Solidaritätsnote für Lars Mährholz

Etwas läuft schief. Nicht nur in der Bundesrepublik. Nicht nur dort, weltweit läuft es heftig schief. Jeder merkt es, irgendwie.
Die Medien berichten komisch. Man hat das Gefühl, die eigene Realität kommt in den Zeitungen, Journalen und Fernsehsendungen immer weniger vor. Jeder findet das seltsam, irgendwie.
Politik wird nicht mehr für Menschen, sondern für ein Finanzsystem gemacht, dessen Wert für die Verantwortlichen in der Politik weit über dem Schutz der Menschenwürde steht. Jeder findet das verquer, irgendwie.
Plötzlich wird wieder zum Krieg geblasen. Diesmal muss unsere Freiheit, die in den letzten Jahren immer weiter eingeschränkt wurde und die vor lauter Überwachung diesen Namen gar nicht mehr verdient, nicht mehr am Hindukusch sondern in der Ukraine verteidigt werden. Es werden auch wieder Satellitenbilder rumgereicht. Jedem ist das unheimlich, irgendwie.
Doch trotz all dieser Irritationen passiert nichts. Alle sind apathisch, irgendwie. Außer Lars Mährholz. Der meldet eine Demo an. Dann noch eine und noch eine. Es kommen Leute, die das alles auch irgendwie komisch, merkwürdig und bedrohlich finden. Und plötzlich fühlt es sich an wie Aufbruch. Da entsteht etwas.
Natürlich gibt es auch Kritik. Ja, es stimmt, die einzelnen Positionen sind nicht immer ganz ausgereift und durchdacht. Ja, manches ist zu verengt auf einen Aspekt. Und ja, manchmal sagt jemand etwas, da muss man erst mal schlucken, weil es sich verdreht anhört. Und ja, diese Bewegung im Entstehen ist ein Sammelsurium.
Aber das ist doch kein Nachteil! Das ist doch gut! Es ist doch gut, dass hier nicht jemand von sich behauptet, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und genau zu wissen, was jetzt zu tun sei. Es ist doch gut, dass man nach Formulierungen sucht, anstatt bloß Phrasen wiederzukauen. Es ist doch gut, dass man auf den Demos erst mal keine Fahnen von Parteien und Gruppen sehen möchte. Da kann sich doch der ein oder die andere fragen, warum die Fahne in der Hand und die Parole im Kopf so viel vermeintliche Sicherheit bietet.
Was sich jetzt gegenüber Lars Mährholz zeigt, erschreckt mich. Es ergießt sich ein Shitstorm in seiner ganzen Unbarmherzigkeit auf ihn, der ihm seine ganze Offenheit und Frische nicht nur zum Vorwurf macht, sondern ihn regelrecht denunziert und persönlich angreift.
Sicher, man muss Kritik ernst nehmen. Aber man muss auch Kritik an der Kritik zulassen. Nur weil die Sicht von Lars Mährholz auf die Federal Reserve verjüngt ist, macht ihn das nicht automatisch zum Antisemiten. Das ist doch grober Unfug! Da darf der Kritiker ruhig nochmal genauer hingucken, bevor er anfängt zu schreien. Und statt Lars Mährholz zu beschimpfen, wie wäre es, mit ihm zu reden und Teil der Bewegung zu werden, statt sie von außen missgünstig zu kommentieren? Wenn jemand etwas tut, was man selbst nicht auf die Reihe kriegt, dann sollte man sich nicht mit verschränkten Armen vor ihn hinstellen, um rumzumäkeln und zu sagen, wie man es viel besser und eigentlich richtig macht. Das bringt doch nichts außer Konfrontation und Verlust an Energie.
Seid solidarisch, unterstützt ihn, macht mit und tragt dafür Sorge, dass es richtig und stark wird. Es gibt nichts, was das System so nachhaltig stabilisiert, wie eine Bewegung, die sich selbst zerfleischt. Und genau das scheint wieder einmal zu passieren. Antifa, Antideutsche, westdeutsche Kleinstparteien und sonstige Besserwisser nutzen Lars Mährholz um, mit Verlaub, ihren idiosynkratischen Mist auf ihn zu projizieren, ihm zu erklären, was er wie, wo und wann zu sagen hat, von wem und was er sich zu distanzieren und mit wem er sich zu verbinden hat. Sie wiederholen das, was sie seit Jahrzehnten stereotyp wiederholen und was ganz offensichtlich keinen Deut an gesellschaftlicher Änderung herbeigeführt hat, sonst würden wir nicht so tief im neoliberalen Sumpf feststecken. Aber statt darüber nachzudenken, warum es trotz einer linken Mehrheit in der Bevölkerung keine einflussreiche linke Bewegung gibt, denunziert man jemanden, der aktiv wurde. So gräbt man gesellschaftlicher Änderung das Wasser ab und stabilisiert das, wogegen man zu sein vorgibt. Dieser Mangel an Reflexion vermeintlich linker Intellektueller, dieser Mangel an Geduld gegenüber einer sich erst erfindenden Bewegung ist über alle Maßen beschämend. „Wehret den Anfängen“, mag für die Kritiker der Slogan sein. Aber wenn ihr unterschiedslos allen Anfängen wehrt, dann bleibt es eben auch für alle Zeiten gleich.

15 Gedanken zu „Solidaritätsnote für Lars Mährholz

  1. buzzard4782

    Solange diese „Meisten“ mehr Wert darauf legen sich möglichst voneinander abzu-Grenzen und den „Anderen“ zu misstrauen, aus der Angst heraus etwas falsch zu machen, oder „verletzt“ zu werden, solange wird auch nichts gemacht, ausser eifrig in die Tasten getrollt. Die „Linken“ befürchten nicht genug links zu sein, oder zu viel „antisemitisch“ und kriegen in ihrer Verwirrtheit gar nicht mit, dass genau diese Verwirrtheit von „Oben“ gewollt ist, um den Status Quo aufRechtzuerhalten. Werdet endlich erwachsen und rebelliert gegen eure internalisierten „Eltern“!!! Aktiv ist, wer aktiv ist!!!

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  2. DerDude

    Genau aus diesem Grund wird es leider nie Weltfrieden geben. Die Menschen demonstrieren zwar immer gerne gegen die bösen, gewaltätigen Politiker, sind aber selber nicht einmal in der Lage, in Friedenszeiten friedlich miteinander zu leben. Sie sind selber gierig, aggressiv, ausbeutend und faschistisch. Leider wird das oft verkannt, und der Blick häufig nur auf Politiker konzentriert.

    Und solche Leute erheben den Anspruch, die Welt zu verbessern? Für mich sind das nur Leute, die ihren Frust und ihre Aggression auf andere Menschen übertragen. Sie würden niemals in der Lage sein Konflikte zu lösen oder unsere Gesellschaft irgendwie zu verbessern, noch in der Lage sein ein Land politisch zu führen.

    Sie wären die ersten, die in Zeiten des Hungers und der Not über andere herfallen würden. Die Pseudmoral wäre dann ganz schnell wieder vergessen. Weg damit!

    Was wir brauchen sind 100% rationale und intelligente Politiker. Außerdem sollte Politik stets nach Zahlen entscheiden, niemals aber nach Gefühlen. Denn Gefühle sind immer subjektiv und spiegeln selten die Realität wieder, Zahlen schon eher. Zurück zum Rationalismus und uns allen geht es besser…

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    1. Lutz Lippke

      Google meint dazu: Es wurden keine mit Ihrer Suchanfrage – nie, immer, bösen, gewalttätigen, nicht einmal, gierig, aggressiv, ausbeutend, faschistisch … – übereinstimmenden Dokumente gefunden.
      Vorschläge:
      Achten Sie darauf, dass alle Wörter richtig geschrieben sind.
      Probieren Sie es mit anderen Suchbegriffen.
      Probieren Sie es mit allgemeineren Suchbegriffen.
      Probieren Sie es mit weniger Suchbegriffen.

      oder einem Gespräch mit Ihrem Therapeuten

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    2. Adam

      Der Rationalismus nach Zahlen ist ein zweischneidiges Schwert. Und meiner Meinung nach eines der Hauptprobleme der heutigen Denkmuster, denn Zahlen im Sinne von Gewinn und Profitmaximierung, Zahlen, die auch manipuliert werden können usw sind es ja, die den Fokus vom Menschen weg bewegen.
      Vermutlich ist Deine Haltung, anderen Menschen ihre Solidarität in Krisenzeiten abzusprechen auf Dein Selbstbild zurückzuführen und dem Vertrauen, das wir brauchen, um gemeinsam die DInge zu verbessern, nicht gerade zuträglich und zumindest überdenkenswert.

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  3. Indie

    … Ich finde es eher beschämend, das einige Leute die Deutsche Politik links unterwandert Politik und bei keiner der zahlreichen grassroot Initiativen mitmachen, jetzt angeben Lösungen finden zu wollen. Ich persönlich bin mir sehr sicher, wer am Schluss echte Alternativen aushandeln und soziale Arbeit leisten wird.

    Antwort
    1. Indie

      … Ich finde es eher beschämend, das einige Leute die Deutsche Politik links unterwandert nennen und offenbar bei keiner der zahlreichen linken oder christlichen etc. Grassroot Initiativen mitmachen, jetzt angeben als einzige Lösungen finden zu wollen. Ich persönlich bin mir sehr sicher, wer am Schluss echte Alternativen aushandeln und soziale Arbeit leisten wird.

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      1. Manfred

        Wer sagt, es gebe keine “Links” und “Rechts” und dabei kein “Linker” ist, ist ein “rechter”? Das sagt dir dein gesunder Menschenverstand? Junge Junge, geh mal zum Arzt!

    1. silvi

      Oh ha , da hat doch einer wieder mal nichts wirklich verstanden.
      Es geht nicht um rechts und nicht um links, verdammt noch mal es geht hier um den Frieden.
      Sobald man nicht mit dem Strom schwimmt ist man gleich rechts , komischerweise kommt das immer von den Linken.
      Vielleicht mal das Gehirn einschalten tzzzzzz.
      Schaut hin wer Regiert

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  4. Nazienkel

    Was für ein Bullshit.
    Ich soll “Teil” von etwas werden, bevor ich Kritik äußern darf.
    Der Schmalspurantiamerikanismus,
    welcher in Aufrufen “gegen die FED und für den Frieden” durchsickert, ist sehr bedenklich.
    Die FED steht als Chiffre.

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    1. Friedensengel

      Da denkt wieder jemand in „Schubladen“. Ich will keinen Krieg. Ich bin einfach nur für Frieden. Wenn irgendwelche Banken oder Organisationen am Krieg verdienen, muss man das kritisieren dürfen. Ja auch dann, wenn man „kein Teil davon ist“. Ich schaue nicht in die Angestelltenliste einer Bank oder Firma, wenn ich an dieser berechtigte Kritik äußern möchte, nur um „sicher“ zu sein, dass sich da Niemand „wegen der deutschen Vergangenheit“ auf dem Schlips getreten fühlt. Ich bin nicht soweit politisch engagiert, um alle Hintergründe zu verstehen. Es ist eher ein Bauchgefühl, dass mich dazu bringt aktiv zu werden. So wie viele Andere auch die zu diesen Demos gehen. Mir ist egal ob da ein „rechter“ oder „linker“ neben mir steht, wenn er für das gleiche Ziel da steht, dass jetzt immer mehr Menschen auf die Straße holt. Was da manche alles reininterpretieren wollen, verstehe ich meist nicht einmal. Ist mir auch egal. Mein Gewissen sagt mir, dass ich das richtige mache.

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  5. Manni

    Vielen Dank für den sehr guten Artikel. Ich hoffe die Menschheit wird noch im letzten Moment rechtzeitig erkennen was sich hier in der Welt abspielt, was der Plan der Initiatoren ist.

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