Die Betriebsversammlung 45

Die Informationen, die Sebastian Markus von Sabine Müller erhielt und sofort an Sonja Zand weitergab, fand diese recht mau.
“Die ist doch zu blöd zu allem”, war Sonjas Urteil, nachdem ihr von dem Treffen zwischen Olaf Graf und Sabine Müller berichtet worden war. “Wir müssen das selbst in die Hand nehmen.”
“Was denn noch?” Markus blickte verdutzt. “Wir machen schon alles mögliche.”
“Wir müssen diese Betriebsversammlung verhindern! Die Firma muss vor den Roten gerettet werden.” Durch die Unterhaltung mit Roland Schmidt am Morgen, fühlte sich Sonja herausgefordert. Viel mehr noch als bisher wollte sie es sein, die die Betriebsversammlung verhinderte. Sie würde für Roland Schmidt eine Wahrheit schaffen, die keinen Zweifel am Versagen Wolfram Tietz’ lassen würde und ihn im günstigsten Fall in ein Licht der Kollaboration mit Gottschalk, Bauer und Graf rücken würde.
“Warum reißen wir uns eigentlich den Arsch für Rolands Firma auf?”, fragte Markus.
“Fängst du jetzt auch schon mit dem Sozialismus-Scheiß an? Es geht auch um deinen Arbeitsplatz. Wenn wir versagen, ist die Firma kaputt.”
“Warum ist die Firma dann kaputt? Was erzählst du da für einen Schwachsinn?”
“Weil so ein Betriebsrat alles lähmt, bis zum Bankrott. Das sind Blutsauger.”
“Wer sagt denn so was?”
“Roland”, war Sonjas wenig überraschende Antwort. “Bist du jetzt für oder gegen uns?”
“Mit einer Gehaltserhöhung bin ich für euch.” Markus startete einen weiteren Versuch, einen Vorteil für sich herauszuschlagen.
“So läuft das nicht in unserem Geschäft. Erst liefern, dann kommt die Kohle.” Soja Zand hatte das Gefühl, ihr Eigentum schützen zu müssen. Roland Schmidt würde sie nach der erfolgreichen Verhinderung der Betriebsratswahl zur Belohnung heiraten, da war sie sich sicher. Dann würde die Firma praktisch ihr gehören. Im Geiste machte sie jetzt schon Listen mit den Namen derjenigen, denen sie das Gehalt kürzen und die sie rausschmeißen würde. Ginge es nach ihr, würde nach einer Heirat die ganze Firma zu spüren bekommen, wer bei Schmidts die Hosen anhatte. In ihrer Vorstellung blieb niemand verschont. Sebastian Markus würde sie das Gehalt kräftig kürzen,  denn er sollte sich gefälligst ein bisschen mehr anstrengen. Miete und so könnte er sich auch vom Job Center holen, wusste sie.
“Wie? So läuft das nicht? Vor dem Liefern müssen wir klären, wie viel Kohle danach kommt, oder?”
“Sei nicht so gierig.” Sonja wollte auf gar keinen Fall ihre künftigen Einnahmen senken, indem sie jetzt leichtfertig Versprechungen machte. “Lass uns einen Plan für nächste Woche machen. Danach zeigst du mir nochmal, was du mit deinen prallen Muskeln alles anstellen kannst.” Statt über Geld zu sprechen, schien es ihr notwendig, Sebastian Markus in einer Weise zu motivieren, die für beide gewinnbringend war. Zu ihrer eigenen Verwunderung gelang es. Sie fühlte Verachtung für Sebastian Markus in sich aufsteigen, die sich wenige Augenblicke später in Lust wandelte.

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