Die Kynast-Dialoge. 6. Teil

Es mag vielleicht notwendig sein, einen kleinen Blick in das journalistische Oeuvre unseres Qualitätsjournalisten zu werfen. Im Sommer war er in Russland und hat eine kleine Serie für das zdf erstellt. Unter dem recht narzistischen Titel “Kynast, Kreml, Kaviar” erarbeitete er eine kleine Reihe über die WM-Spielstätten.

Die Reihe ist genauso peinlich wie der Titel verspricht. Kynast wertete diese kleine Oberflächlichkeiten mir gegenüber übrigens als tiefere Auseinandersetzung mit der russischen Kultur.  Tiefere Auseinandersetzung nach seinem Verständnis läuft dann wohl so: Man recherchiert im Internet einen deutsche Sprachschule in einem WM-Austragungsort, macht mit den Sprachschülern und der Lehrerin ein paar Kurzinterviews und glaubt dann, irgendetwas Substantielles zum Land sagen zu können. Eine bessere Definition für das Wort Arroganz kann keine Enzyklopädie liefern.

In der besagten Folge über Samara ist viel von einer politischen Krise die Rede.  Man sollte als Zuschauer ruhig einmal versuchen herauszufinden, worin diese Krise denn besteht. Das wird nämlich mit keinem Wort erwähnt. Man weiß daher auch nicht, ob der Kynast und seine Interviewpartner überhaupt über das Gleiche sprechen. Die Krise, so erfahren wir aus dem Off, hat irgendwas mit der Annexion der Krim und den Sanktionen zu tun. Dass die russischen Interviewpartner vermutlich ziemlich protestieren würden, würden sie wissen, dass sie in einen Zusammenhang mit einer angeblichen “Annexion der Krim” gestellt würden, davon weiß Kynast ganz sicher, es interessiert ihn aber offensichtlich nicht. In Russland kommt praktisch niemand auf die Idee von einer “Annexion der Krim” zu sprechen. Dass in unseren Medien sich dieses Wording durchgesetzt hat, ist Teil der Krise. Wir werden in den nächsten Jahren sehen, dass immer weniger Länder von einer Annexion sprechen.

Und natürlich finden nicht nur die Menschen in Deutschland die Sanktionen gegen Russland ziemlich unsinnig, sondern natürlich auch die Menschen in Russland. Sie sind völlig sinnlos, einseitig und Ausdruck von Doppelstandards. Klar, dass das Deutschlandbild da leidet. Allerdings, und das ist die gute Nachricht, das Bild des politischen Deutschland. Auf der Bürgerebene funktionieren die Kontakte gut. Da ist man sich dann auch schnell darüber einig, dass Deutschland bei geopolitischen Themen eh nichts zu sagen hat und nach US-amerikanischer Pfeife tanzen muss. Das sehen die Deutschen genauso klar wie die Russen. Die Sanktionen sind Ausdruck genau davon. Sie schaden Deutschland und der EU mehr als Russland. Sie sind einer völlig verfehlten, von Abhängigkeit geprägten Aupenpolitik geschuldet und bezeugen einen Mangel an Souveränität. 

Vielleicht noch eine kleine Anmerkung zum Titel: Kynast, Kreml, Kaviar suggeriert ja auch ein bisschen einen Zugang zum Kreml. Das hat der deutsche Mainstream definitiv nicht. Die Kaffeesatzleserei des deutschen Qualitätsjournalismus in Bezug auf Entscheidungen des Kreml beweist immer wieder, dass wir uns zwar unglaublich teure Büros vor Ort leisten, die aber ihrem Auftrag nicht nachkommen. Es gibt niemanden, der Zugang zu russischen Politikern und Entscheidern hätte. Das ist eigentlich einen journalistische Bankrott-Erklärung.  

Das verlinkte Video ist noch bis Ende Januar in der Mediathek zu sehen. Dann wird es entfernt. Es ist ebenfalls eine Bankrott-Erklärung, dass man zwar einen Haufen Gebühren zahlen muss, die Erzeugnisse dann aber nicht dauerhaft aufrufbar sind.

3 Gedanken zu „Die Kynast-Dialoge. 6. Teil

  1. Thom Ram

    Dass dieses Video entfernt werden wird, wird die Welt kaum nachteilig beeinflussen, haha.

    Was ich sagen wollte: Ich finde es klug, dass du einen Einzelnen unserer lieben Chorknaben drannimmst, einen nur, den aber gründlich. Aus meiner Sicht ist das eine wichtige Dokumentation.

    Ich möchte sie in bb übernehmen, und meine Idee ist, die Erste der Folgen komplett einzustellen und die weiteren Folgen zu verlinken. Was hältst du davon? Und…planst du weitere Folgen?

    Antwort

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