Fin de siècle 11

Das Brautpaar schritt den Weg ab, langsam, denn würdevoll wollten sie wirken und das schien ihnen unmittelbar mit langsam in Verbindung zu stehen. Doch der Weg war uneben, eine Grasnarbe mit allen Tücken versehen, die eine  High-Heels-Trägerin fürchtet. Und das, was Susans Füße zierte, waren Kunstwerke in High-Heels. Zarte Bänder hielten ein waghalsiges Konstrukt an ihren Sohlen. Mit einiger Vorbereitung konnte mit dieser beeindruckenden Schöpfung eines fußverliebten, passionierten Schuhdesigners ein roter Teppich von einer gut geübten Trägerin eindrucksvoll und medienwirksam abgeschritten werden. Bei einer Schwangeren, die versuchte, sich durch festen Griff am Arm eines Junkies zu stabilisieren und über einen zwar gepflegten, aber dennoch natürlich unebenen Rasen stackselte, erweckte der Gang beim Betrachter ein Oszillieren zwischen besorgniserregend bis hin zu komisch. Doch ohne sich eine ernsthafte Verletzung zuzuziehen schaffte Susan den Weg zum Traualtar. Auch Andrew ging dabei nicht verloren. Dort angekommen wurde die Musik langsam ausgeblendet.

Nichts weiter passierte.

Es gab eine Stockung. Andrew und Susan vor dem Altar, das Publikum in wartender Erregung, aber etwas Wichtiges fehlte. Richtig, der Priester war nicht an seinem Platz. Und nahezu im selben Moment, in dem man den Fehler im Bild erkannte, bog ein Mann in schwarzem Anzug mit weißem Kragen um die Ecke des alten Bauernhauses. Er stellte sein Weinglas auf den Traualter und sagte „Sorry guys!“

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