Jahresrückblick: Tapetenwechsel

Mit das angenehmste Ereignis fand für mich gleich zu Anfang des Jahres statt, denn ich wurde im Januar ein Neulandrebell. Tom, Roberto und ich nahmen einen Podcast auf, Anfang Februar veröffentlichte ich einen ersten Text auf der Seite, die jetzt auch ein bisschen meine geworden ist. Seitdem schreibe ich regelmäßig für die Neulandrebellen. Das war es dann für die kommenden Monate in 2022 erstmal mit den angenehmen Nachrichten.

Mein Wunsch für 2022 war, es sollte auf keinen Fall wie 2021 mit Lockdown und staatlich verordnetem Corona-Terror werden. Damit kein Missverständnis aufkommt: Ich bin wie so viele, die die Maßnahmen kritisieren, weder Impfgegner noch Reichsbürger. Man muss in der immer repressiver werdenden Atmosphäre Deutschlands immer gleich dazu sagen, von wem und was man sich alles distanziert. Ansonsten wird man noch schneller einsortiert und beschimpft als dies ohnehin schon der Fall ist. Ich bin kein Corona-Leugner, wie die meisten Maßnahmen-Kritiker übrigens auch nicht. Aber das, was der deutsche Staat im Verbund mit den im Narrativ gleichgeschalteten deutschen Medien im Jahr 2021 aufgeführt hat, entsprach meiner Vorstellung einer finsteren, autoritären und menschenverachtenden Diktatur. Ich wollte daher nicht noch ein Jahr mit staatlicher Corona-Repression.

Genau das habe ich erhalten. Der Anlass für die Repression ist inzwischen ein anderer. Kurze Zeit nach meinem ersten Text auf der Seite der Neulandrebellen, erkannte Russland die Donbass-Republiken als unabhängig an. Diese baten um militärischen Beistand, den Russland gewährte. Einen kausalen Zusammenhang mit meiner Veröffentlichung behaupte ich damit freilich nicht.

Putin hat am 24. 02. 2022 Corona beendet

Russische Truppen jedenfalls marschierten in die Ukraine ein. Dass Russland die Donbasser Republiken militärisch unterstützt, konnte ich mir vorstellen, das Ausmaß jedoch nicht. Ich habe von Militärstrategie keine Ahnung und dachte, man spannt eine Art militärischem Schutzschirm über dem Donbass auf und gut is’. Also so, wie uns das anlässlich westlicher “Interventionen” irgendwo in der Welt in der Tagesschau immer erklärt wurde. Genau so funktioniert es natürlich nicht, wurde mir dann gesagt. Weder bei den Russen noch bei den Amis und der NATO.

Seitdem halte ich zu allem, was die militärischen Abläufe betrifft, lieber den Mund, glaube aber den deutschen Nachrichten in diesem Zusammenhang natürlich auch nichts mehr. Wenn in den deutschen Medien die tollen Erfolge der ukrainischen Gegenoffensive beschworen werden, denke ich mir “na schau mer mal”. Nimmt man ökonomischen und geopolitische Indikatoren hinzu, sieht es für den Westen und die Ukraine eher schlecht aus.

Die Welt ordnet sich neu. Der Ukraine-Krieg ist ein Ausdruck davon. Der Westen ist im Decline und ist isoliert. Das bekommt man in Deutschland vermutlich nicht so mit, aber die weltweite Solidarität ist eher auf der Seite Russlands. Da können westliche Politiker noch so viel von Werten faseln, man glaubt ihnen einfach nicht mehr. Aus gutem Grund. Die Zahl der Länder, in die westliche Werte mit Hilfe von Militär exportiert wurden, ist einfach zu groß. Man hat die westliche Dominanz und das damit verbundene Aufzwingen des westlichen Modells ziemlich satt – weltweit.

Deutschland ist ein geistig enges Land

Während ich dies schreibe, kommt im russischen Fernsehen ein Bericht über den Empfang des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Saudi Arabien. Vermutlich rutscht diese Nachricht den deutschen Gazetten durch, weil sie irgendwie unwichtig erscheint. Sie ist es ganz und gar nicht.

Putin jedenfalls hat am 24. 02. 2022 Corona erfolgreich besiegt. Das Thema war erledigt und durch ein anderes ersetzt. Deutsche Medien durften sich ab sofort in aller politischen Inkorrektheit über Russland und Russen auskotzen. Es war und ist ein erbärmliches Schauspiel, was man den Deutschen als Nachrichten und Information vorsetzt. Einseitig, interessengeleitet, diffamierend und vor allem desinformierend.

Für den Großteil der Deutschen wird es ein böses Erwachen in einer völlig anderen Realität geben, wenn die aktuellen globalen Konflikte sich in eine neue, multipolare Weltordnung auflösen. “Das konnte man doch alles gar nicht wissen”, stimmt dieses Mal sogar noch mehr als beim letzen. Der normale Deutsche lebt unter einer hermetisch dicht abgeschlossenen Propagandaglocke.

Um diese Glocke noch ein bisschen hermetischer zu machen, wurden russische Sender in Deutschland und der EU verboten. Um die Pressefreiheit zu schützen, muss man sie nämlich erstmal aushebeln, ist die bizarre Argumentation.

Nun, ich arbeitete damals noch freiberuflich für den russischen Auslandssender RT DE. Für mich wurde mit den Zensurmaßnahmen richtig unangenehm. Ich bekam das volle Paket dessen geliefert, was man in der deutschen Politik wohl Werte basiert nennt. Die volle Ladung an Hass, deutscher Arroganz und Überheblichkeit bei völliger Abwesenheit von Wissen und Kompetenz, den reinen deutschen Rassismus in Bezug auf Russen, all das wurde über mir ausgegossen. Es ist eine Schande für Deutschland, was mir und anderen Kollegen passiert ist und vielen noch passiert. Deutschland ist ein geistig enges, sehr unfreies Land.

Umzugspläne

Mir jedenfalls war klar geworden, ich muss dort weg.

Mein Freund wohnt in Moskau und ich plante einen Tapetenwechsel. Es würde aufwendig und nicht ganz einfach werden, aber ich wollte es versuchen. In Deutschland hatte ich nichts mehr zu suchen.

Dann aber erhielt ich eine Anfrage von RT, ob ich nicht festangestellt von Moskau aus arbeiten wollte. Natürlich wollte ich. Damit wurde alles ganz einfach. Es hatte sich rumgesprochen, dass ich weg wollte, dass mein Ziel Russland war.

Und dann wurde mein Jahr 2022 doch noch super. Ich wohne jetzt in Moskau, bin mit meinem Freund und Lebenspartner zusammen. Wir führen ein angenehmes mittelschichtiges Leben, von irgendwelchen Sanktionen weitgehend unbelastet. Ich darf mich den lieben langen Tag für Politik interessieren und darüber schreiben. Dass es einige in Deutschland gibt, die es ärgert, was ich schreibe und mir den Mund verbieten wollen, es aber jetzt nicht mehr können, erhöht den Spaß an meiner Arbeit nochmal erheblich. Also insgesamt war es dann doch ein ganz gutes Jahr. Zumindest für mich.

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