Fin de siècle 23

Allen Ernstes versuchte mir Sebastian einen Maulkorb zu verpassen. Was ich mir dabei denken würde, so etwas zu sagen? Einem Pfarrer zu sagen, es gebe keinen Gott.
Sebastian hatte offensichtlich erneut jedes Maß dafür verloren, was adäquat war.
„jetzt legt Du fest, wann ich was zu wem sagen darf?“ Ich war absolut empört über Sebastians Verhalten. Er hatte mich auf diese miese Immitation einer Hochzeit im Nirgendwo geschleppt, ich fühlte mich nicht nur unwohl und fremd, sondern war kurz davor vor lauter hinuntergeschluckter und unverdauter Gefühlte ins nächste Gebüsch zu kotzen. Jetzt sollte ich auch noch zu einer Verbalattacke eines besoffenen Pfaffen ein nettes Gesicht machen. Das war weit mehr, als ich vertragen konnte.
„Ich wollte, Du würdest etwas mehr darauf achten, was du sagst!“ Sebastian setze noch einen drauf.
„Ich glaube, du hast sie nicht mehr alle!“
Ich drehte mich um, und lief in Richtung Ausfahrt. Ich brauchte dringend Luft. Und einen Gegenstand, den ich werfen konnte, wovon allerdings niemand Zeuge werden sollte. Im angrenzenden Wald würde mein Bedürfnis nach Aggressionsabbau sicherlich Erfüllung finden.
„Wo rennst Du hin?“ rief Sebastian mir nach.
Ich dachte etwas sehr Unhöfliches.

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