Fin de siècle 35

Andrew versuchte, uns beide zur Musik zu bewegen. Ich bin kein großer Tänzer und war von der Situation zu überrascht,  um vollendete Elleganz zu zeigen. Entsprechend ungelenkt fielen unsere Bewegungen aus. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass es Sebastian nicht besser ergangen war. Er lag steif in den Armen von Susan, wurde ebenso intensiv geküsst, wie ich, und sah genauso überrascht aus, wie ich vermutlich aussah. Die umstehende Menge applaudierte. Mir war nicht klar, wem und warum. Bald löste Andrew seine Umarmung, hielt mich an den Händen, wobei er seinen Kopf auf meine Schulter legte, um mit seiner Zunge an meinem Ohr zu spielen. Ich zuckte zurück. Er meinte, er hätte mich wahnsinnig gern und fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm für einen Moment nach oben auf sein Zimmer zu verschwinden.
Ich wollte ebene etwas in der Richtung antworten, wie ungewöhnlich es für mich sei, auf einer Hochzeit vom Bräutigam gleichgeschlechtliche Avancen gemacht zu bekommen, ich daher noch etwas Bedenkzeit bräuchte, da sah ich, wie sich Susan mit Sebastian im Arm immer näher und näher an den Pool bewegte, sie ihn schließlich mehr drängte als mit ihm tanzte, bis er – platsch – ins Becken fiel. Die umstehenden Gäste lachten und applaudierten erneut, während sich Susan zu ihnen drehte und freudig ihre Arme in die Luft warf.
Andrew nutzte die Irritation und zog mich in Richtung Hochzeitstortenbuffet aus der Menge.

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