Fin de siècle 34

Der Geruch nach Erbrochenem wurde stärker. Wir hatten das Tor passiert, da sahen wir in geringer Entfernung einen gekrümmten Schatten am Boden. Wir gingen etwas näher und es wurde eindeutig: Hier lag jemand. Sebastian und ich sahen uns an. Wir gingen noch näher, der Geruch verstärkte sich. Wir fanden einen Hochzeitsgast in der eigenen Kotze liegend. Ein erbärmlicher Anblick. Ich solle mich kümmern, meinte Sebastian, denn wenn er das weiter riechen müsse, würde er gleich selbst kräftig kübeln.
Ich beugte mich über den Mann, rüttelte an seiner Schulter. „Hey! Aufwachen!“
„Lass mich!“ war seine Antwort und in den Geruch nach frischer Kotze mischte sich eine kräftige Alkoholfahne.
So gut es ging drehte ich die Alkoholleiche auf die Seite. Schließlich sollte er nicht beim nächsten Würgen an seinem Erbrochenem ersticken. Sebastian wollte wissen, was los sei.
„Der ist nur total blau.“
„Willst du den hier liegen lassen?“ wollte Sebastian wissen.
„Kannst ja den Notarzt rufen, falls du ein Netz hast. Der ist bestimmt in ein bis zwei Stunden hier, vielleicht auch in drei. Bis dahin geht es dem hier zwar nicht gut, aber besser.“
„Wir könnten die anderen holen.“
„Die werden vermutlich auf dem Weg in ähnliche Zustände und daher wenig hilfreich sein. Dem passiert schon nichts. Lass uns jetzt den Schlüssel abgeben.“
Wir gingen um das Haus zum Pool, in dem inzwischen eine ganze Gruppe ausgelassen planschte. Auf der anderen Seite des Pools wurde getanzt. Die Hochzeitstorte stand im Hintergrund auf einem Buffet und war halb aufgegessen. Benutzte Teller standen daneben, ein Teil der Hochzeitstorte lag als Brei vor dem Buffet auf dem Boden. Etwas war wohl schief gegangen. In der Mitte der Tanzenden waren Andrew und Susan. Wir bahnten uns einen Weg in Richtung der beiden. Andrew sah uns, flüsterte Susan etwas zu und breitete die Arme aus. Wenige Sekunden später fand ich mich in den Armen Andrews wieder, der mir seine Lippen auf meine drückte und mir dabei die Zunge tief in den Rachen schob. Der Geschmack von Erbrochenem breitete sich in meinem Mund aus.

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