Die Betriebsversammlung 13

Morgengrauen. Ein Wirbelsturm der Gedanken tobte in Roland Schmidts Kopf. Ideen zu einer Hurensuchmaschine wechselten sich ab mit Ideen zu Umbaumaßnahmen zur Effizienzsteigerung der Mitarbeiter, die wiederum von der Vorstellung abgelöst wurde, er könne endlich seinem Kontrahenten OTR-Werbung den Hauptkunden abspenstig machen, was zum Bankrott von OTR führen würde. Er würde dann in einer Geste der Großzügigkeit mit aller Herablassung dem jetzigen Inhaber von OTR Thorsten Blunk eine Anstellung anbieten. Insbesondere dieser Gedanke raubte ihm durch seine sadistische Süße den Schlaf. Es erregte ihn, allerdings nicht sexuell.
Schon seit etwa zwanzig Minuten werkelte Sonja unter der Bettdecke vor sich hin, rieb Rolands Schwanz, nahm ihn in den Mund, kraulte seine Eier, zwickte ihn in die Nippel, doch all ihre Bemühungen wollten nicht fruchten. Es tat sich nichts, denn Roland war eingetaucht in ein Meer aus Gedanken. Im Gegenteil störte es ihn. Roland Schmidt passte daher einen Moment ab, in dem Sonja seinen Schwanz nicht im Mund hatte und ein reflexartiges Zubeißen lediglich ihre Zunge oder Lippe, nicht aber seine Männlichkeit verletzten konnte, und haute ihr dann mit einem Buch auf den Kopf.
“Aua! Was soll denn das?” Sonja Zand kroch unter der Bettdecke hervor.
“Du machst das völlig falsch, merkst du das denn nicht?”
“Ich habe mir auf die Zunge gebissen wegen dir!”
“Ich habe wichtigeres im Kopf!” Roland Schmidt drehte sich aus dem Bett, griff mit dem Fuß nach einer Boxershorts und zog sie an.
Sonja Zand war eine Mitarbeiterin bei der SCHOW GmbH. Eine der wenigen langjährigen Mitarbeiterinnen. Sie hatte als Sachbearbeiterin angefangen, witterte ihre persönliche Karrierechance in dem Moment, als Roland Schmidt vor nunmehr sieben Jahren einen Moment zu lange auf ihr Dekolletee gestarrt hatte. Von diesem Moment an wusste sie zahllose Gelegenheiten zu finden, bei denen Roland mal gucken durfte. Immer wieder hatte sie einen Vorwand gefunden, ihn sprechen zu müssen. Sonja war nicht das hellste Licht in der Galaxis, für ihre Zwecke schien es ihr jedoch ausgesprochen hilfreich, auch ihr ganz leichtes Glimmen unter den Scheffel zu stellen. Immer wieder saß sie bei Roland Schmidt im Büro und ließ sich Fragen zu ihrer Arbeit beantworten, deren Antwort sie schon längst wusste.
Nach einiger Zeit hatte Sonja ihre feste Uhrzeit. Sie kam pünktlich um halb zwölf tief dekolletiert in Rolands Büro, setzte sich ihm gegenüber an den Schreibtisch, verschränkte die Arme unter der Brust, legte sich mit den Armen auf den Tisch, so dass aus viel noch etwas mehr und ein tiefer Einblick möglich wurde. Sie legte den Kopf zur Seite, damit Roland ihren Hals sehen konnte, sah von unten zu ihm auf und ließ sich alles erklären: die Firma, das Internet, die Welt, alles. Manchmal sagte sie “Du bist so süß!”, oder “Was du alles weißt!”
Mit all dieser Berechnung schaffte Sonja Zand ein kleines Wunder, denn zum ersten Mal in seinem Leben war Roland Schmidt in der Lage, so etwas wie Nähe zuzulassen.
Was Roland Schmidt nicht wusste, war, wie sehr Sonja ihr Verhältnis zu strategischen Zwecken einzusetzen wusste. Neuen Mitarbeitern stellte sie sich als ‘inoffizielle Geschäftsführerin’ vor und in relativ kurzen Abständen stellte sie ihre Macht unter Beweis, indem sie dafür sorgte, dass mal dieser und mal jene gehen mussten.
Sexuell befriedigend war die Beziehung für Sonja nicht, denn Roland pflegte die Kultur der Fünf-Minuten-Erotik. Warum sollte man sich länger mit etwas aufhalten, wenn man auch direkt zum Ziel kommen konnte. Auch in der Sexualität schätzte Roland Schmidt Effizienz und Flexibilität, weshalb Sonja öfter mal unter Rolands Schreibtisch kniete, während dieser die Hosen runter gezogen hatte und oben weiter googelte. Sonja machte diese Spiele mit. Nicht weil sie ihr gefielen oder ihr Befriedigung schenkten, sondern weil sich dadurch ihre Macht und ihr Einfluss vergrößerte. Selbst der Tietz musste inzwischen mit ihr rechnen.  Es war ihr egal, dass sie als Preis für diese Macht von Roland Schmidt ziemlich oft ziemlich schlecht behandelt wurde. So wie jetzt eben.
“Guck mal meine Zunge! Kann man da was sehen?” Sonja streckte Roland die Zunge raus.
Er beugte sich nach vorne, nahm Sonjas Zunge in Augenschein und verneinte.
“Wie findest du eigentlich diese Idee mit dem Betriebsrat”, wollte Sonja wissen. Sie hatte sich noch nicht positioniert, da sie nicht einschätzen konnte, welches Echo die Gründung eines Betriebsrates nach sich ziehen würde.
“Da kümmert sich der Tietz drum, das ist schon erledigt. Die fliegen raus. Komm jetzt, lass uns ins Büro gehen.”
Damit war Sonja klar, welche Meinung sie sich anzueignen hatte.

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