Die Kynast-Dialoge. 7. Teil

Es geht in dieser kleinen Reihe zwar vornehmlich um den ZDF-Hauptstadtkorrespondenten Kynast, allerdings ist er lediglich ein Symptom. Dass ich mich ausgerechnet mit ihm auf Twitter zu einigen Themen gestritten habe, ist eher Zufall. Es liegt zum Teil daran, dass er sich meiner Themen angenommen hat. Er sprang auf Diskussionen auf, an denen ich teilgenommen hatte oder er kommentierte Texte, die ich geschrieben und RT Deutsch veröffentlicht hatte.

So gesehen hätte es auch jeder andere Journalist des Mainstreams sein können, denn Kynast ist natürlich nur ein Erscheinungsform einer Problematik, genauso wie Atai, Lielischkies, wie Claus Kleber Ausdrucksformen einer Krise sind.

“Die Berichterstattung des ZDF ist zu zentralen Themen einseitig und grottenschlecht”, schrieb ich in einem Thread und prompt sprang Kynast uneingeladen in das Thema hinein. Das darf er freilich tun, Twitter ist genau dafür da. Später war er mir dann allerdings vor, ich würde ihn stalken. Nun ja, das sind dann so die kleinen Unterschiede zwischen Eigenwahrnehmung und Fakten, mit denen man sich wohl abfinden muss.

Sei’s drum. Die Berichterstattung des ZDF ist zu zentralen Themen einseitig und grottenschlecht, wiederhole ich hier gerne noch einmal. Und nicht nur die des ZDF. Die gesamten GEZ-finanzierten Sender versagen regelmäßig zu den großen Themen. Bei Geopolitik und ökonomischen Themen sind sie durchzogen von Ideologie getragener Einseitigkeit. Das ist inzwischen gut belegt und dokumentiert. Die Publikumskonferenz hat das für unter anderem die Themenbereiche Griechenland, Ukrainekrise, Syrien und dankenswerterweise hier zusammengetragen. Die Literatur zum Versagen und der Einseitigkeit von Medien wird immer größer und umfangreicher. Die Analyse eines Phänomens ist in vollem Gange, das eigentlich gar nicht auftreten sollte, schließlich ist das System der öffentlich-rechtlichen Medien aufgrund der Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus entstanden. Es sollte die Unabhängigkeit der Berichterstattung gewährleisten und Einseitigkeit und Propaganda verhindern. Das ist offenkundig nicht gelungen.

Es reicht eben nicht, die Rechtsform zu ändern, es bedarf mehr. Tatsächliche Repräsentation der Zuschauer in den Rundfunkräten. Berichtspflichte Rundfunkräte, welche die kritische Begleitung des Programms zu dokumentieren haben, sowie die vollständige Trennung der Sendeanstalten von der Einfluss-Sphäre der Politik sind nur einige Maßnahmen, die notwendig erscheinen, um dem Ideal einer tatsächlich unabhängigen Berichterstattung etwas näher zu kommen.

Der derzeitige Journalismus benutzt verbindlich Begrifflichkeiten, die er vielfach direkt aus der Politik übernimmt. Wer sich nicht daran hält, hat keine Chance auf die Publikation seiner Texte. Wer nicht von Annexion der Krim spricht, ist draußen. Dabei ist es völkerrechtlich mehr als nur fraglich, ob die Krim tatsächlich von Russland annektiert wurde. Journalistisch richtig müsste es daher immer heißen: “Die Eingliederung der Krim in die russische Föderation, die aus politischen Gründen von zahlreichen Ländern als Annexion bezeichnet wird.” Das ist natürlich ein bisschen lang, aber einfach immer und vor allem durch alle Publikationen des Mainstreams hindurch gleichförmig von Annexion zu sprechen ist… nun ja: Propaganda. Man könnte das für zahlreiche andere Begriffe nachzeichnen: Regime, Reform, Generationengerechtigkeit, Staatsschuldenkrise, und und und. Es herrscht eine gleichförmige, unkritische Verwendung von Begriffen,  oftmals direkt direkt aus der Diktion der Politik oder von einflussreichen Lobbygruppen übernommen, die dadurch höchst fragwürdig und somit Ausdruck einer journalistischen Krise sind.

Mit dieser Gleichförmigkeit im Wording zwingt der deutsche Mainstream Journalisten systemisch zum Geschichten erzählen, denn die Wirklichkeit hat mit dieser einförmigen Begrifflichkeit nichts zu tun. Journalismus müsste, will er tatsächlich einer sein, einen Streit um Begriffe austragen. Das tut er aktuell nicht. Mit einem für alle Journalisten des Mainstreams verbindlichen Wording schafft der Journalismus ein Gerüst in dem sich die Nachricht aufzuhalten hat. Das macht Relotius eben nicht zur Ausnahme sondern zur Regel.

Es ist nun fast schon tragisch zu nennen, dass ein aufgrund seiner Biographie sehr DDR-kritischer Journalist wie Kynast systemisch nun ausgerechnet dazu gezwungen wird, das zu machen, was er an der DDR vehement kritisiert und ablehnt: Propaganda. Was ein wenig beruhigen mag, ist, dass er es selbst nicht durchschaut und sich auf der richtigen Seite wähnt. Es geht ihm also gut dabei. 

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2 Gedanken zu „Die Kynast-Dialoge. 7. Teil

  1. verschrenken

    Die Medien können das nicht zugeben weil sie das mangels Bildung und Erfahrung garnicht sehen. Aber der Niedergang ist unübersehbar. Unabhängige Personen wie Sie – das ist die Zukunft. Die Menschen werden Personen folgen, nicht Verlagshäusern oder ähnlichem.

    Antwort
  2. Mario

    „Was ein wenig beruhigen mag, ist, dass er es selbst nicht durchschaut und sich auf der richtigen Seite wähnt. Es geht ihm also gut dabei.“

    ..Eigentlich ist genau DAS das BeUNruhigende daran, dass diese Leute inzwischen Opfer ihrer eigenen Propaganda sind und es nicht einmal merken.

    Aber das muss ich eigentlich nicht erwähnen, das siehst Du im Grunde sicher genau so.

    Antwort

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