Desinformationskampagnen

Es geht wieder mal ein Gespenst um in Europa. Dieses Mal gruselt es Deutschland ganz besonders, aber auch die EU ist voller Furcht. Das Gespenst trägt den Namen russische Desinformation oder auch russische Propaganda. Die EU und die Bundesregierung rufen ihre Geisterjäger von BND und Verfassungsschutz, gründen sogar eine eigene Geisterjägertruppe, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Die Hysterie wird auf ganz großer Flamme gekocht, immer mehr Zutaten werden in den Topf geworfen, der täglich weiter angeheizt wird. Putins Trolle seien überall, in den Foren der Nachrichtenmagazine, man macht ganze Trollfabriken ausfindig, es wird suggeriert, sie seien in Organisationen wie der Publikumskonferenz, sie betrieben subversive Blogs und bombardierten mit russlandfreundlichen Parolen die sozialen Netzwerken.

Nun betreibe auch ich einen Blog, der ausgesprochen freundlich von Russland spricht, und meine Texte werden vielfach geteilt. Entsprechend häufig bekomme ich den Vorwurf gemacht, ich sei ein Kreml finanzierter Troll, der die Desinformationskampagnen Russlands unterstützt.

Da ist zum Teil etwas Wahres dran, denn tatsächlich sind Desinformationskampagnen ein zentraler Motor meines Schreibens. Wer meinem Blog folgt, bekommt über meine Motivation Auskunft.

Vor drei Jahren noch war ich braver, systemkonformer Putin-Gegner. Schrecklich, was da alles passiert in diesem dunklen Russland, das eingeklemmt ist zwischen orthodoxer Kirche und rückwärts gewandter Politik eines homophoben, sein Volk aller Freiheiten beraubenden Diktators. Schauprozesse, unterdrückte Presse, Gewalt gegen Schwule und Lesben, ein eigenes Gesetz sogar, das die Gewalt gegen Minderheiten festschrieb. Einfach entsetzlich.

Aber irgendwann war es mir dann so, als würde doch etwas zu dick aufgetragen. Es waren Meldungen wie die, dass Bundespräsident Gauck diplomatische Verwicklungen riskiert und seinen Besuch bei den Olympischen Spielen in Sotchi aus Sorge um die Schwulen und Lesben absagte.
Die Inkarnation des deutschen Opportunismus wirft sich schützend vor eine Minderheit? Irgendwie war das ein bisschen zuviel, um glaubhaft zu sein. Es wurde mir klar, ich musste da selbst mal gucken gehen. Hinfahren also und einen Sprachkurs machen. Genau das habe ich dann auch getan.

Was soll ich sagen? Das, was ich fand, war so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was in den deutschen Medien berichtet wurde. Überall Lebenslust und Lebensfreude, aufgeklärter Hedonismus, politisches Bewusstsein, tief in der Gesellschaft verwurzelte Solidarität, eine große queere Szene mit einer funktionierenden Infrastruktur. 

Schon nach einem verlängerten Wochenende war mir klar: Ich war angelogen worden.
Es war ganz schlicht und einfach: Ich war von meiner Regierung und meinen Medien hinters Licht geführt worden. Sie hatten mich belogen. Da gibt es gar nichts zu beschönigen. Und ich habe ihnen viel zu lange geglaubt.
Ich hatte gedacht, manches mag vielleicht nicht ganz so stimmen, manches könnte man eventuell auch anders sehen, aber im Großen und Ganzen wäre es schon richtig, schließlich arbeiteten hier gut bezahlte und gut ausgebildete Journalisten.  Allein an die Möglichkeit einer ganz großen Lüge war ich noch nicht reif zu glauben.
Jetzt bin ich es und ich kann auch nicht mehr zurück.
Ganz offensichtlich wird von deutscher, von westlicher Seite eine gezielte Desinformationskampagne gegen Russland und damit auch gegen die eigene Bevölkerung geführt.

Ich musste, das war mir nach meinem ersten Besuch klar, wieder nach Russland, musste mein Engagement intensivieren, musste der Anti-Aufklärung aus Deutschland, Europa und den USA etwas entgegensetzen.

Es war und ist immer noch wie aufwachen. Aus einem Traum aufwachen, den man für wahr gehalten hat, und sich in der Realität wiederfinden, die vielfältiger und reicher ist, als jeder Traum es sein kann. 

Wie ein Schwamm sauge ich inzwischen alles auf, was mit Russland zu tun hat. Ich höre russische Popmusik, schaue russische Filme und Serien, lese russische Nachrichten. Und immer noch überprüfe ich alles, was hier über bei uns über Russland erzählt wird. Es könnte ja sein, dass ich etwas übersehen. Meinen zentralen Vorwurf musste ich bisher nicht korrigieren. Wir werden hier falsch informiert und es steckt Absicht dahinter. 

Es sind lauter kleine Erlebnisse der Überführung der westlichen Propaganda, die meine Faszination und meine Liebe zu Russland aufrecht erhalten. Bei meiner zweiten Reise nach Moskau beispielsweise unterhielt ich mich über den Einfluss der orthodoxen Kirche. Ja, der sei schon gewachsen in den letzten Jahren.
Wie das denn aussähe wollte ich wissen. Es würden einfach immer mehr Leute in die Kirche gehen, bekam ich zur Antwort. Und nein, so was wie eine Kirchensteuer gäbe es nicht. Und Krankenhäuser und Kindergärten würde die Kirche auch nicht betreiben, das sei alles staatlich. Nein, die Kirche sei kein wichtiger Arbeitgeber. Es gäbe sowas wie Armenspeisung, das sei aber eher symbolisch, weil dafür auch der Staat zuständig sei.

Ich habe das überprüft, es stimmt alles. In der Mitte Moskaus beispielsweise steht die Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie ist das Zentrum der russischen Orthodoxie. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut, denn sie wurde unter Stalin abgerissen und durch ein öffentliches Schwimmbad ersetzt. Die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau kamen ausschließlich aus Spenden, staatliche Gelder flossen nicht. Das ist in Deutschland nachweislich anders. Da werden aus Steuermitteln Kirchen saniert. 

So sieht er also aus, der wachsende Einfluss der orthodoxen Kirche: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gehen wieder mehr Menschen in die Kirche. Das ist wirklich angst einflößend und muss hier dringend auf die Nachrichtenagenda gesetzt werden. Dabei ist Russland weit von der Verflechtung von Staat und Kirche entfernt, wie er in Deutschland üblich und meines Erachtens zutiefst übel ist.

Ich habe die Krim besucht. Nach deutschen Medien sollte es dort nach dem Anschluss an Russland ganz schrecklich sein. Sich ausbreitende Armut, Inflation, Unsicherheit, ausbleibende Touristen und unterdrückte Tartaren, so sähe es da jetzt aus. Nur ein paar alte Sowjetspinner würden da hinfahren, in Nostalgie schwelgen und vom wiederaufleben der Sowjetunion träumen. Nichts davon ist auch nur annähernd wahr. Die Hotels gut gebucht, die Strände voll, die Tataren integriert. Sie arbeiten als Taxi- und Busfahrer und betreiben Restaurants und Cafés in touristischen Ausflugszielen wie dem Berg Aj Petri. Systematische Unterdrückung sieht anders aus.

In Zusammenhang mit der Krim wird in den deutschen Medien immer das Wort Annexion gebraucht, möglichst häufig, versteht sich, damit auch der letzte versteht, dass Russland Unrecht begangen hat.
Nur trauert auf der Krim der Ukraine wirklich niemand hinterher, denn allen ist klar, die Alternative zu subtropischem Ferienidyll wäre ein tobender Bürgerkrieg. Auch die Wiederholung des Wortes, macht es in diesem Zusammenhang nicht wahrer. Man muss das Selbstbestimmungsrecht der Völker völlig negieren, um im Zusammenhang mit der Krim den Begriff der Annexion aufrecht erhalten zu können. Die USA halten im Hinblick auf die Krim diese Interpretation des Völkerrechts übrigens für richtig.
Und wer jetzt meint, mit den freundlichen grünen Männern argumentieren zu müssen, deren Anwesenheit Putin doch schließlich doch zugegeben hat, dem sei gesagt, dass er auch da wieder auf einen Propagandatrick reingefallen ist. Die Anwesenheit russischen Militärs wurde nie und zu keinem Zeitpunkt geleugnet, das wäre auch ziemlich unsinnig gewesen, schließlich war Sewastopol auch während der Zeit der Zugehörigkeit der autonomen Republik Krim zur Ukraine ein russischer Stützpunkt. Allerdings wurden die vertraglich zugesicherten Obergrenzen nie ausgeschöpft und der Nachweis, die Anwesenheit von einzelnen und kleinen Gruppen von russischen Soldaten wäre befehligt gewesen, kann eben nicht geführt werden. Der Anschluss der Krim an Russland verlief friedlich und folgte dem bekundeten Interesse der Bewohner der Krim.

Ursprünglicher Kristallisationspunkt meiner Auseinandersetzung mit Russland aber war das Anti-Gay-Propaganda-Gesetz, das hier im Westen für großen Wirbel gesorgt hat und immer noch sorgt.
Das Gesetz ist Mist, das steht außer Frage, allerdings werden seine Folgen für die queere russische Community völlig übertrieben und es wird auch die eigene Geschichte dabei völlig ausgeblendet. Es war Margaret Thatcher, die mit der
Clause 28 im Jahr 1988 eine Verwaltungsvorschrift erlassen hat, die positive Berichterstattung über gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Schulen, Gemeinden, kurz dem öffentlichen Raum untersagte. In Deutschland forderten konservative Politiker ähnliches.
Die Clause 28 ist praktisch die Blaupause zum russischen Gesetz. Sie war übrigens bis 2003 in Kraft. Es ist also noch keine 15 Jahre her, dass beispielsweise den Briten vom Saulus zum Paulus gewendet ganz tungendhaft die Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte der Schwulen und Lesben am Herzen liegen.
Die Clause 28 wie auch Internierungsgedanken des damaligen bayerischen Gesundheitsministers Peter Gauweiler fielen auch nicht einfach vom Himmel, sondern waren eine Reaktion auf die Aids-Krise, die plötzlich in grausamer Weise Homosexualität sichtbar gemacht hat. Es sind einfach viele gestorben. Gleichzeitig war die Clause 28 und die konservative Diskussion hier in Deutschland Auseinandersetzung mit Pop- und Jugendkultur. Denn ebenso plötzlich wie durch Tod die Verbreitung von Homosexualität in der Gesellschaft sichtbar wurden, war in der Pop-Kultur nämlich plötzlich alles schwul, lesbisch, androgyn, trans.
Das hat wenig verwunderlich konservative Reaktionen ausgelöst. Erst die Rap-Bewegung mit ihren tief konservativen Repräsentanten wie Bushido, Moses Pelham und Sabrina Setlur brachten musikalisch das durcheinander gewirbelte Geschlechterverhältnis wieder in spießige Ordnung und die Diskussion war vorbei.

Mein Blog dient daher auch dazu, über die Entwicklungen in der russischen Pop-Kultur zu berichten, denn dort geht es wie bei uns in den 80-ern und beginnenden 90ern wundervoll bunt und queer zu. Das nimmt man hier nur leider nicht zur Kenntnis. 

Eine Argumentation über gesellschaftliche Entwicklungen erklärt aber eine konservative Reaktion der russischen Gesellschaft viel besser und tiefer als das deutsche Geschreibsel von einem homophoben Diktator und schwachsinnige Meldungen, wie die, in Russland dürften Transsexuelle keinen Führerschein besitzen.
Es wäre Aufgabe einer an journalistischen Prämissen orientierten Berichterstattung gewesen, über genau diese gesellschaftlichen Entwicklungen aufzuklären, anstatt Ressentiments zu schüren und Hass zu erzeugen. Dieses Züchten von Hass geht bis in die queere Community hinein und wird dort mit Inbrunst ausgelebt.

Wenn man nach Russland einreist, dann warnt die weit verbreite schwule Dating-App Scruff. An der sogenannten Reisewarnung ist so ziemlich alles falsch. Schwuler Aktivismus ist in Russland natürlich genauso wenig verboten, wie Versammlungen generell illegal sind. screenshot_2016-03-05-21-03-51.png
Die in der Warnung geschürte Angst verhindert Kontakt und Austausch. Perfide.
Man muss es sich eigentlich auf der Zunge zergehen lassen. Eine App aus einem Land, das nachweislich foltert, völkerrechtswidrige Kriege zuhauf führt, Menschenrechte mit Füßen tritt, radikalen Fundamentalismus züchtet und weltweit Chaos verbreitet, eine solche App schwingt sich zum Moralapostel auf und lügt ihren Nutzern die Hucke voll.
Dieser Unwillen zur Aufrichtigkeit und Reflexion ist eine Unverschämtheit. Auf Nachfrage, was das soll, bekommt man einen Textbaustein zurück, der sich für die Nachfrage bedankt. Ansonsten beredtes Schweigen.

Scruff funktioniert in Russland übrigens nicht. Das liegt nicht daran, dass Schwule da alle unterdrückt werden, sondern eher daran, dass sie, wenn sie aus dem Ausland zurückreisen beim Grenzübertritt von Scruff gesagt bekommen, wie scheiße und gefährlich es in ihrem Land ist. So eine Anwendung deinstalliert man, zumal dann, wenn es vorne und hinten nicht stimmt. Den gleichgeschlechtlich liebenden Männern unter meinen Lesern mit Reiseabsichten nach Russland empfehle ich Growlr.

Ich bin kein Freund des Wortes Lügenpresse, weil es politisch instrumentalisiert wird, aber in meiner Auseinandersetzung mit Russland wurde und wird deutlich, wir werden systematisch falsch informiert. Es sind nicht einzelne Ausrutscher oder Akzentuierungen, über die man sich streiten kann. Es sind tatsächlich flächendeckende Fehlinformationen. Es geht gar nicht anders als Absicht zu unterstellen. Es stellt sich freilich die Frage, warum und mit welchem Ziel das alles passiert.

Um dieser Frage nachzugehen, ist das, worüber wir falsch informiert werden zu ergänzen um das, worüber wir überhaupt nicht informiert werden.

Augenfällig ist in Russland, dass überall gearbeitet wird. Überall ist Personal. Viel Personal. Alle arbeiten. In Russland wurden durch die Sanktionen absichtlich eine Wirtschaftskrise herbeigeführt und die Arbeitslosenquote liegt bei 5 Prozent. In der Krise! In den Museen an der Garderobe, viel Personal, in den Sälen viel Personal. In der Metro neben den Automaten besetzte Kassenhäuschen, in den Restaurants, überall viel Personal. In den Zügen hat jeder Waggon einen Zugbegleiter, in den Supermärkten sitzen Kassierinnen an Kassen und warten auf Kunden. Nicht wie bei uns, wo die Kunden schon mal die Waren aufs Band legen und dann auf die Kassiererin warten, die gerade noch ein Regal einräumt, damit auch jede Sekunde Arbeitskraft gewinnbringend ausgenutzt wird. Überall ist in Russland Personal. Alle arbeiten. Viel dieser Arbeiten könnten sofort und ohne viel technischen Aufwand wegrationalisiert werden. Dass es nicht getan wird, ist Absicht.

Und weiter noch: Überall wird gebaut. Kostenintensiv gebaut. Rund um die Uhr, auch an den Wochenenden und Feiertagen. Straßen, Brücken, Häuser, Gleistrassen. Es ist wirklich augenfällig.

Und dann die Armut. Auch das ist augenfällig. Die viel beschriebene russische Armut. Sie fehlt weitgehend. Es gibt sie, aber im Vergleich zu meiner Stadt Berlin ist die öffentlich sichtbare Armut in Moskau verschwindend klein. Und nein, die Bettler werden da nicht von der Polizei abgeführt.

Ich war im Winter dort, bei minus 25 Grad. Das kann man ungeschützt draußen nicht überleben. Ich hätte sie sehen müssen in der Metro, in den Einaufszentren, an den öffentlich zugänglichen Plätzen, an denen es warm ist. Und ich habe ein Auge dafür, denn es sind meine Patienten, die, mit denen ich hier in Berlin arbeite, die Gescheiterten, Schizophrenen, Süchtigen. Es gibt sie auch in Russland, aber in viel geringerer Zahl. Irgendetwas fängt sie auf, bevor sie ganz tief fallen.

Und ich glaube, das, was sie auffängt, ist Arbeit. Ich werde dem weiter nachgehen, bin mir aber jetzt schon ziemlich sicher.
Mit meiner Vorgesetzten hatte ich darüber eine interessante Diskussion. Sie wurde in der DDR geboren. Sie meinte, ich solle mir keine Illusionen machen, alle meine Patienten, so psychiatrisch auffällig sie auch seien, hätten in der DDR gearbeitet. Auf irgendeiner Stelle wie in einem Kassenhäuschen neben einem Automaten vielleicht, nicht hart und schwer. Aber sie hätten alle gearbeitet und teilgenommen.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen wie absurd unser System ist. Wir haben einen ausschließlich auf Leistung verkürzten Arbeitsbegriff, dem die soziale Komponente von Arbeit geraubt wurde und sortieren darüber Menschen aus der Gesellschaft aus, die wir dann in sozialpsychiatrischen Einrichtungen unterbringen, die gesellschaftliche Zugehörigkeit über arbeitsähnliche Maßnahmen faken. Zu wessen Nutzen ist das? Es nutzt denen, die aus Arbeit Gewinn erzielen. Es ist Umverteilung von unten nach oben durch Ausgrenzungen und Entsolidarisierung. 

Merkels brandgefährlicher Ausdruck von der marktkonformen Demokratie jedenfalls wäre Putin niemals über die Lippen gekommen. Nicht, weil er kein Demokrat wäre, sondern weil die Marktkonformität die Aufgabe von Demokratie bedeutet. Man hat bei uns einfach noch gar nicht begriffen, was diese Frau da tatsächlich gesagt hat. Es ist nichts weniger als die Preisgabe des Politischen und Unterordnung aller Interessen unter die Metaphysik des Marktes. Da kann man eigentlich auch Diktatur dazu sagen. Und in dieser Hinsicht sind wir auf einem guten Weg.

Mir scheint, die Koordinaten haben sich einfach verschoben. Während es früher zwischen Ost und West zugespitzt um die Frage Karl Marx oder Adam Smith gehandelt haben mag, handelt es sich heute ganz unzugespitzt um die Frage Keynes oder Hayek. Das ist meines Erachtens der eigentliche Motor hinter dem andauernden Russland-Bashing. Es geht um die Verteilungsfrage. Russland präferiert offensichtlich ein Wirtschaftssystem, das den Menschen zum Mittelpunkt macht. Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen. Bei uns ist es umgedreht. Es ist der Verdienst Putins, den Sozialstaat nach Jelzin wieder hergestellt und den Einfluss der Oligarchen zurückgedrängt zu haben. Es ist weiterhin sein Verdient, eine Balance zwischen privater und staatlicher Wirtschaft hergestellt zu haben. Es ist sein Verdienst, das Primat der Politik über den Markt wiedererlangt zu haben. Unsere Politik betreibt das Gegenteil. Sie befördert die Aufgabe des Politischen und übergibt Macht an das Kapital.
Dabei ist das russische Modell im Gegensatz zum europäischen Neoliberalismus und der Austeritätspolitik erfolgreich. Europa desintegriert und verarmt. Demgegenüber ist die russische Staatsschuldenquote eine der niedrigsten der Welt und in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs gelang es Russland einen Staatsfund zu schaffen, aus dem es jetzt zehrt und mit dessen Mitteln es die Wirtschaft ankurbelt. Das ist Keynes, der Starke, regulierende Staat. 

Und gerade als Europäer sollte man sich keinen Illusionen hingeben: Ein Lebensstandard wie der in Russland wäre für die Menschen in den europäischen Krisenländern eine Verbesserung. Eine deutliche Verbesserung! Was aber Europa von Keynes und einer auf  den Menschen ausgerichteten Wirtschaftspolitik hält, das hat Schäuble mit EU, EZB und IWF im Bunde an Varoufakis und Griechenland vorgeführt.
Russland ist mit seiner Wirtschaftsordnung nicht die Überwindung des Kapitalismus, aber es zeigt seine alternative Form. Doch genau davon schweigt der deutsche Mainstream nicht ganz zufällig. 
Das alles kommt nicht in den Nachrichten. Es ist aber wichtig, genau darüber zu berichten. Ein lauterer Journalismus würde das tun.

Wer meint, es ginge in der Auseinandersetzung mit Russland um Menschenrechte, um die Freiheiten von Schwulen und Lesben, der versteht von Geopolitik reichlich wenig. Wer sich hier in eine schwule Bar stellt und es gut findet, dass die den russischen Wodka boykottiert, er sich daher mit finnischem besäuft, beweist tiefe politische Unbildung. Wer dem Mainstream glaubt, und denkt,  Russland hätte die Absetzung von Merkel im Sinn, ebenfalls.
Es geht um Verteilungsfragen und es geht nach wie vor um die Konkurrenz von Wirtschaftssystemen. Wir lassen uns gegeneinander ausspielen. 

Die Desinformationskampagnen hierzulande sind äußerst massiv. Ich bin seit zwei Jahren sehr regelmäßig in Russland. Und wenn ich zurück bin, vermisse ich Moskau schon nach wenigen Tagen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich, wenn ich hier von Russland erzähle, ich großes Misstrauen ernte.
In der Regel bekomme ich dann von Menschen, die noch nie in Russland waren und die auch die Sprache nicht sprechen, die auch nie da hin fahren würden, weil es nach allem was man hört da ja schrecklich sein soll, von solchen Menschen bekomme ich dann erklärt, wie es in Russland wirklich zugeht: Unterdrückung der Presse, der Schwulen, Morde an angeblichen Oppositionellen und so weiter und so fort. Da haben die Spin-Doktoren und Think-Tanks wirklich gute Arbeit geleistet. Die Absurdität fällt meinen Gesprächspartnern in der Regel nicht auf. Sie sind sich absolut sicher.

Im Gegenteil. Die Propaganda hier ist so massiv, dass ich Freundschaften verliere. Wegen meiner russlandfreundlichen Position wenden sich Menschen ab. Es wurde absichtlich eine Pogromstimmung gezüchtet, die jede Form anderer Meinung diskriminiert. Wir können gar nicht mehr miteinander sprechen. Wir können uns nur wechselseitig unserer Konformität versichern. Falls das nicht möglich ist, folgt unmittelbar der Kontaktabbruch.
Gegenüber Russland werden medial primitivste Rassismen vorgetragen, die man sich sonst verbietet. Es ist kein Argument zu blöd, um nicht noch gegen Russland ins Feld geführt zu werden. Vor allem die Mittelschicht in der Bundesrepublik ist derart aufgehetzt, dass sie nicht einmal mehr in der Lage ist, eine andere Meinung einfach nur  hören und stehen lassen zu können. Dabei vertritt weder die Bundesregierung noch die Europäische Kommission, die NATO oder die USA irgendwelche Interessen, die auch nur annähernd deckungsgleich wären mit den Interessen der deutschen Mittelschicht. Diese in Deutschland herrschende politische Blindheit empfinde ich als einfach nur furchtbar und deprimierend.

Und dann ist da noch etwas, über das die deutschen Medien nicht berichten. Sie berichten nicht über die unglaubliche Wertschätzung, die Russland und Russen gerade Deutschland entgegen bringen. Das dem so ist, kann man sich hier vermutlich auch gar nicht vorstellen, denn hier wird ja permanent auf Russland eingedroschen. Warum sollten die uns wertschätzen?

Während bei uns das Bild vom primitiven Russen in seiner ganzen rassistischen Varianz medial gepflegt wird, glaubt man in Russland an eine Gemeinschaft mit der deutschen Kultur, die die Jahrhunderte und alle Verwerfungen überdauert.
Dass der zentrale Platz Berlins durch die Jahrhunderte und durch die Systeme nach einem russischen Zaren benannt ist, der eine Freundschaft mit Preußen pflegte, ist jedem meiner Besucher aus Russland untrügliches Zeichen dafür, dass es so ist. Dass die meisten Deutschen nicht wissen, warum der
Alexanderplatz Alexanderplatz heißt, wollen meine Freunde dann kaum glauben.

Dabei ist an der Hoffnung meiner russischen Freunde sogar was dran. Angela Merkel und ihre Regierung wird als relativ machtlos und eingeschränkt wahrgenommen. Eingeklemmt zwischen den USA und  Konzerninteressen kann diese Regierung nach Auffassung meiner russischen Freunde ohnehin kaum etwas wirklich selbst entscheiden. Vermutlich haben sie recht.
Aber so eröffnen sich auch positive Visionen von Zukunft. Denn wenn man die transatlantische Einklemmung und die erdrückende Umarmung der Lobby abschütteln könnte, dann tun sich Möglichkeiten auf.
Nach wenigen Überlegungen schon ist klar, dass Deutschland als wichtiger Anker in Europa im Zusammengang mit Russland in der Lage wäre einen ewig währenden Frieden zu stiften. Eine Wirtschaftsunion von Lissabon bis Wladiwostok, daran angeschlossen und verbunden die BRICS. Ein riesiges Geflecht von Handel und kulturellem Austausch. Es wäre ein großer Schritt zu dem, was Immanuel Kant in seiner Schrift “Zum ewigen Frieden” beschrieben hat. Es ist genau dieses Angebot, das wir von Russland beständig gemacht bekommen, das hier nie thematisiert wird und das unsere Eliten ohne uns zu fragen mit Vehemenz zurückweisen. Sie hetzen uns lieber gegeneinander auf.
Es ist an uns, Mittel und Wege zu finden, das zu durchbrechen. Das, was die Bundesregierung mit TTIP und ihren Kriegen gegen den Terror, mit Überwachung und Einschränkung von Freiheiten plant, ist nicht in unserem Interesse. Das was Russland mit BRICS und den alternativen Institutionen zu Weltbank und IWF tut, mit Russlands an Frieden ausgerichteten Politik, sowie der Absicht, der UNO und dem Sicherheitsrat nach seiner Beschädigung durch westliche Politik wieder Leben einzuhauchen, das ist sehr wohl in unserem Interesse. Wir müssen das wenigstens zur Kenntnis nehmen und diskutieren, bevor wir es eventuell zurückweisen. Dann wüssten wir wenigstens, was wir aufgeben, warum und zu welchem Preis wir es aufgeben.
Mit meinem Blog trage ich dazu bei, die Desinformationskampagnen des Mainstreams zu durchbrechen. Aus freien Stücken, nicht als bezahlter Troll, sondern weil ich Aufklärer bin. 

109 Gedanken zu „Desinformationskampagnen

  1. ursulaortmann

    Mir erging es ähnlich wie dem Autor. Die Berichte, dass das hinterwäldlerische Russland die Olympischen Spiele und andere Grossereignisse ausrichten wollten, verbesserten das Bild nicht, dass uns vorgesetzt wurde. Für mich entstand ein Umdenken durch die Ereignisse auf dem Maidan – vor allem ein Radiobericht, in dem Reporter berichteten, dass die Maidandemonstranten für ihre Demo 20 Dollar erhielten. Zu der Zeit waren sich die Medien noch nicht so einig, russlandfeindlich zu berichten. Und bei meinen Recherchen zu Daten, die man astrologisch verwenden konnte, stiess ich auf widersprüchliche Berichte. Wie der Autor schreibt: „Es ist kein Argument zu blöd, um nicht noch gegen Russland ins Feld geführt zu werden.“

    Antwort
  2. Jobst

    Vielen Dank für diesen Artikel. Ich konnte Russland bedingt durch meine Heirat mit einer Russin im letzten Jahrzehnt vielfach und auch in seiner Vielfalt kennen und lieben lernen. Ihre Zeilen geben auch meinen Eindruck von diesem großen und schönen Land und seinen Menschen wieder.
    Leider ist die Propaganda nicht nur auf deutsche Medien beschränkt, sondern auch die russischen Medien werden davon durchzogen. Beispielsweise wurde zu Ostern in den russischen Hauptmedien das Selfie des „angeblichen Terroristen“ mit Angela M. als Nachricht gebracht. Auch in anderen Medien wird das Deutschlandbild heute teilweise verzerrt wiedergegeben. Wer hier das Huhn und wer das Ei ist, lässt sich nur schwer feststellen. Es führt jedoch zu einem verzerrten Bild auf beiden Seiten. Dies betrachte ich traurig und sorgenvoll.
    Nur gegenseitige Begegnungen können dies wieder „heilen“. Auf ein Umdenken in den Medien dürfen wir nicht vertrauen.

    Antwort
  3. stativus

    Ein starker Text! Danke für diese wertvolle Arbeit. Nach dem Lesen kommt es mir vor, als fühlte ich mich seelisch eher der russischen Welt zugehörig als der westlichen – und das obwohl ich noch nie in Russland war allerdings seit etwa der Jahrtausendwende eine zunehmende Wohlstandsmüdigkeit und Sinnleere sowie eine wachsende Distanz zu politischen, sozio-kulturellen und ökonomischen Entwicklungen des angloamerikanisch dominierten Westens empfinde. Das wirkt mittlerweile alles so schrecklich farblos, künstlich und visionslos, dass es einem wie ein bleierner Mantel auf den Schultern und dem Gemüt liegt, weil man jeden Morgen denkt: was passieren heute wieder für Schweinereien? Welche Sau wird heute wieder durchs Dorf getrieben und wie muß ich darauf reagieren, um mein Leben zu schützen?

    Wie soll ich es beschreiben? Die Ruhe ist einfach weg! Ich empfinde nicht mehr das Glück und die Unbeschwertheit, die ich noch früher, in den 80ern und der ersten Hälfte der 90er empfand und sehe auch eine zunehmende Lethargie, ein Desinteresse und eine Entsolidarisierung der Menschen mit Sorge. Will ich wirklich inmitten solcher Menschen meine Kraft lassen und alt werden? Zahlreiche Bekanntschaften und Freunde sind mir infolge dieser Propaganda und meiner Einwände dagegen schon still und leise weggebrochen. Ich weiß jetzt, wie oberflächlich, wie borniert und unzuverlässig viele Menschen in Deutschland geworden sind. Eine große Enttäuschung…

    Wie auch immer: Ich habe es mir fest vorgenommen hinzufahren. Ich bin noch nicht so alt und vielleicht wird es auch eine Art zweite Heimat und Liebe für mich. Man soll niemals nie sagen. Und die russischen Frauen sind ja auch sehr nett (wovon ich mich während meines Studiums schon überzeugen konnte).^^

    Antwort
  4. Der Souverän

    Aktuell dazu:

    Kreml warnt vor bestellter Medienattacke auf Putin

    „Eine nächste Informationsattacke, die Objektivität beansprucht, ist für die nächsten Tage geplant“, sagte Peskow. „Wir haben äußerst salbungsvolle, in einer Verhör-Manier verfasste Anfragen von einer Organisation bekommen, die sich ‚internationales Konsortium für investigativen Journalismus‘ nennt“.
    Das Ziel bestehe nicht in objektiven Recherchen, sondern darin, eine „Informationsattacke zu fabrizieren und auf die informelle Tagesordnung zu setzen“.

    Die Publikationen seien für die nächsten Tage in Deutschland, in den USA, Großbritannien, Frankreich, in der Schweiz sowie in Russland vorbereitet. Peskow äußerte die Vermutung, dass diesem Konsortium nicht nur Journalisten, sondern auch Vertreter von Spezialdiensten und anderen Organisationen angehören könnten.
    sputniknews.com/panorama/20160328/308763185/kreml-medien-attacke-putin(Punkt)html

    Wirklich auch sehr interessant ist der direkte mediale Vergleich Putin versus Obama.

    Tendenziöse Attributierung in deutschen Printmedien:
    Putin vs. Obama – eine linguistische Analyse
    Bachelor-Arbeit vorgelegt von Mirjam Zwingli

    Hochschule für angewandte Sprachen
    Fachhochschule des Sprachen & Dolmetscher Instituts München

    Externenprüfung

    medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2009/07/2014-Zwingli_BA_Putin-Obama(Punkt)pdf

    Antwort
  5. Enrico Heinrich

    Gut. Gut. Wie ist es denn mit einigen Reisetipps. So für den Anfang. Und eher für die Peripherie. Land oder so ähnlich. Mir graut es vor Städten.

    Antwort
  6. NoVDS

    über die nachdenkseiten bin ich auf den obigen Blogbeitrag gestossen und möchte dir meinen Dank für diesen Eintrag aussprechen!
    Insbesondere als Admin dieses Clubs https://www.planetromeo.com/novds habe ich gerne auf deinen Beitrag verlinkt und hoffe auf weite Verbreitung – insbesondere in der Gay Community.
    PS.: mit dem Anbieter der Platform habe ich nichts zu tun, ich bin lediglich Ersteller des oben genannten Platform-internen Clubs, welche sich gegen die Vorratsdatenspeicherung aller Verbindungsdaten (der telekommunikation) in Deutschland wendet.

    Antwort
  7. Pingback: Desinformationskampagnen – Ein Erlebnisbericht | Jochens Sozialpolitische Nachrichten

  8. Rebhahn

    Ich bin in der DDR aufgewachsen, wahrscheinlich sind die Eindrücke des Autors deshalb für mich keine Überraschung, ich habe das schon immer so gesehen, obwohl ich mich die letzten 25Jahre auch oft gefragt habe (ob der Medienberichte) ob ich falsch liegen könnte. Die Wertschätzung Deutschland (und den Deutschen ) gegenüber kann man fast als Liebe bezeichnen, die Russen haben an uns einen Narren gefressen (eigentlich schwer zu erklären nach den Geschehnissen in der Vergangenheit). Es gibt in der russischen Bevölkerung einen großen Zusammenhalt und Solidarität untereinander(abseits von der Politik) den es in der DDR auch gab (nicht so stark, aber ähnlich), aber hier nimmt er leider immer mehr ab und beschränkt sich immer mehr nur auf engste Freunde und die Älteren.

    @stativus es ist, glaube ich, nicht so sehr Wohlstandsmüdigkeit als vielmehr die Erkenntnis das man den größten Teil unserer „Erungenschaften“(zu denen man vielfach gezwungen wird) nicht braucht und die Zeit zum Erwerb derselben lieber mit der Familie und Freunden verbracht hätte(insofern stimmt Sinnleere wohl eher) und die Ruhe und Gelassenheit von früher fehlt mir auch.

    Leider ist man wirklich schnell allein, wenn man nur einen russlandfreundlichen Standpunkt andeutet, aber was soll´s, die Diskussion wird dann meist abgebrochen mit dem Satz „wir wollten doch Heute einen schönen Abend verbringen und nicht über Politik reden“(ich hätte da schon noch ein paar gute Argumente gehabt).
    Ich denke aber das es Hoffnung gibt; den deutschen Medien wird immer weniger Glauben geschenkt, informieren kann man sich im Internet, auch wenn man da gut aussortieren muß.
    Übrigens hat meine Großmutter, die vor 2Jahren 97jährig gestorben ist und der beste Mensch war den ich kenne, nie den Nachrichten geglaubt, sie fand die Russen ganz in Ordnung und hat Merkel von Anfang an als „Sauleder“ bezeichnet.

    Antwort
    1. Kassandra

      Ich sehe das auch so. Obwohl ich nie in der SU / Russ. Föderation war, bestätigt der Bericht mein Russlandbild.
      „Russland präferiert offensichtlich ein Wirtschaftssystem, das den Menschen zum Mittelpunkt macht. Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen. Bei uns ist es umgedreht. “
      Nach der Wende wurde uns das Bild einer „maroden DDR“ eingehämmert. Es wurde gesagt, die Arbeiter hätten aus Materialmangel oft nicht arbeiten können. Lag das nicht an den Handelsbeschränkungen , die uns der Westen aufgezwungen hatte?
      Ich kannte einen jungen Mann, der schwer debil (fast imbezill) war. Er besuchte eine staatliche Sonderschule, lernte lesen, schreiben , rechnen und bekam eine Anlernstelle in einem großen Betrieb. Dort führte er Hilfsarbeiten aus. Das Arbeitskollektiv nahm ihn freundlich auf und „bemutterte“ ihn. Zu allen Brigadeveranstaltungen wurde er mitgenommen. Er verdiente Geld und hatte das Gefühl gebraucht zu werden. Das gab ihm Würde. Dort hätte er bis zur Rente bleiben können. Denn die Vollbeschäftigung war ein humanistisches Programm. Nach der Wende wurde dieser „unnütze“ Mensch sofort entlassen und kam in ein Heim. Was ist menschlicher?

      Antwort
  9. Pingback: Aktuelles | wiebkeswerkstatt

  10. ralf sommer (@ralfkroke)

    Danke für diese ausführliche Einschätzung und diesem Erfahrungsbericht.
    Ich bin gespannt wie ein Lügner denjenigen der die Lügen entlarvt hat als Lügner hinstellen will. Ich denke damit reiten sich diese lächerlichen aber hochbezahlten Schreiberlinge noch mehr in den Schlamassel. Allein die Themenauswahl in den hiesigen GEZ Nachrichten ist
    Oberflächlichkeit pur. Das Schlimmste daran ist, dass viele Menschen für die rund 7 Mrd. € Zwangsgebüren Millionen Stunden arbeiten um diese Soße vorgesetzt zu bekommen oder die Taschen von alt bekannten Oberlügnern jährlich um viele 100.000 – Millionen € zu füllen.
    Dabei steht in diesem Rundfunkstaatsvertrag, dass die europäische Integration unterstützt und gefördert werden soll. Das heißt Nato EU Euro soll in der Berichterstattung positiv dargestellt und
    mit positiven politischen Aussagen bedacht werden. Das ist nicht gemeinnützig. Was gemeinnützig ist steht in der Abgabenordnung. Weiterhin handelt es sich um einen öffentlich rechtlichen Vertrag. Das Verwaltungsverfahrensgesetz bestimmt in § 58 (1) eindeutig dass: Ein öffentlich-rechtlicher Vertrag, der in Rechte eines Dritten eingreift, wird erst wirksam, wenn der Dritte schriftlich zustimmt.
    Nebenbei enthält der sogenannten Staatsvertrag einen Kündigungs- §. Es wird aber stets gelogen es sei ein Gesetz bzw. geltendes Recht oder gesetzliche Grundlage. Mit Kündigungsklausel ??? Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen „geltendem“ und „gültigem“ ?

    Antwort
  11. Marius Stolz

    Hallo!

    Es hat mich sehr gefreut diesen Artikel zu lesen. Ich bin genau so vorgegangen. 2014 Kaliningrad, 2015 Moskau. Dieses Jahr ist Krim dran.Und,ich konnte meine Kollegen überzeugen! Ich werde Ihren Blog weiter verfolgen!
    Mit freundlichen Grüßen Stolz

    Antwort
  12. olscha

    Dieser Artikel deckt sich mit den Erfahrungen, die ich in Russland gemacht habe. Ich erinnere mich noch an mein Staunen, als ich als einer von zwei Deutschen in einer internationalen Reisegruppe in St. Petersburg die russische Stadtführerin -sinngemäß- sagen hörte: die Nazis haben Leid und Zerstörung gebracht, aber die Deutschen sind unsere Freunde und freuen sich wie wir darüber, dass wir die Nazis besiegt haben.
    Eine solche Differenzierung habe ich sonst noch nirgendwo gehört – und niemand wusste, dass wir Deutsche waren.

    Antwort
  13. Walter Tauber

    Das nenne ich guten Journalismus: Sprache gelernt, gut recherchiert, schön geschrieben! Warum missachten aber so viele meiner Kollegen (ich bin Journalist) systematisch die grundsätzlichen Regeln des Handwerks? Wenn sie nicht lügen (den Begriff „Lügenpresse“ möchte ich auch nicht benutzen) dann müssen sie unglaublich naiv sein. Oder sie sind als „Transatlantiker“ ideologisch so verbohrt, dass sie gar nicht mehr sehen können, was nicht in ihr Schema passt.

    Antwort
    1. chaukeedaar

      Da frag ich mich dann, ob verlogen, naiv oder ideologisch verbohrt die schlimmere Ursache ist😉
      Ich freue mich, gibt es noch ein paar Journalisten, wie es sie früher gab – ich stelle mir vor, dass diese Arbeit heute ausserhalb der Systemmedien nicht immer einfach ist.

      Antwort
    2. Hella-Maria Schier

      an Walter Tauber: können Sie Ihre Journalisten-Kollegen nicht einfach mal fragen, warum sie sich so verhalten? Mir ist es auch völlig unbegreiflich. Und es ist eine Unverschämtheit und Rücksichtslosigkeit von den Medien, uns in kriegerische Spannungen mit einer Atommacht zu hetzen! ist den Kollegen gar nicht bewusst, dass sie damit sich selbst und die Zukunft ihrer Kinder gefährden?? Die können doch nicht alle einen so niedrigen IQ und ein solches Unwissen haben! Was sind das für Geschöpfe?

      Antwort
  14. Henry

    Wie konntest Du so schnell mit einem Sprachkurs so gut russisch lernen, dass Du Filme und Serien schauen kannst? Bei mir funktioniert das nicht mal in der Sprache, die ich neben Deutsch als Kind bereits lernte.

    Antwort
  15. Knopperz (@Knopperz)

    Naja, im Nahen Osten ist bis auf den Iran alles plattgebombt… Yemen wird gerade von Saudi Arabien plattgemacht… gegen wen will Amerika noch Krieg führen? Und die Amerikanische Wirtschaft braucht Krieg um zu überleben… da ist es nur Logisch, das sie jetzt den Russischen Bär pisaken, bis der Russe irgendwann ein Fehler macht. Dann hat man endlich einen Grund um Russland anzugreifen. Zu dieser Taktik gehört natürlich auch, das man den Gegner schon im Vorfeld dämonisiert… man schafft einen neuen „Hitler“, damit das Volk diesen Krieg mitträgt. Wie dumm und uniformiert das „Volk“ ist, sieht man ja sehr schön in dem Video von Marc Dice –> https://www.youtube.com/watch?v=CNr5czZKEdk

    Antwort
    1. H. Radke

      Dank für den Link zum Video!
      Wieder ein schönes Beispiel wohin es auch mit den Deutschen gehen soll…..

      Antwort
  16. André

    Zum Glück haben sie ein funktionierende Regierung mit einem sehr guten Präsidenten.
    Die es verstehen Schach zu spielen!🙂

    Antwort
  17. Christian Schwalb

    Das ist der beste Bericht den ich je über Russland gelesen habe! Ich ziehe ehrfurchtsvoll meinen Hut und bedanke mich für diesen so extrem aufklärerischen Text! Vielen Dank dafür.

    Antwort
  18. Petra

    Vielen, vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht!

    Seltsamerweise hatte ich schon als Kind eine tiefe Neigung hin zu Russland, obwohl es dafür keinerlei objektiven Anlass gab (ich bin im Westen aufgewachsen) und ich mir dies bis heute rational nur schwer erklären kann.

    Ich glaube, es liegt einfach an den Menschen, die noch mit beiden Beinen auf der Erde stehen und in ihrem Herzen mit dem Wesentlichen verbunden sind, das Körper, Geist und Seele nährt.

    Als ich folgendes Video zum ersten Mal sah, musste ich weinen, weil es mich tief berührt hat. Und ich schaue es mir immer wieder an, wenn mich meine Sehnsucht nach Frieden und einem werten Leben auf Erden mal wieder an der Realität verzweifeln lässt.

    Falls ein Link nicht erlaubt sein sollte, bitte unter YouTube nach

    „Eine Ansprache an das deutsche Volk. Der Traum einer Deutsch-Russischen Union. Von Philipp Ekosjanz“

    suchen.

    Antwort
    1. Ivan Pomidorov

      Beim nächsten Russland-Besuch empfehle ich den ärztliche Notdienst in Russland mit dem in Deutschland zu vergleichen. Spricht viel über Humanität.

      Antwort
  19. Roland K.

    Vielen Dank für den Bericht.
    Mein Schlüsselerlebnis bezüglich deutscher „Berichterstattung“ war ein ähnliches, nämlich der Abschuss des malaysischen Flugzeugs in der Ukraine. Da las und sah ich in „unseren“ Medien, man könne dort wegen des Krieges nicht hin usw.- aber Putin wars! Gleichzeitig konnte ich aber,weil im Ausland, von den dortigen russischen Sendern stundenlange „Liveübertragungen“ sehen – ein Team der BBC war auch dort. Da wurde selbst mir als vergleichsweise unpolitischem Menschen klar, wie unglaublich penetrant wir belogen werden. Einmal darauf aufmerksam geworden, fällt einem sofort auf, wie sich das bei praktisch ALLEN wichtigen Berichten konstant durchzieht. Auffallend empfinde ich, daß die Lügen immer primitiver und unlogischer werden; offensichtlich ist das „System“ in Bedrängnis geraten.
    Gut so !

    Antwort
  20. Martin

    Auch was aus Russland an Filmen kommt, liegt intellektuell und in Bezug auf die Filmkunst an sich weit über dem Schrott, den man von Übersee aus an armeerikanischer Weltrettungspropaganda in den Lichtspielhäusern für Gehinramputierte serviert bekommt.

    Antwort
  21. zombee

    Vielen Dank für diesen Kommentar. Vielleicht haben Sie ja schon davon gehört:
    Dr. Rainer Rothfuß und Owe Schattauer organisieren für August 2016 eine Friedensfahrt von Berlin nach Moskau. Link: http://www.free21.org/friedensfahrt-berlin-moskau-august-2016/
    Ich glaube, Sie wären da für die Völkerverständigung vor Ort von unschätzbarem Wert. Denn nur so geht es: Von Volk zu Volk ohne digitale Verzerrung dazwischen.

    Antwort
  22. Krysztof

    Danke für den in diesen Zeiten wichtigen Beitrag. Der von Ihnen gesehene Kampf „Keynes versus Hayek“ geht aber m.E. an der Sache vorbei. Dass wir in EUSA den Hayekschen Neoliberalismus haben, liegt wohl auch daran, dass die Keynesianische Wirtschaftspolitik in einer Wirtschaft, in der es keine Nachfrage (im Sinne zu befriedigender realer Bedürfnisse) mehr gibt, nicht mehr funktioniert und deshalb den Friedmannschen Versprechungen Glauben geschenkt wurde. In Russland war es genau anders herum: die von Friedmann empfohlene „Schocktherapie“ hat direkt in den ökonomischen Untergang unter Jelzin geführt. Tiefere Ursache der westlichen Aggression ist m.E., dass das Wirtschaftssystem in der „ersten Welt“ nur noch durch verschärfte Ausbeutung der Peripherie aufrecht erhalten werden kann, und da müssen potentielle Konkurrenten ausgeschaltet werden (erst ist Russland dran, dann China).

    Aber das sind Kleinigkeiten, und die Frage bleibt, wie dem konzertierten Aufbau eines Feindbilds entgegengewirkt werden kann. Vielleicht hilft auch Satire:

    Antwort
  23. Ronald Fedtke

    Ist ja herzerweichend, dieser Beitrag – vom putinkritischen Saulus zum russlandliebenden Paulus…

    Aber um nicht bloß bereits Gläubige zu bekehren, sollten Sie nicht allzu dick auftragen. „Ein Lebensstandard wie der in Russland wäre für die Menschen in den europäischen Krisenländern eine Verbesserung. Eine deutliche Verbesserung!“ Erinnert ein wenig an die Berichte im DDR-Fernsehen über das schwere Los der Arbeiter im kapitalistischen Westen.

    Ich kenne Russland auch ganz gut, seit 1992 inzwischen, und lese ebenfalls regelmäßig russische Nachrichten. Um die gegenwärtige „Lebenslust und Lebensfreude“ in dem Land einschätzen zu können, reicht eigentlich ein Blick auf die Website von „Glavplakat“, beispielsweise: http://glavplakat.ru/article/193
    Glavplakat hängt u.a. an den Hauptstraße riesige (und sehr teure) hochprofessionell gemachte Transparente auf, die schlicht Hetze darstellen. Erstaunlich, dass die Behörden das zulassen… So werden auf den Plakaten Oppositionelle mit den Aliens aus Ridley Scotts gleichnamigen Film gleichgesetzt (Untertitel der Serie: „Die Fremden unter uns“), und wer den Film gesehen hat, weiß was man mit diesen Aliens tun muss. Ein Zufall, dass Nemzow eben dieses Schicksal widerfahren ist?

    Antwort
    1. Gert Ewen Ungar Autor

      Man kann es einfach nicht so unkommentiert stehen lassen. In Griechenland beispielsweise ist das Gesundheitssystem zusammengebrochen. Es gibt eine exorbitant hohe Rate von Obdachlosigkeit, die sichtbar ist, wenn sie durch Athen laufen. Ähnlich sieht es in Portugal und Spanien aus. Für Menschen in diesen Ländern ist der russische Lebensstandard mit seinem kostenlosen Zugang zu medizinischer Versorgung und seinem Recht auf Wohnung selbstverständlich eine deutliche Verbesserung.
      Eine wichtige und interessante Plakataktion haben Sie vergessen zu erwähnen. Gegenüber der Botschaft der USA wurde ein großformatiges Plakat entrollt, auf dem Obama zu sehen ist. Darunter steht „Killer“. Das Plakat hing da wochenlang. Eine derartige politische Aktion wäre in Deutschland bei aller angeblichen Freiheit undenkbar.

      Antwort
  24. Pingback: Eine unversperrte Sicht auf Russland | Peds Ansichten

  25. Mras, R.

    Es gibt in Russland wie in Deutschland lebende Russen, die sich für Deutschland, Deutsche und ein Zusammengehen für den Frieden der Völker engagieren sowie sich für mehr Offenheit/Toleranz und Wahrheit einsetzen, ob durch eigenes Tun im Schachclub, als Helfer beim Basketball oder als Elternvertreter, um sich zu integrieren. Rätselhaft, weshalb man 2016 Jahre nach Beginn der modernen Zeitrechnung noch immer Feindbilder braucht – sind Himmel und Hölle nicht genug?
    Beste Grüße an alle Menschen mit Rückgrat.
    R. Mras – http://www.ADwordmarketing.net

    Antwort
    1. Hella-Maria Schier

      „Ohne Feind hat der Tag keine Struktur“ heißt es ja. „Ich weiß zwar nicht wirklich, wer ich bin, aber ich weiß gegen wen ich bin“ das vereinfacht die Dinge, eigentlich die Phase der Pubertät.
      Generell ist der Feind eher oben zu suchen, da Macht immer noch mehr Macht will und dazu braucht man ja nun mal Untergebene, die einem das Gefühl vermitteln, was für ein toller Zampano man doch ist. leider geben sich viele gern für diese Rolle her, weil sie hoffen dann selbst auch mal diese hohen Weihen zu erfahren. Es ist mir ein Rätsel, wie einem das soviel bedeuten kann, genau wie ich auch nicht kapiere, warum Politiker um Teufel komm raus an ihrem Sitz kleben, auch wenn sie da nichts Sinnvolles bewirken können und lieber den Weltuntergang riskieren, als den Mittelfinger zu zeigen und zu gehen. Woher kommt dieses infantile Bedürfnis nach Mega-Beachtung und Ruhm? Und nach Macht um der Macht willen.Es ist mir unbegreiflich und eigentlich ein Fall für die Psychiater.
      Aber die finden ihre triviale Karriere leider auch auch interessanter als ein so spannendes Forschungsfeld. Leicht entwickelt man eine deutliche Verachtung gegenüber homo sapiens an sich, die Versuchung ist schon groß..
      Der äußere Feind wird nötig, wenn die Mächtigen, die einem wirklich schaden, die einen benutzen, nicht als Feinde wahrgenommen werden, weil sie ein angeblich nachahmenswertes Lebensmodell verkörpern, eine Vision dessen, wo man auch mal hin möchte. Eine Identifikationsfigur feindet man nicht an.
      Diese Einstellung wäre es, wovon man sich zuerst trennen müsste. Zu großer Reichtum ist nie erarbeitet, so viel arbeiten kann kein Mensch. Er ist ererbt und gestohlen. Daher sind Riesenvermögen schlicht asozial, zumal sie unweigerlich mit Macht verbunden sind, und wer glaubt, dass er zu seinem Glück darauf einen Anspruch hätte, ist suchtkrank und gehört genauso in Behandlung wie ein Pädophiler.

      Antwort
  26. Christine Full

    Ein wunderbarer Text, der in vielen Punkten mein eigenes Erleben wiederspiegelt.
    Ich fahre trotz meiner geringen (aber stetig steigenden) Russischkenntnisse immer alleine nach Russland, denn so lernt man nach meiner Meinung am Besten Menschen kennen. Dieses Jahr fahre ich auf die Krim, gerade wegen der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.
    Zum Abbruch von Freundschaften ist es bei mir zum Glück noch nicht gekommen, da ich immer gerne meine eigene – oft einsame – Meinung vertreten habe. Aber die Kollegen beäugen mich schon etwas merkwürdig seitdem ich eine russische Flagge am Computerbildschirm im Büro gehisst habe. Es wird auch nicht positiv gesehen, dass ich wieder Russisch lerne.

    Antwort
  27. Pingback: ESC, Geopolitik und Russenhass: Ein Schwuler zu Russland, Gay Community und Propaganda | Blauer Bote Magazin

  28. Bernhard

    Hier geht es tatsächlich um die Systemfrage. Darum ging es übrigens immer. An dieser Frage entzünden sich die Kriege dieser Welt. Es geht schlicht um die Frage, welche Spielregeln Anwendung finden. Weite Teile ihres Berichts lesen sich wie eine Glorifizierung eines Versorgungsstaats, der eben das Gegenteils eines Gesellschaftswesens ist, wo sich im freien Spiel der Kräfte ständige Anpassungen und Strukturveränderungen ergeben. Die Idee des Versorgungsstaats ist dem Sozialismus und dem Nationalismus eigen. Im Nationalismus kristallisiert sie in streng gezogenen Grenzen aus, während sie im Internationalismus des Kommunismus stets Utopie blieb und nie reales Fundament bekam. Vor diesem Hintergrund darf man das System Putin ein nationalsozialistisches System nennen, dass dem freien Spiel des Weltmarktes enge Zügel anlegt.

    Uns beschert dieser Umstand Desinformation und niedrige Ölpreise, keine Frage, doch kann man mit dem System Putin tatsächlich konkurrenzfähige Weltmarktprodukte erschaffen? Russische Waffen allein sind konkurrenzfähig, und Wodka.

    Antwort
    1. Artgenosse

      Sie beschwören neoliberale Horrorszenarien, um Russland zu diffamieren. Dabei stellt sich zunächst die Frage, elches System das derzeit herrschende ist. Das ist nicht der Kommunismus oder die Demokratie, das ist der Kapitalismus. Es hat seinen Grund, dass Millionen Menschen gegen TTIP und CETA aufstehen. Ich müsste eigentlich viel weiter ausholen, als es der Platz hier erlaubt, deshalb nur ein wesentlicher Grundgedanke:
      Große Unternehmen und Konzerne haben nur eine Verantwortung: Die gegenüber ihren Kaptaleignern. Das sind Pensionsfonds, private Stiftungen, Großinvestoren, Vermögensveraltungsgesellschaften etc. Diese Verantortung besteht darin, auf Dauer genug Gewinne zu erwirtschaften, die die Erwartungen der Kapitaleigner befriedigt. Soziale Verantwortung hat ein Unternehmen per se nicht und übernimmt sie nur inur aus 2 Gründen:
      1. Egoismus: Das Unternehmen profitiert davon (z.B. Krankenstand des Personals reduzieren, Personal an das Unternehmen binden, das Image in der Öffentlichkeit aufpolieren etc.)
      2. Es wird durch Gesetze dazu gezwungen (Umweltgesetze, das gesamte Arbeitsrecht usw. usf.)

      Das Hauptziel ist und bleibt jedoch, Geinne zu machen und die Erwartungen der Kapitaleigner zu befriedigen. Alles, was dem Allgemeinwohl nützt, ist ein Hindernis bei der Zielerreichung, kann Investitionen im Extremfall vergebens machen und ist Gewinnen immer abträglich.

      Das werden SIe kaum bestreiten können. Kinderarbeit in Bangladesher Textilfabriken folgt der Vermeidung sozialer Verantwortung (=Profitstreben) exakt wie tausend andere Beispiele, von denen jedem welche einfallen werden. Anderes Beispiel: Privatisierung staatlicher Sondervermögen. Wenn Sie in ein Krankenhaus müssen, ist es Ihnen dann lieber, wenn Ihnen gesagt wird, wir versorgen SIe bestmöglich, oder ist es Ihnen lieber, wenn Ihnen gesagt wird: Wir versorgen Sie und achten dabei darauf, dass am Monatsende die Zahlen stimmen?

      Den freien Kapitalismus haben wir in Mexikos Drogenbranche, den freien Kapitalismus hatten wir im Russland Anfang der 90er, als ein versoffener, korrupter Präsident Jelzin das Staatsvermögen verschachterte und damit nicht nur US-Firmen bediente, sondern auch erst die Oligarchen hochkommen ließ.

      Unser Mittelweg der sozialen Marktwirtschaft (steht immer noch im GG – wenn nicht, korrigieren Sie mich) wurde in Jahrzehnten stetig zugunsten der freien Marktwirtschaft um das Element „sozial“ gekürzt. Steuerbefreiung beim Verkauf von Unternehmensanteilen, Agenda 2010, Einführung früher verbotener Finanzprodukte für die Zocke runter den Kapitaleigern etc. SIe werden nicht bestreiten können, dass die Schere zwischen Arm und Reich sich auch hier in Deutschland immens weit geöffnet hat. Vom Taschengeld der Familie Quandt könnten 6-köpfige Famlien jahrelang leben.

      Der Staat ist das einzige, was etwas für das Allgemeinohl tun kann. Nur da, wo kein Profitzwang besteht, kann das Versorgungsprinzip gelebt werden und Gutes getan werden, dass vor allem der Bevölkerung zugute kommt.

      Ihr Vergleich Russlands mit dem Nationalsozialismus ist haarsträubend – aber das wissen Sie selber. So etwas können SIe nur behaupten, wenn Ihnen da Wohl der Menschen egal ist. Wenn SIe aber z.B. die Einkommenssituation in Russland vergleichen würden, müssten Sie zugeben, dass die Menschen in den 90ern im freien Kapitalismus unter Jelzin kaum Einkommen hatten und sich dies in den 2000ern unter Putin stark gebessert hat. Ich finde übrigens, dass es auch in Deutschland nicht verkehrt wäre, wenn Rentner kostenlos Bus und Bahn fahren könnten. Wenn Sie die Lebenserwartung nehmen: Die von den Männern fiel von 63 in den 80er Jahren auf 57 Jahre 1994. Die Sterblichkeitsrate nahm in der freien Marktwirtsfchaft der 90er extrem zu, die russische Bevölkerung schrumpfte um 5 Mio. In „Putins“ Russland ist die durschlnittliche Lebenserwartung stetig gestiegen und betrug im Jahr 2014 immerhin 70 Jahre. Das ist in dieser recht kurzen Zeitspanne ein enormer Erfolg und kann sich nur durch verbesserte Lebensbedingungen in vielen Bereichen erklären lasssen. Aber SIe kritisieren lieber, dass Russland der freien Marktwirtschaft Zügel anlegt und fragen nach konkurrenzfähigen Produkten auf dem Weltmarkt. Damit stellen SIe sich in eine Reihe mit allen Großunternehmen. Amoralisch nennt man das. Aber das ist in dieser Zeit ja die neue Denkweise.

      Antwort
      1. thom ram

        Gert Ewen!

        Ein ganz hervorragender Artikel, in der Art, inhaltlich erst recht.
        Weil du nirgends draufhaust, sondern schlicht sagst, was du tust und was du siehst und was du hörst, ist er gut geeignet für Leute, welche zwar meinen, Putin sei böse, der gewöhnliche Russe noch böser und zudem armer Alkoholiker, welche aber einen Rest offenen Geistes bewahrt haben. Ich denke, dein Artikel kann bei einigen Menschen eine Bremse lösen so, dass sie in Richtung „wahre Informationen suche ich“ zu fahren beginnen.

        Ich möchte Deinen Artikel in bumibahagia.com einstellen.
        Ist es recht, wenn ich einen Teil kopiere und dann auf deinen Blog weiterleite?
        Ich machs mal so, korrigiere aber, wenn es nicht in deinem Sinne sein sollte.

        Und grüsse mir Berlin, ich Halb-edel-Schweizer habe zwischen meinem 50. und 60. dort gelebt, alleine, ich brauchte das, ich brauchte genau Berlin, und zwar in Neukölln und in Wedding. Und ich liebe die Stadt. Wenn ich in Berlin ankomme, fühle ich mich zuhause, auch heute, nach 6 Jahren Bali.

  29. Pingback: Russland / Desinformationskampagnen / Ein Deutscher, der vom Saulus zum Paulus wurde « bumi bahagia / Glückliche Erde

  30. Artgenosse

    Wegen der Tippfehler bitte ich um Entschuldigung.

    Zusammenfassend: Die Spielregeln des Kapitalismus sind nicht die Spielregeln, die sich eine freie Gesellschaft (Demokratie) selber geben würde. Es sind Spielregeln, die eine Minderheit Reicher und Mächtiger der großen Mehrheit der Gesellschaft aufoktroyiert. Wäre es anders, hätte es nie Gewerkschaften geben müssen. Es sind nie die Spielregeln der Gesellschaft selber.

    Das darf man nicht gleichsetzen. Tut man es doch, handelt man fahrlässig oder arglistig.

    Das große Problem ist, dass der Staat von den Minderheiten unterwandert ist. Petra Kelly würde sich im Grab umdrehen, wenn sie die Kriegshetze einer Frau Göring-Eckart hörte. Willy Brandt dasselbe, wenn er wüsste, wie ein Vizekanzler der SPD (!) gerade Schiedsgerichte an allen rechtssaatlichen und demokratischen Regeln vorbei installieren, das Vorsorgeprinzip (der Verdacht der Schädlichkeit reicht für das Verbot eines Stoffes / Produktes aus) opfern und die Gebiete, auf denen der Staat die Versorgung der Bevölkerung garantiert (Wasser, Bildung, Kultur etc.) privaten Unternehmen überlassen will, die dann gegen jegliche Förderung regionaler Anbieter oder gegen jegliche kulturelle Förderung etc. wegen „Wettbewerbswidrigkeit“ vorgehen könnten. Oder die regionale Anbieter einfach auf andere Weise aus dem Wettbewerb drängen könnten. Sie können sich selbst genügend Beispiele ausdenken, die je nachdem, ob SIe das Prinzip der Gewinnmaximierung oder das Versorgungsprinzip anwenden, sehr unterschiedlich ausfallen. Im Sinne der Kapitaleigener oder im Sinne der Bürger. Ein sehr plakatives Beispiel war die Einführung der Wassergebühren 2015 in Irland. Ich befürworte z.B. auch Verkehrsbetriebe, die weiterhin alle Dörfer einer Region anfahren und die wenig frequentierten Routen nicht einstellen. Oder zur Frage, wer die politische Willensbildung beeinflusst, fragen Sie doch einmal das Volk, was es von Fracking und dem Anbau von Gentechnikgemüse hält. Und dann schauen SIe, was unsere Volksvertreter beschließen.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s