt sich die Wirkungsmacht der Kantschen Ideen auf unsere Kultur ablesen. Allerdings lässt sich auch ablesen, wie gerade der Westen an den aus ihm selbst hervorgebrachten Ideen scheitert. Sanktionen, Unterbrechung und Abbruch von Beziehungen sind da, wo eigentlich Austausch und Handel sein sollten.

Es sind interessanter Weise die BRICS-Staaten, in der diese Idee Kants sich aktuell wesentlich stärker verwirklicht als in den Ländern Europas, das gerade in sich zusammen bricht, oder auch den USA, die mit irreführend Handelsabkommen genannten Verträgen eine autoritäre und repressive Struktur für lange Zeit zu ihren Gunsten festschreiben wollen.  

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