Desinformationskampagnen

Es geht wieder mal ein Gespenst um in Europa. Dieses Mal gruselt es Deutschland ganz besonders, aber auch die EU ist voller Furcht. Das Gespenst trägt den Namen russische Desinformation oder auch russische Propaganda. Die EU und die Bundesregierung rufen ihre Geisterjäger von BND und Verfassungsschutz, gründen sogar eine eigene Geisterjägertruppe, um dem Spuk ein Ende zu bereiten.

Die Hysterie wird auf ganz großer Flamme gekocht, immer mehr Zutaten werden in den Topf geworfen, der täglich weiter angeheizt wird. Putins Trolle seien überall, in den Foren der Nachrichtenmagazine, man macht ganze Trollfabriken ausfindig, es wird suggeriert, sie seien in Organisationen wie der Publikumskonferenz, sie betrieben subversive Blogs und bombardierten mit russlandfreundlichen Parolen die sozialen Netzwerken.

Nun betreibe auch ich einen Blog, der ausgesprochen freundlich von Russland spricht, und meine Texte werden vielfach geteilt. Entsprechend häufig bekomme ich den Vorwurf gemacht, ich sei ein Kreml finanzierter Troll, der die Desinformationskampagnen Russlands unterstützt.

Da ist zum Teil etwas Wahres dran, denn tatsächlich sind Desinformationskampagnen ein zentraler Motor meines Schreibens. Wer meinem Blog folgt, bekommt über meine Motivation Auskunft.

Vor drei Jahren noch war ich braver, systemkonformer Putin-Gegner. Schrecklich, was da alles passiert in diesem dunklen Russland, das eingeklemmt ist zwischen orthodoxer Kirche und rückwärts gewandter Politik eines homophoben, sein Volk aller Freiheiten beraubenden Diktators. Schauprozesse, unterdrückte Presse, Gewalt gegen Schwule und Lesben, ein eigenes Gesetz sogar, das die Gewalt gegen Minderheiten festschrieb. Einfach entsetzlich.

Aber irgendwann war es mir dann so, als würde doch etwas zu dick aufgetragen. Es waren Meldungen wie die, dass Bundespräsident Gauck diplomatische Verwicklungen riskiert und seinen Besuch bei den Olympischen Spielen in Sotchi aus Sorge um die Schwulen und Lesben absagte.
Die Inkarnation des deutschen Opportunismus wirft sich schützend vor eine Minderheit? Irgendwie war das ein bisschen zuviel, um glaubhaft zu sein. Es wurde mir klar, ich musste da selbst mal gucken gehen. Hinfahren also und einen Sprachkurs machen. Genau das habe ich dann auch getan.

Was soll ich sagen? Das, was ich fand, war so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was in den deutschen Medien berichtet wurde. Überall Lebenslust und Lebensfreude, aufgeklärter Hedonismus, politisches Bewusstsein, tief in der Gesellschaft verwurzelte Solidarität, eine große queere Szene mit einer funktionierenden Infrastruktur. 

Schon nach einem verlängerten Wochenende war mir klar: Ich war angelogen worden.
Es war ganz schlicht und einfach: Ich war von meiner Regierung und meinen Medien hinters Licht geführt worden. Sie hatten mich belogen. Da gibt es gar nichts zu beschönigen. Und ich habe ihnen viel zu lange geglaubt.
Ich hatte gedacht, manches mag vielleicht nicht ganz so stimmen, manches könnte man eventuell auch anders sehen, aber im Großen und Ganzen wäre es schon richtig, schließlich arbeiteten hier gut bezahlte und gut ausgebildete Journalisten.  Allein an die Möglichkeit einer ganz großen Lüge war ich noch nicht reif zu glauben.
Jetzt bin ich es und ich kann auch nicht mehr zurück.
Ganz offensichtlich wird von deutscher, von westlicher Seite eine gezielte Desinformationskampagne gegen Russland und damit auch gegen die eigene Bevölkerung geführt.

Ich musste, das war mir nach meinem ersten Besuch klar, wieder nach Russland, musste mein Engagement intensivieren, musste der Anti-Aufklärung aus Deutschland, Europa und den USA etwas entgegensetzen.

Es war und ist immer noch wie aufwachen. Aus einem Traum aufwachen, den man für wahr gehalten hat, und sich in der Realität wiederfinden, die vielfältiger und reicher ist, als jeder Traum es sein kann. 

Wie ein Schwamm sauge ich inzwischen alles auf, was mit Russland zu tun hat. Ich höre russische Popmusik, schaue russische Filme und Serien, lese russische Nachrichten. Und immer noch überprüfe ich alles, was hier über bei uns über Russland erzählt wird. Es könnte ja sein, dass ich etwas übersehen. Meinen zentralen Vorwurf musste ich bisher nicht korrigieren. Wir werden hier falsch informiert und es steckt Absicht dahinter. 

Es sind lauter kleine Erlebnisse der Überführung der westlichen Propaganda, die meine Faszination und meine Liebe zu Russland aufrecht erhalten. Bei meiner zweiten Reise nach Moskau beispielsweise unterhielt ich mich über den Einfluss der orthodoxen Kirche. Ja, der sei schon gewachsen in den letzten Jahren.
Wie das denn aussähe wollte ich wissen. Es würden einfach immer mehr Leute in die Kirche gehen, bekam ich zur Antwort. Und nein, so was wie eine Kirchensteuer gäbe es nicht. Und Krankenhäuser und Kindergärten würde die Kirche auch nicht betreiben, das sei alles staatlich. Nein, die Kirche sei kein wichtiger Arbeitgeber. Es gäbe sowas wie Armenspeisung, das sei aber eher symbolisch, weil dafür auch der Staat zuständig sei.

Ich habe das überprüft, es stimmt alles. In der Mitte Moskaus beispielsweise steht die Christ-Erlöser-Kathedrale. Sie ist das Zentrum der russischen Orthodoxie. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut, denn sie wurde unter Stalin abgerissen und durch ein öffentliches Schwimmbad ersetzt. Die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau kamen ausschließlich aus Spenden, staatliche Gelder flossen nicht. Das ist in Deutschland nachweislich anders. Da werden aus Steuermitteln Kirchen saniert. 

So sieht er also aus, der wachsende Einfluss der orthodoxen Kirche: Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gehen wieder mehr Menschen in die Kirche. Das ist wirklich angst einflößend und muss hier dringend auf die Nachrichtenagenda gesetzt werden. Dabei ist Russland weit von der Verflechtung von Staat und Kirche entfernt, wie er in Deutschland üblich und meines Erachtens zutiefst übel ist.

Ich habe die Krim besucht. Nach deutschen Medien sollte es dort nach dem Anschluss an Russland ganz schrecklich sein. Sich ausbreitende Armut, Inflation, Unsicherheit, ausbleibende Touristen und unterdrückte Tartaren, so sähe es da jetzt aus. Nur ein paar alte Sowjetspinner würden da hinfahren, in Nostalgie schwelgen und vom wiederaufleben der Sowjetunion träumen. Nichts davon ist auch nur annähernd wahr. Die Hotels gut gebucht, die Strände voll, die Tataren integriert. Sie arbeiten als Taxi- und Busfahrer und betreiben Restaurants und Cafés in touristischen Ausflugszielen wie dem Berg Aj Petri. Systematische Unterdrückung sieht anders aus.

In Zusammenhang mit der Krim wird in den deutschen Medien immer das Wort Annexion gebraucht, möglichst häufig, versteht sich, damit auch der letzte versteht, dass Russland Unrecht begangen hat.
Nur trauert auf der Krim der Ukraine wirklich niemand hinterher, denn allen ist klar, die Alternative zu subtropischem Ferienidyll wäre ein tobender Bürgerkrieg. Auch die Wiederholung des Wortes, macht es in diesem Zusammenhang nicht wahrer. Man muss das Selbstbestimmungsrecht der Völker völlig negieren, um im Zusammenhang mit der Krim den Begriff der Annexion aufrecht erhalten zu können. Die USA halten im Hinblick auf die Krim diese Interpretation des Völkerrechts übrigens für richtig.
Und wer jetzt meint, mit den freundlichen grünen Männern argumentieren zu müssen, deren Anwesenheit Putin doch schließlich doch zugegeben hat, dem sei gesagt, dass er auch da wieder auf einen Propagandatrick reingefallen ist. Die Anwesenheit russischen Militärs wurde nie und zu keinem Zeitpunkt geleugnet, das wäre auch ziemlich unsinnig gewesen, schließlich war Sewastopol auch während der Zeit der Zugehörigkeit der autonomen Republik Krim zur Ukraine ein russischer Stützpunkt. Allerdings wurden die vertraglich zugesicherten Obergrenzen nie ausgeschöpft und der Nachweis, die Anwesenheit von einzelnen und kleinen Gruppen von russischen Soldaten wäre befehligt gewesen, kann eben nicht geführt werden. Der Anschluss der Krim an Russland verlief friedlich und folgte dem bekundeten Interesse der Bewohner der Krim.

Ursprünglicher Kristallisationspunkt meiner Auseinandersetzung mit Russland aber war das Anti-Gay-Propaganda-Gesetz, das hier im Westen für großen Wirbel gesorgt hat und immer noch sorgt.
Das Gesetz ist Mist, das steht außer Frage, allerdings werden seine Folgen für die queere russische Community völlig übertrieben und es wird auch die eigene Geschichte dabei völlig ausgeblendet. Es war Margaret Thatcher, die mit der
Clause 28 im Jahr 1988 eine Verwaltungsvorschrift erlassen hat, die positive Berichterstattung über gleichgeschlechtliche Lebensweisen in Schulen, Gemeinden, kurz dem öffentlichen Raum untersagte. In Deutschland forderten konservative Politiker ähnliches.
Die Clause 28 ist praktisch die Blaupause zum russischen Gesetz. Sie war übrigens bis 2003 in Kraft. Es ist also noch keine 15 Jahre her, dass beispielsweise den Briten vom Saulus zum Paulus gewendet ganz tungendhaft die Freiheits- und Selbstbestimmungsrechte der Schwulen und Lesben am Herzen liegen.
Die Clause 28 wie auch Internierungsgedanken des damaligen bayerischen Gesundheitsministers Peter Gauweiler fielen auch nicht einfach vom Himmel, sondern waren eine Reaktion auf die Aids-Krise, die plötzlich in grausamer Weise Homosexualität sichtbar gemacht hat. Es sind einfach viele gestorben. Gleichzeitig war die Clause 28 und die konservative Diskussion hier in Deutschland Auseinandersetzung mit Pop- und Jugendkultur. Denn ebenso plötzlich wie durch Tod die Verbreitung von Homosexualität in der Gesellschaft sichtbar wurden, war in der Pop-Kultur nämlich plötzlich alles schwul, lesbisch, androgyn, trans.
Das hat wenig verwunderlich konservative Reaktionen ausgelöst. Erst die Rap-Bewegung mit ihren tief konservativen Repräsentanten wie Bushido, Moses Pelham und Sabrina Setlur brachten musikalisch das durcheinander gewirbelte Geschlechterverhältnis wieder in spießige Ordnung und die Diskussion war vorbei.

Mein Blog dient daher auch dazu, über die Entwicklungen in der russischen Pop-Kultur zu berichten, denn dort geht es wie bei uns in den 80-ern und beginnenden 90ern wundervoll bunt und queer zu. Das nimmt man hier nur leider nicht zur Kenntnis. 

Eine Argumentation über gesellschaftliche Entwicklungen erklärt aber eine konservative Reaktion der russischen Gesellschaft viel besser und tiefer als das deutsche Geschreibsel von einem homophoben Diktator und schwachsinnige Meldungen, wie die, in Russland dürften Transsexuelle keinen Führerschein besitzen.
Es wäre Aufgabe einer an journalistischen Prämissen orientierten Berichterstattung gewesen, über genau diese gesellschaftlichen Entwicklungen aufzuklären, anstatt Ressentiments zu schüren und Hass zu erzeugen. Dieses Züchten von Hass geht bis in die queere Community hinein und wird dort mit Inbrunst ausgelebt.

Wenn man nach Russland einreist, dann warnt die weit verbreite schwule Dating-App Scruff. An der sogenannten Reisewarnung ist so ziemlich alles falsch. Schwuler Aktivismus ist in Russland natürlich genauso wenig verboten, wie Versammlungen generell illegal sind. screenshot_2016-03-05-21-03-51.png
Die in der Warnung geschürte Angst verhindert Kontakt und Austausch. Perfide.
Man muss es sich eigentlich auf der Zunge zergehen lassen. Eine App aus einem Land, das nachweislich foltert, völkerrechtswidrige Kriege zuhauf führt, Menschenrechte mit Füßen tritt, radikalen Fundamentalismus züchtet und weltweit Chaos verbreitet, eine solche App schwingt sich zum Moralapostel auf und lügt ihren Nutzern die Hucke voll.
Dieser Unwillen zur Aufrichtigkeit und Reflexion ist eine Unverschämtheit. Auf Nachfrage, was das soll, bekommt man einen Textbaustein zurück, der sich für die Nachfrage bedankt. Ansonsten beredtes Schweigen.

Scruff funktioniert in Russland übrigens nicht. Das liegt nicht daran, dass Schwule da alle unterdrückt werden, sondern eher daran, dass sie, wenn sie aus dem Ausland zurückreisen beim Grenzübertritt von Scruff gesagt bekommen, wie scheiße und gefährlich es in ihrem Land ist. So eine Anwendung deinstalliert man, zumal dann, wenn es vorne und hinten nicht stimmt. Den gleichgeschlechtlich liebenden Männern unter meinen Lesern mit Reiseabsichten nach Russland empfehle ich Growlr.

Ich bin kein Freund des Wortes Lügenpresse, weil es politisch instrumentalisiert wird, aber in meiner Auseinandersetzung mit Russland wurde und wird deutlich, wir werden systematisch falsch informiert. Es sind nicht einzelne Ausrutscher oder Akzentuierungen, über die man sich streiten kann. Es sind tatsächlich flächendeckende Fehlinformationen. Es geht gar nicht anders als Absicht zu unterstellen. Es stellt sich freilich die Frage, warum und mit welchem Ziel das alles passiert.

Um dieser Frage nachzugehen, ist das, worüber wir falsch informiert werden zu ergänzen um das, worüber wir überhaupt nicht informiert werden.

Augenfällig ist in Russland, dass überall gearbeitet wird. Überall ist Personal. Viel Personal. Alle arbeiten. In Russland wurden durch die Sanktionen absichtlich eine Wirtschaftskrise herbeigeführt und die Arbeitslosenquote liegt bei 5 Prozent. In der Krise! In den Museen an der Garderobe, viel Personal, in den Sälen viel Personal. In der Metro neben den Automaten besetzte Kassenhäuschen, in den Restaurants, überall viel Personal. In den Zügen hat jeder Waggon einen Zugbegleiter, in den Supermärkten sitzen Kassierinnen an Kassen und warten auf Kunden. Nicht wie bei uns, wo die Kunden schon mal die Waren aufs Band legen und dann auf die Kassiererin warten, die gerade noch ein Regal einräumt, damit auch jede Sekunde Arbeitskraft gewinnbringend ausgenutzt wird. Überall ist in Russland Personal. Alle arbeiten. Viel dieser Arbeiten könnten sofort und ohne viel technischen Aufwand wegrationalisiert werden. Dass es nicht getan wird, ist Absicht.

Und weiter noch: Überall wird gebaut. Kostenintensiv gebaut. Rund um die Uhr, auch an den Wochenenden und Feiertagen. Straßen, Brücken, Häuser, Gleistrassen. Es ist wirklich augenfällig.

Und dann die Armut. Auch das ist augenfällig. Die viel beschriebene russische Armut. Sie fehlt weitgehend. Es gibt sie, aber im Vergleich zu meiner Stadt Berlin ist die öffentlich sichtbare Armut in Moskau verschwindend klein. Und nein, die Bettler werden da nicht von der Polizei abgeführt.

Ich war im Winter dort, bei minus 25 Grad. Das kann man ungeschützt draußen nicht überleben. Ich hätte sie sehen müssen in der Metro, in den Einaufszentren, an den öffentlich zugänglichen Plätzen, an denen es warm ist. Und ich habe ein Auge dafür, denn es sind meine Patienten, die, mit denen ich hier in Berlin arbeite, die Gescheiterten, Schizophrenen, Süchtigen. Es gibt sie auch in Russland, aber in viel geringerer Zahl. Irgendetwas fängt sie auf, bevor sie ganz tief fallen.

Und ich glaube, das, was sie auffängt, ist Arbeit. Ich werde dem weiter nachgehen, bin mir aber jetzt schon ziemlich sicher.
Mit meiner Vorgesetzten hatte ich darüber eine interessante Diskussion. Sie wurde in der DDR geboren. Sie meinte, ich solle mir keine Illusionen machen, alle meine Patienten, so psychiatrisch auffällig sie auch seien, hätten in der DDR gearbeitet. Auf irgendeiner Stelle wie in einem Kassenhäuschen neben einem Automaten vielleicht, nicht hart und schwer. Aber sie hätten alle gearbeitet und teilgenommen.

Es fiel mir wie Schuppen von den Augen wie absurd unser System ist. Wir haben einen ausschließlich auf Leistung verkürzten Arbeitsbegriff, dem die soziale Komponente von Arbeit geraubt wurde und sortieren darüber Menschen aus der Gesellschaft aus, die wir dann in sozialpsychiatrischen Einrichtungen unterbringen, die gesellschaftliche Zugehörigkeit über arbeitsähnliche Maßnahmen faken. Zu wessen Nutzen ist das? Es nutzt denen, die aus Arbeit Gewinn erzielen. Es ist Umverteilung von unten nach oben durch Ausgrenzungen und Entsolidarisierung. 

Merkels brandgefährlicher Ausdruck von der marktkonformen Demokratie jedenfalls wäre Putin niemals über die Lippen gekommen. Nicht, weil er kein Demokrat wäre, sondern weil die Marktkonformität die Aufgabe von Demokratie bedeutet. Man hat bei uns einfach noch gar nicht begriffen, was diese Frau da tatsächlich gesagt hat. Es ist nichts weniger als die Preisgabe des Politischen und Unterordnung aller Interessen unter die Metaphysik des Marktes. Da kann man eigentlich auch Diktatur dazu sagen. Und in dieser Hinsicht sind wir auf einem guten Weg.

Mir scheint, die Koordinaten haben sich einfach verschoben. Während es früher zwischen Ost und West zugespitzt um die Frage Karl Marx oder Adam Smith gehandelt haben mag, handelt es sich heute ganz unzugespitzt um die Frage Keynes oder Hayek. Das ist meines Erachtens der eigentliche Motor hinter dem andauernden Russland-Bashing. Es geht um die Verteilungsfrage. Russland präferiert offensichtlich ein Wirtschaftssystem, das den Menschen zum Mittelpunkt macht. Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen. Bei uns ist es umgedreht. Es ist der Verdienst Putins, den Sozialstaat nach Jelzin wieder hergestellt und den Einfluss der Oligarchen zurückgedrängt zu haben. Es ist weiterhin sein Verdient, eine Balance zwischen privater und staatlicher Wirtschaft hergestellt zu haben. Es ist sein Verdienst, das Primat der Politik über den Markt wiedererlangt zu haben. Unsere Politik betreibt das Gegenteil. Sie befördert die Aufgabe des Politischen und übergibt Macht an das Kapital.
Dabei ist das russische Modell im Gegensatz zum europäischen Neoliberalismus und der Austeritätspolitik erfolgreich. Europa desintegriert und verarmt. Demgegenüber ist die russische Staatsschuldenquote eine der niedrigsten der Welt und in der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs gelang es Russland einen Staatsfund zu schaffen, aus dem es jetzt zehrt und mit dessen Mitteln es die Wirtschaft ankurbelt. Das ist Keynes, der Starke, regulierende Staat. 

Und gerade als Europäer sollte man sich keinen Illusionen hingeben: Ein Lebensstandard wie der in Russland wäre für die Menschen in den europäischen Krisenländern eine Verbesserung. Eine deutliche Verbesserung! Was aber Europa von Keynes und einer auf  den Menschen ausgerichteten Wirtschaftspolitik hält, das hat Schäuble mit EU, EZB und IWF im Bunde an Varoufakis und Griechenland vorgeführt.
Russland ist mit seiner Wirtschaftsordnung nicht die Überwindung des Kapitalismus, aber es zeigt seine alternative Form. Doch genau davon schweigt der deutsche Mainstream nicht ganz zufällig. 
Das alles kommt nicht in den Nachrichten. Es ist aber wichtig, genau darüber zu berichten. Ein lauterer Journalismus würde das tun.

Wer meint, es ginge in der Auseinandersetzung mit Russland um Menschenrechte, um die Freiheiten von Schwulen und Lesben, der versteht von Geopolitik reichlich wenig. Wer sich hier in eine schwule Bar stellt und es gut findet, dass die den russischen Wodka boykottiert, er sich daher mit finnischem besäuft, beweist tiefe politische Unbildung. Wer dem Mainstream glaubt, und denkt,  Russland hätte die Absetzung von Merkel im Sinn, ebenfalls.
Es geht um Verteilungsfragen und es geht nach wie vor um die Konkurrenz von Wirtschaftssystemen. Wir lassen uns gegeneinander ausspielen. 

Die Desinformationskampagnen hierzulande sind äußerst massiv. Ich bin seit zwei Jahren sehr regelmäßig in Russland. Und wenn ich zurück bin, vermisse ich Moskau schon nach wenigen Tagen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass ich, wenn ich hier von Russland erzähle, ich großes Misstrauen ernte.
In der Regel bekomme ich dann von Menschen, die noch nie in Russland waren und die auch die Sprache nicht sprechen, die auch nie da hin fahren würden, weil es nach allem was man hört da ja schrecklich sein soll, von solchen Menschen bekomme ich dann erklärt, wie es in Russland wirklich zugeht: Unterdrückung der Presse, der Schwulen, Morde an angeblichen Oppositionellen und so weiter und so fort. Da haben die Spin-Doktoren und Think-Tanks wirklich gute Arbeit geleistet. Die Absurdität fällt meinen Gesprächspartnern in der Regel nicht auf. Sie sind sich absolut sicher.

Im Gegenteil. Die Propaganda hier ist so massiv, dass ich Freundschaften verliere. Wegen meiner russlandfreundlichen Position wenden sich Menschen ab. Es wurde absichtlich eine Pogromstimmung gezüchtet, die jede Form anderer Meinung diskriminiert. Wir können gar nicht mehr miteinander sprechen. Wir können uns nur wechselseitig unserer Konformität versichern. Falls das nicht möglich ist, folgt unmittelbar der Kontaktabbruch.
Gegenüber Russland werden medial primitivste Rassismen vorgetragen, die man sich sonst verbietet. Es ist kein Argument zu blöd, um nicht noch gegen Russland ins Feld geführt zu werden. Vor allem die Mittelschicht in der Bundesrepublik ist derart aufgehetzt, dass sie nicht einmal mehr in der Lage ist, eine andere Meinung einfach nur  hören und stehen lassen zu können. Dabei vertritt weder die Bundesregierung noch die Europäische Kommission, die NATO oder die USA irgendwelche Interessen, die auch nur annähernd deckungsgleich wären mit den Interessen der deutschen Mittelschicht. Diese in Deutschland herrschende politische Blindheit empfinde ich als einfach nur furchtbar und deprimierend.

Und dann ist da noch etwas, über das die deutschen Medien nicht berichten. Sie berichten nicht über die unglaubliche Wertschätzung, die Russland und Russen gerade Deutschland entgegen bringen. Das dem so ist, kann man sich hier vermutlich auch gar nicht vorstellen, denn hier wird ja permanent auf Russland eingedroschen. Warum sollten die uns wertschätzen?

Während bei uns das Bild vom primitiven Russen in seiner ganzen rassistischen Varianz medial gepflegt wird, glaubt man in Russland an eine Gemeinschaft mit der deutschen Kultur, die die Jahrhunderte und alle Verwerfungen überdauert.
Dass der zentrale Platz Berlins durch die Jahrhunderte und durch die Systeme nach einem russischen Zaren benannt ist, der eine Freundschaft mit Preußen pflegte, ist jedem meiner Besucher aus Russland untrügliches Zeichen dafür, dass es so ist. Dass die meisten Deutschen nicht wissen, warum der
Alexanderplatz Alexanderplatz heißt, wollen meine Freunde dann kaum glauben.

Dabei ist an der Hoffnung meiner russischen Freunde sogar was dran. Angela Merkel und ihre Regierung wird als relativ machtlos und eingeschränkt wahrgenommen. Eingeklemmt zwischen den USA und  Konzerninteressen kann diese Regierung nach Auffassung meiner russischen Freunde ohnehin kaum etwas wirklich selbst entscheiden. Vermutlich haben sie recht.
Aber so eröffnen sich auch positive Visionen von Zukunft. Denn wenn man die transatlantische Einklemmung und die erdrückende Umarmung der Lobby abschütteln könnte, dann tun sich Möglichkeiten auf.
Nach wenigen Überlegungen schon ist klar, dass Deutschland als wichtiger Anker in Europa im Zusammengang mit Russland in der Lage wäre einen ewig währenden Frieden zu stiften. Eine Wirtschaftsunion von Lissabon bis Wladiwostok, daran angeschlossen und verbunden die BRICS. Ein riesiges Geflecht von Handel und kulturellem Austausch. Es wäre ein großer Schritt zu dem, was Immanuel Kant in seiner Schrift “Zum ewigen Frieden” beschrieben hat. Es ist genau dieses Angebot, das wir von Russland beständig gemacht bekommen, das hier nie thematisiert wird und das unsere Eliten ohne uns zu fragen mit Vehemenz zurückweisen. Sie hetzen uns lieber gegeneinander auf.
Es ist an uns, Mittel und Wege zu finden, das zu durchbrechen. Das, was die Bundesregierung mit TTIP und ihren Kriegen gegen den Terror, mit Überwachung und Einschränkung von Freiheiten plant, ist nicht in unserem Interesse. Das was Russland mit BRICS und den alternativen Institutionen zu Weltbank und IWF tut, mit Russlands an Frieden ausgerichteten Politik, sowie der Absicht, der UNO und dem Sicherheitsrat nach seiner Beschädigung durch westliche Politik wieder Leben einzuhauchen, das ist sehr wohl in unserem Interesse. Wir müssen das wenigstens zur Kenntnis nehmen und diskutieren, bevor wir es eventuell zurückweisen. Dann wüssten wir wenigstens, was wir aufgeben, warum und zu welchem Preis wir es aufgeben.
Mit meinem Blog trage ich dazu bei, die Desinformationskampagnen des Mainstreams zu durchbrechen. Aus freien Stücken, nicht als bezahlter Troll, sondern weil ich Aufklärer bin. 

112 Kommentare zu „Desinformationskampagnen

  1. Was soll ich dazu sagen? Du bestätigst, was ich aus den Informationen im Netz herauslese und was mir meine Intuition bestätigend eingibt. Du aber warst dort, kannst die Sprache und gehst wieder hin. Berlin kenne ich, 10 Jahre Neukölln und Wedding, daher weiss ich, wovon du sprichst, wenn du Moskau mit Berlin vergleichst.
    Ist es okay, dass ich deinen Text kopiere und in bumibahagia.com stelle? Mit Quellenangabe, selbstverständlichstens.
    Danke für deine wichtige Arbeit!

      1. Ein wunderbarer, ja geradezu bewegender Artikel. Ich bin wirklich tief beeindruckt!
        Und möchte ihn ebenfalls auf meiner Seite peds-ansichten.de veröffentlichen.
        Alles Gute und herzliche Grüße
        ped43z

    1. Es gibt sie noch, die Stimmen, die davor warnen, was hier geschieht… aber es sind wenige. Meine Erfahrung mit dem System der deutschen Des-Information begann mit den Geschehnissen in der Ukraine von 2014, wo in den deutschen Medien das ganze Ausmaß der Hetze und der Falsch-Information sich über den Mainstream ergossen hat und immer noch von rund 70 % der Deutschen geglaubt wird. „Begründete Zweifel“ habe ich seit 1990… als gelernter DDR-Bürger liest man Nachrichten anders.
      Ich kenne die Ukraine, habe in Odessa und Mykolajiw durch private Kontakte und Reisen Einblick gehabt darin wie die orangene Revolution und später der „Maidan“ entstanden sind… Russland … ist mir auch geläufig, und wie es nach dem tiefen Fall in der Ära Jelzin sich wieder empor arbeiten musste, wofür die Menschen Respekt und Anerkennung verdienen, die daran gearbeitet haben… Meine eigene persönliche Erfahrung mit missliebigen Kommentatoren war, als ich nach MH17 in Medien-Foren mehrfach betont habe, das die ukrainische Luftverteidigung im Bestand des 156. Fla-Raketen-Regiments und anderer Einheiten mehr als 60 BukM1-Systeme betreibt, die zum Zeitpunkt des Abschusses zum Abhalten einer Übung im Raum Donetsk disloziert waren was ukrainische Medien berichtet hatten… Es war ein Kampf gegen eine Windmühle. Der Fakt wurde einfach unter den Tisch gewischt… Und man wurde sehr schnell zum „Putin-Troll“ erklärt.
      Aktuell warnt die Botschaft Russlands in Deutschland vor einer bevor stehenden massiven Hetzkampagne, die Präsident Putin persönlich angreifen soll.
      Zitat: „Im Westen wird eine neue Informationsattacke auf den russischen Präsidenten vorbereitet, sagte der Pressesprecher des Präsidenten, Dmitri Peskow
      „Eine nächste Informationsattacke, die Objektivität beansprucht, ist für die nächsten Tage geplant“, sagte Peskow. „Wir haben äußerst salbungsvolle, in einer Verhör-Manier verfasste Anfragen von einer Organisation bekommen, die sich ‚internationales Konsortium für investigativen Journalismus‘ nennt“.
      In den geplanten Publikationen werde von Putin persönlich die Rede sein. Man werde versuchen, die Familie des Präsidenten „informationsseitig zu treffen“, sagte der Sprecher. Auch würden dort „Putins Freunde aus der Kindheit erwähnt werden, Unternehmer wie Kowalschuk, Rottenberg und andere.“ Zudem werde dort von Offshore-Unternehmen die Rede sein, „von einer großen Menge von Unternehmern, die Putin persönlich nie gesehen hat“. Zitat Ende.
      Es ist also bekannt, wer da die Finger drin hat und ich werde alle „Journalisten“ und die Medien, die diese Dinge verbreiten boykottieren und rufe alle ehrlichen Bürger dieses Landes zum Boykott aller russophoben Medien auf. Erst wenn Einschaltquoten fallen, Auflagen sinken und die Foren dieser Medien zusammenbrechen, weil die Zensoren dort überfordert sind, wird man hier im Westen darüber nachdenken, ob die Menschen hier im Westen dumm genug sind, sich Tag für Tag mit russophober Propaganda, Beleidigungen und Unterstellungen, Falsch-Informationen und Gewäsch mit pseudo-serösem Anstrich füttern zu lassen.

      Danke für diesen Beitrag. Er spiegelt eigene Erfahrungen wieder und zeigt auch, das man nicht allein ist im Kampf gegen diese Verschwörung der Medien gegen ein großartiges Land und seine Menschen.

    2. Danke, für diesen wundervollen Beitrag.
      Mein Vater war während des 2.Weltkrieges in Rußland.
      Er hat nie über Rußland Schlechtes erzählt.
      Im Gegenteil. Er war von Rußland fasziniert.
      Er sagte mal: Rußland hat eine Seele.
      Damals habe ich es nicht verstanden. Heute weiß ich, was er meinte.

  2. Ich verneige mich mit Respekt und Dank! Ich kann mich nicht entsinnen, in vierzig Jahren einen ähnlich treffenden und sprachlich hochstehenden Artikel in irgend einer Zeitung gelesen zu haben. Wären Westmedien heute noch irgendwie echt, würde dein Text dort überall als Leitartikel stehen. So bleibt uns die Perspektive des Beobachters des Zusammenbruchs unserer westlichen Gesellschaften und früher oder später die Emigration in den Osten.
    Eine Frage hätte ich: Wie ist es dir ergangen bei der Erlernung der russischen Sprache? Wie bist du vorgegangen, welche Hürden gab es zu nehmen, was würdest du im Nachhinein anders machen? Eventuell ein Thema für einen Artikel? Ich könnte mir denken, dass hier einige Leser mit dem Gedanken spielen.
    Herzlichst, der Chaukee

    1. Ich habe lange Zeit Deutsch als Fremdsprache unterrichtet bis sich das bedingt durch das Zuwanderungsgesetz finanziell nicht mehr lohnte. Ich bin also eigentlich Sprachlehrer und weiß, wie es geht. Das beschleunigt es ein bisschen. Zudem ist es nicht die erste Fremdsprache, die ich lerne. Der Erfolg beim Erlernen einer Fremdsprache hängt von vielen Faktoren ab. Ein ganz starker Faktor ist die Motivation. Meine Motivation im Hinblick auf das Russische ist sehr hoch. Ich bin fasziniert von den Entdeckungen, die ich mache. Das treibt mich an.

      1. Vielen Dank, Gert. Dann werde ich es mit Motivation versuchen, hat bei ein bisschen Italienisch und Spanisch auch gut funktioniert. Französisch und Englisch lernte ich ja noch unter Schulzwang, das braucht dann Jahre… 😉

    2. Chaukeedaar und Gert

      Ich unterschreibe dein Lob dick fett, Chaukee. Viel zu wenig Berichte haben wir von Menschen wie Gert, und ein Halleluja, dass Gert die Rolle des wichtigen Botschafters übernimmt.

  3. Super geschrieben,und vor allen Dingen die Realität selbst in Russland angeschaut!Dass es ganz anders ist ,wie uns hier Politik und Medien vorgaukeln wollen weis ich nun bestätigt! Leider kann ich mir eine Reise nach Russland nie leisten,doch Träume sterben nie.Danke für diesen ausführlichen und ehrlichen Beitrag!

  4. vielen Dank für diesen wunderschönen Bericht. Ich selbst war noch nie in Russland. Den MSM glaube ich schon lange nichts mehr. Schon gar nicht was die über Russland und Putin schreiben. Dafür reise ich zuviel und erlebe oft genau das Gegenteil von dem, was ich zuvor schon über das Land gelesen hatte. Beklaut wurde ich schon zweimal in Deutschland. Noch nie auf meinen Reisen
    Im August findet von Berlin aus eine Fahrt nach Moskau statt. Alles weitere kann man hier nachlesen………
    http://www.free21.org/friedensfahrt-berlin-moskau-august-2016/

  5. Ein interessanter und schöner Artikel, der durch persönliche Erfahrungen der verlogenen Propaganda den Spiegel der Wirklichkeit entgegenhält.

  6. ….und ich verteile sie an meinen stammtisch deren mitglieder nich zeitung lesen und TV gucken. ich nicht mehr. „wie der herr, so das gescherr“. putin macht alles richtig, das haben viele aufgewachte schon mitbekommen und wenden sich vom boesen einfluss ab.
    so geht saeuberung von innen. danke fuer den guten artikel.

  7. In den 80gern war ich fast zwei Jahre in den VSA. Da ging mir ein Licht auf. Es hat sich nichts zum Beseren verändert.
    leider kann ich kein russisch, ist aber nach diesen Erfahrungen auch nicht nötig.

  8. Dieser Text hat für mich und meine Familie die Qualität einer Ostersonntag-Friedens-Rede.
    Sie richtete meinen inneren Kompass, der in den letzten Monaten etwas ins Kreiseln geraten
    war, wieder in Richtung Zuversicht aus,
    Da die eigentlich dafür zuständige (aber leider dazu nicht fähige) Person wohl keine 2.Amtszeit anstrebt
    (http://www.tagesspiegel.de/politik/bundespraesident-joachim-gauck-ist-beim-china-besuch-in-hochform/13369774.html)
    meine ich, man sollte fürs nächste Jahr, zumindest moralisch, folgenden Anspruch erheben:

    Gert Ewen Ungar for President !!!

  9. wohltuend, im gegensatz zur westlichen systempresse, i.e. …

    an der stelle noch einmal der hinweis auf prof. mausfeld (meinungsmanagement) und daniele ganser (nato), jeweils youtube.

  10. Was für eine großartige Beschreibung! Seit der Olympiade in Sotschi, wo alle Politiker, Journalisten etc.) völlig überdreht haben, denke ich genauso!!
    Wie schäbig und verkommen sind große Teile unserer Poltiker und Journalisten?
    Wohin wollen uns diese „Menschen“ den zwingen!?? Ist das alles bitter und traurig!
    Und immer noch ergeben Umfragen Mehrheiten für die Kriegstreiber und Lügner!
    Wie dämlich ist denn der sog. deutsche Mittelstand? Die Bezeichnung „deutscher Michel“ scheint voll zu greifen!

  11. Du sprichst viele Themen an, zu viele, um auf jedes einzelne in nur einem Kommentar antworten zu können, daher beschränke ich mich auf ein Thema.
    Die Propaganda hier ist so massiv, dass ich Freundschaften verliere.

    Im Alltagsleben gibt es kaum Menschen mit dennen man sich noch verständigen kann – die über das notwendige Hintergrundwissen verfügen. Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört mich in politische Gespräche meiner (rest)Freunde und, oder, Arbeitskollegen einzumischen. Den „Stammtisch“ meide ich wie die Pest – mit der „Bildzeitung“ kann, und will, ich nicht mithalten. Es macht traurig, nicht nur die Aufgabe, sondern auch der nahezu täglich vollführte Wettlauf, kein Tag ohne medial-sozialen Gau.

    Positive Meldungen? Fehlanzeige. Stattdessen das Gefühl, dass in einem entsteht, wenn man immer wieder, völlig sinnlose, niemals glücklich machende, immer nur negative Informationen aufnimmt und es kein Ende zu geben scheint. – Ich beneide diejenigen die darüber hinwegsehen können, die leichter Vergessen.

    Zu alldem gesellt sich die Einsamkeit, nur noch wenige, meist verteilt über das ganze Land und, oder, Länder, mit dennen man sich ehrlich und frei über das „System“ unterhalten kann – ohne in einem endlosen, sinnbefreiten, Streitgespräch mit an den Haaren herbeigezogenen Argumenten jonglieren zu müssen und Tables mit integrierter SIM Pflicht sind. Es wird einem einfach nichts geglaubt, alles muss man Beweisen und selbst wenn man die Bilder, die Videos, die Texte zeigt, lesbar, sichtbar, selbst dann…“kann daran etwas nicht stimmen“. Es ist frustrierend.

    Das Internet und dort agierende Kommentatoren bzw. Autoren helfen ein wenig der zwangläufigen Isolation zu entkommen, ich zitiere mal den User Franz Josef:
    Ohne Seiten wie die Propagandaschau wäre ich schon lange in der Klapsmühle weil ich diese verrückte Welt nicht mehr aushalten würde. Diese Seite trägt enorm zu meiner psychischen Gesundheit bei und wünsche Dok alles gute für seine weitere Arbeit.
    q: https://propagandaschau.wordpress.com/2016/03/26/offene-diskussion-122016/#comment-81604

    Vielen Dank für diesen Artikel.

    1. „Im Alltagsleben gibt es kaum Menschen mit denen man sich noch verständigen kann – die über das notwendige Hintergrundwissen verfügen…“

      Das, was Sie da berichten, ist auch mir aufgefallen. Als DDR-Kind finde ich es teilweise wirklich erschreckend, wie schlecht die Leute informiert sind – vor allem, wenn es um so wichtige Themen wie Geopolitik, geschichtliche Zusammenhänge oder Volkswirtschaft geht. Von gesunder Allgemeinbildung, mit der man uns in der Schule noch so ganz nebenbei versorgt hat, wage ich ja schon gar nicht mehr zu träumen. Gestandene Luftfahrtingenieure schauen mich mit großen Augen an, wenn ich von so „abgehobenen“ Dingen wie Sykes-Pikot spreche und steigen dann bei Keynes vs. Hayek komplett aus. Schon der Gedanke, die Wirtschaft sollte für den Menschen da sein und nicht umgekehrt – ist Teufelszeug! Was ich recht seltsam finde, wird der Kapitalismus hier doch gerade deshalb auf den Goldenen Schild gehoben, da er angeblich das einzige Gesellschaftssystem ist, welches das Leben der Menschen per Fortschritt verbessert. Widerspricht sich das nicht?

      Und ja, auch ich habe schon Freunde verloren. Zum Beispiel wenn ich den Unterschied zwischen Annektion und Sezession erkläre – und das „Freibomben“ des Kosovo mit dem echten Referendum der Krim vergleiche. Oder hinterfrage, wie frei sich eine Demokratie denn tatsächlich entwickeln kann, wenn westliche NGOs (die in Rußland ja in Hundertschaften gezählt werden können) ständig versuchen, den Staat und die Gesellschaft per Propaganda zu destabilisieren. Das Gespräch verstummt in solchen Fällen abrupt, dann wird ein anderes Thema angeschlagen und fortan gehen vermeintliche Freunde einem aus dem Weg. Am Anfang tat das tatsächlich weh, aber mittlerweile halte ich es mit Gabriele Krone-Schmalz: Wie arm ist eine Gesellschaft eigentlich dran, wenn das Bemühen, die andere Seite verstehen zu wollen, zum Schimpfwort degradiert wird?

      Ich habe – nach vielen Jahren Pause – wieder angefangen, Russisch zu lernen, per „Babbel“ ist das auch gar nicht so schwer (Übrigens, die DDR-Lehrbücher, die man viele Jahre für Centbeträge nachgeworfen bekam, sind heute schon nahezu vergriffen – ein gutes Zeichen!) Und im August möchte ich mit auf die Friedensfahrt nach Moskau.

      Ich glaube, je mehr Menschen aus eigener Anschauung berichten, wie Rußland tatsächlich ist, desto mehr Risse bekommt das Propagandagebäude im Westen. Schauen wir mal.

      1. Leider, so scheint es, sind wir eine Minderheit, missbraucht – ein Korrektiv, kein Kollektiv. Ob das eine Zugfahrt Wett machen kann? Ich denke nicht. Kanzelprediger, wie Gauck – ein Protestant, haben längst die Deutungshoheit übernommen – danke, Herr Ungar, für den Denkanstoss. Die Leute müssen überhaupt nicht wissen wer Keynes, Hayek, Skyes oder Pikot ist, sie müssen nur verstehen, „wenn es mir gut gehen soll, dann muss es auch meinem Nachbarn gut gehen“. Wie leben im Feudalismus, der gut umschrieben, Demokratie genannt wird.

      2. und… wir zerhacken uns., geben uns keinen Raum. Tu’en so als wäre es das normal, uns kann es ja nicht treffen. Geopolitisch(schicker Ausdruck) ist Deutschland das gefährdetste Land dieser Welt. Ein Grenzland ohne Mauern. Zerruppt.

      3. ups, mach mal ein Anschlag in Deutschland, Das wird ein Fest. Da wachen dann plötzlich alle überdiestrasse geh’er auf. Und(!) die sind dann alle Deutsch….

  12. Herzlichen Dank für diesen wunderbaren Artikel.
    Sie sprechen mir aus dem Herzen, denn auch ich bin seit Mai 2014 aufgewacht und kann Ihren Prozess sehr gut nachvollziehen. Im Mai 2014 brannten friedlich demonstrierenden Menschen in Odessa. Aber nicht das ungeheuere Verbrechen an sich ließ mich wach werden (Desensibilisierung aus den Kriegen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan, etc.), sondern der Umgang unserer Prestituierter damit.
    Im Gegensatz zu Ihnen beherrschte ich die russische Sprache bereits gut, nutzte sie bis dahin nur nie.

    Set damals sehe und lese ich die Nachrichten parallel. Erst deutsche, dann russische und häufig zum Vergleich auch britische.
    Täglich (!) stehen mir die Haare zu Berge. Ich frage mich täglich, wie diese Prestituierte ihren Kindern beibringen das man doch immer die Wahrheit sagen möge um anschließend an den Redaktionstischen die übelsten Lügen zu Papier zu bringen. Wie kann man mit diesem Gewissenskonflikt überhaupt leben?

    Allen die ebenfalls aufgewacht sind rate auch ich Russland zu besuchen und die Menschen kennen zu lernen. Jedoch sollte man dabei immer im Hinterkopf haben, dass es auch in Russland relativ viele Vertreter der von Soros bezahlten Vertreter der fünften Kolonne gibt.
    Diese Menschen – selbst oft Russen – haben sich zum Ziel gesetzt, Russland zur vollständigen Kolonie des Westens umzuformen. Hört man diese Menschen sprechen, so erscheinen mir unsere Massenmedien geradezu moderat. Das sind Antipatrioten.
    Also auch in Russland mit offenen Augen und wachem Verstand durch die Welt gehen.

    1. Es gibt da auch die, die schon zu Sowjetzeiten über alles gejammert oder gemeckert haben, abhängig von der Tagesform. Die jammern und meckern heute auch noch. Aber mit wachem Verstand findet man das schnell heraus.

  13. Hallo Gert,
    auch ich empfinde die uns vermittelten „Informationen“ als verdrehte Lügen und pure Propaganda. Als Kleinunternehmer habe ich viel mit russischen Kunden zu tun, es sind die verlässlichsten Kunden, die ich habe. Immer freundlich und zumeist mit großem Verständnis.
    Das Geschmiere in den Staatsmedien gegen Russland tue ich mir schon lange nicht mehr an.
    Ich halte mich an alternative Infoquellen wie Dein Blog (z.B.) und unabhängige Nachrichtenportale im Ausland.
    Du tust viel Gutes, indem Du die Menschen aufzukären versuchst. Für Russland aber auch für dieses Land !
    Während ich die USA bei mehr als 25 Reisen ganz gut kennen gelernt habe, weiß ich wie dort der Hase läuft. Viele US-Bürger aber trauen ihrem Regime nicht mehr, ich war in der Präsidentschaftswahlzeit von Bush,jun in Texas. In seiner eigenen Heimatstadt Midland sah ich Plakate in den Nebenstrassen „George Bush is NOT my president“ – das will was heißen.
    Leider sind die Bürger dort auch noch machtlos gegen die Kapitaldiktatur. Aber es muss ja nicht heißen, dass das immer so bleibt.
    Als nächstes habe ich mir auf jeden Fall Russland als Reiseziel auf die Agenda gesetzt.
    Und das, weil Du mich mit Deinen Berichten überaus neugierig gemacht hast auf das Land !
    Dafür möchte ich Dir danken !

  14. Top geschrieben und deckt sich mit (nicht nur) meinen eigenen Erfahrungen, speziell was Dialoge mit Menschen angeht, die selbst niemals in Russland waren, aber besser wissen, wie da was abläuft – Krönung: Eine Mitarbeiterin der hiesigen Ausländerbehörde, die glaubt, das ihre Informationen quasi aus erster Hand kommen, da die Spätaussiedler kein gutes Wort an ihrer alten Heimat lassen (als ob einer sagen würde: „Ich komme aus einem sehr liberalen Land, in dem fast alles Bestens ist, solange ich arbeite, aber hier bekomme ich Sozialhilfe!“)

    Weiter so!

  15. Ein hervorragender Artikel, der einmal mehr zeigt, wie verblödet und kriminell die westliche Haßpropaganda inzwischen ist. Ich hoffe nach wie vor, dass es nicht wenige Menschen gibt, die zumindest erahnen, wie verleumderisch das Russlandbild des hiesigen Mainstreams ist. Wer aber diesen Lügen “glaubt”, der tut dies oft mit voller Absicht, um seine/ihre Vorurteile noch fester verankern zu können, weil es doch so schön ist, ein klares Feindbild im Leben zu haben. Leider wird es auch eine Reihe armseliger Trottel geben, die politisch so perspektivlos und ungebildet sind, dass sie sich die Lügen kritiklos reinziehen, um im Chor der Konformisten “mitreden” zu können.

    Ob angesichts solch dreister Lügen den Mainstreammedien überhaupt noch geglaubt werden darf? Ich denke, dass die aggressive Russlandpropaganda tatsächlich nur die sichtbare Spitze eines Eisberges ist, ein entlarvendes Paradigma dafür, dass wohl nahezu alles, was uns dort präsentiert wird, nicht der Wahrheit verpflichtet sondern stets gefiltert ist mit dem Ziel und dem Zweck, die Medienrezipienten im Sinne einseitiger Machtinteressen zu beeinflussen und zu manipulieren. Man kann sich, so glaube ich, hundertprozentig sicher sein, dass so gut wie alle “Informationen” getürkt sind. Selbst die Wetterfrösche müssen heutzutage aufpassen, dass sie nichts “Falsches” sagen. Wenn man das begriffen hat, dann kann man auch verstehen, welch unschätzbaren Wert die alternativen Informationsquellen heute haben!

  16. Danke, Gert Ewen Unger. Ihr „Erweckungserlebnis“ hat mich berührt. Ich teile Ihre Erfahrung, dass man, wie auch Eardwulf schrieb, Freunde verliert und einsam wird, wenn man gegen den ganzen Medienmüll über Russland anargumentiert.

    Nochmals danke.

    1. Auch bei mir ist es so.
      Für meine Bekannten ist Putin der undurchsichtige KGB-Offizier, der Diktator mit eigennützigen Absichten. Die Russen seien unterdrückt und die Medien gleichgeschaltet. Eine vor 8 Jahren ausgewanderte, schulisch hoch gebildete, junge Moskauerin ist in diesem Chorgesang die mich am meisten irritierende Stimme. Sie müsste doch vom damaligen Ausverkauf Russlands wissen, müsste wissen, wie Russland wieder gestärkt worden ist, müsste wissen, dass es kein Gesetzt gegen Ausübung von Homosex gibt, dass die Krim freiwillig sich mit Russland zusammengeschlossen uund so weiter. Aber nein. Alles schlecht in Russland, und die Regierung die Katastrophe.
      Weil ich nur Schreibtischkenner Russlands bin, schenkt man meinen Gegendarstellungen null Glauben.
      Berichte wie der Vorliegende, solche Berichte brauchen wir, und zwar zuhauf.
      Ein drittes Mal heissen Dank!

      1. Ja, aber dass in Russland „alles gut“ ist, darf man auch nicht glauben. Ich komme aus der DDR. Da konnte ich leben, verstand die ausreisewütigen nicht – die haben die DDR NUR schlecht aussehen lassen. Dennoch wusste ich von vielen Verhältnissen, die wir nicht beibehalten wollten und war bei denjenigen, die sie politisch verändern wollten!

    2. Nicht nur über Russland, es ist die gesamte „pro-westlich“ orientierte Presse Meinungswirtschaft, wobei mir bisher noch niemand, wirklich, erklären konnte, wer oder was der „Westen“ eigentlich ist. Russland ist nur ein prima Aufhänger um die Thematik einmal in den Focus rücken zu können. 😉

  17. Ein super Text!
    War mal in der Sowjetunion und vor kurzem in Kaliningrad.
    Ich finde es eine Schande was hier gemacht wird (es ging ja schon zur Olympiade los, als hätten alle möglichen Journalisten einen Startschuss bekommen..).
    Wie gelogen wird und die pure Ignoranz und Faktenresistenz regiert und jeder der widerspricht ein „Putintroll“ sein soll. Wie Leute für manipulierte Beiträge bezahlt werden („Macht mensch Putin“, ZDF), hauptsache die Meinungsmache stimmt.
    Wie eine Psychose, voller Paranoia in den Medien und ihren erbärmlichen Nachplapperern. Zum Schämen. Einfach nur widerwärtig.

  18. Unsere „Regierenden“ sehen in Russland „das Schlechte“ und in der USA / NATO „das Gute“. Sie, unsere Regierung und ihre Presse, hassen wieder öffentlich den Russen, den Putin, „seine olympischen Spiele“ in Sotschi, den Syrier, den Assad, den Hungerleider oder Wirtschaftsflüchtling, den gierigen Griechen, zwischendurch den Smog in China und natürlich die „Islamisten / Terroristen“ im Nahen Osten.
    Danke Herr Unger für Ihren Bericht und Dank an Eardwulf. Ja wir Freunde des russischen Volkes sind zur Zeit einsamer. Der deutsche Michel lässt sich am Nasenring durch die antirussische Manege ziehen, der ukrainische Banderafaschist klatscht Beifall und Heckler & Koch und Rheinmetall stopfen unsere Steuermilliarden für Ihr Waffen in ihre Taschen. Unser Staat rüstet wieder auf gegen den Russen. Ihr Beitrag Herr Unger hilft dabei.

  19. Ein wirklich bemerkenswerter Beitrag, dem ich nur zustimmen kann. Ohne solche Beiträge wäre die Lage wohl aussichtslos – so aber gibt es immer wieder neue Hoffnng, dass möglichst viele diese ausgewogenen Beiträge lesen und sich dann eine diferenzierte Meinung bilden.

    Danke

  20. Wohltuende Worte. In dieser schlimmen, völlig verrückten Zeit ist Deine Meinung die reinste Seelennahrung, danke! Eardwulf hat sehr gut ausgedrückt, wie man sich als kritischer Zeitgenosse wahrnimmt. Über Politik zu sprechen schafft Feinde. Einer meinte mal, wir hätten da wieder einen 30-jährigen Krieg am Laufen. Und ein anderer meinte, das wir schon längst mitten im Dritten Weltkrieg stecken. Da besteht für mich wirklich kein Zweifel. Das einstige Lachen über die geistig minderbemittelte Johnny-Walker-Bush-Posse „Bist-Du-Nicht-Für-Uns-Dann-Bist-Du-Gegen-Uns“ bleibt einem – ob der rasanten Umsetzung Orwellscher Verhältnisse – heute einem im Halse stecken…

  21. Besser und treffender hätte man den Artikel nicht schreiben können. Auch ich war letztes Jahr mehrmals in Russland (unter anderem auch auf der Krim), und meine Erfahrungen decken sich größtenteils mit denen im Artikel (lediglich über die Schwulenszene kann ich nichts sagen, da ich damit noch keine Berührungspunkte hatte). Es ist an der Zeit, dass solche Artikel einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden. Ansonsten setze ich große Hoffnungen auf die Fußball-WM, dass in diesem Zusammenhang auch Leute, die sonst „niemals nach Russland fahren würden“, eine Ausnahme machen und dieses Land besse kennen lernen.

  22. Wir haben einen ausschließlich auf Leistung verkürzten Arbeitsbegriff, dem die soziale Komponente von Arbeit geraubt wurde und sortieren darüber Menschen aus der Gesellschaft aus – Sozial ist das, was Arbeit schaft. Nicht nur eine „dämliche“ Floskel, eher, eine kleine Wahrheit.

  23. … na, das ist ja ein toller Artikel / Blog ! Meinen Hut ab dafuer ! Herzerfrischend zu sehen, dass es (doch) noch einige gescheite Koepfe im Laendle gibt (die die Chutzpah / Traute haben, etwas mit Substanz zu sagen). Wie bei einem guten Essen, ich hab’s zweimal genossen (gelesen). Weiter machen …! =:-)

  24. Solche Artikel, wie die Ihren, sind wichtig, auch wenn sie nur wenige erreichen! Und es bestärkt mich, dieses Land, Rußland, unbedingt zu bereisen.

  25. Die Zeit arbeitet für die Freundschaft zwischen Europa und insbesondere Deutschland mit Russland! Alles andere ist indiskutabel! Es lebe die Europäisch–Russische Freundschaft. Es lebe Russland!

  26. Danke für diesen Artikel,hab ihn über propagandaschau getroffen! Ich bin schon lange ein bairischer Russlandpatriot! War letztes Jahr eine Woche(mindestens die Zeit die man für diese wunderbare Stadt braucht) in St.Petersburg! Dort genau das erlebt was du hier beschreibst! Und zu den weissen Nächten bistd die ganze Nacht unterwegs und würdest schon den Sumpf sehen-wenn er denn da wäre! Aber nur Spass und Freude und volle Regale im Supermarkt und lustige freundliche Leute, (sogar zu mir als Deutschem!!!), gutes,reichliches Essen usw.
    Dieses Jahr Moskau, Krim,Sotchi, ich freu mich! Meine Lebensgefährtin ist Deutschrussin, von Kohl mit falschen Versprechungen nach DE gelockt, aber jetzt mein Glück!(hab in 1967 russisch als Wahlfach gelernt,ein bisschen was kann ich noch, aber vor allem lesen kann ich noch!)
    Kirche: besonders ist wie ernsthaft die Leute in der Kirche sind! Welche persönliche Freude sie an dieser Art Christentum haben! Z.B. der Pfarrer/pope muss verheiratet sein! Da schau her…
    Du hast ganz vergessen diese verfluchten sog. Liberalen zu erwähnen, wie diesen Alfred Koch, die ganz offen wollen, dass RF die Eigenständigkeit aufgibt und Vasall von USA wird!
    Das ist eine wirkliche Gefahr für Russland,hoffe die habn das im Griff!(wirst du bei deinen russ. Freunden auch gehört haben,oder?

  27. Vor drei Jahren war ich noch systemskeptischer Putin-Neutraler, der deutschen MSM als Faktenquelle angenommen hat.. Obwohl schon in 2008 nach der „Hauptsitzung“ in Deutschland schien mir die MSM verdächtig negativ bezüglich Russland.

  28. Vielen Dank für diesen Artikel!! Es entspricht zu 100% auch meinen Erfahrungen aus dem Berufs- und auch Privatleben.
    Ich habe die Hoffnung das nach und nach doch immer mehr Menschen in D die Augen und Ohren öffnen und beginnen selbst zu denken. Gerade mit der Ukrainekrise hat doch die Presse in D begonnen extrem offensichtlich zu lügen. Und genau ab diesem Zeitpunkt haben viele Menschen in meinem Umfeld erstmals begonnen zu hinterfragen was ihnen da tagtäglich aufgetischt wird.

    Vielen Dank und weiter so!

  29. Hallo Gert,

    ich danke Ihnen für diesen hervorragenden Artikel, der mich wieder etwas aufrichtet und den Glauben an die Menschheit nicht völlig verlieren lässt. Auch möchte ich den Nachdenkseiten danken, die auf ihn uner den Links des Tages veriesen haben. Ohne sie wäre ich nie auf Ihren Blog aufmerksam geworden.

    Ich habe Russland etwas kennenlernen dürfen in den frühen 90ern. Als ein hier im Westen als „Demokrat“ gefeierter, korrupter Säufer unter Einfluss US-amerikanischer „Berater“ das Land zugrunde richtete, wertvolle Betriebe und Rohstoffe für ein Butterbrot ausverkaufte und das enthemmte Oligarchentum ermöglichte. Vor jeder Metrostation standen Massen von Menschen, die ihr Hab und Gut feilboten, weil die Renten nicht ausreichten. Alte Mütterchen, die nichts mehr hatten, standen stumm in Unterführungen und hofften auf milde Gaben. Aber – alles blieb friedlich. Welche Leistung dieses Volk dabei erbracht hat, diesen radikalen Umbruch friedlich zu verkraften, wurde hier im Westen nie richtig gewürdigt. Umgekehrt können wir daraus lernen, wie friedlich ein Land bleiben kann, wenn nicht ausländische NGOs die Unzufriedenheit des Volkes schüren und entsprechende Protestaktionen bis Aufstände anzetteln.

    Die Menschen in Russland habe ich als herzlich und warm, kennengelernt, nie mit einem aufgesetzten falschen Lächeln, wie es hier gang und gäbe ist. Ich fühlte mich überall ohne Vorbehalte aufgenommen und wie zu Hause. Nicht selbstverständlich. Russen hätten wie Juden allen Grund dazu, Deutschen gegenüber distanziert zu sein, haben doch ca. 30 Mio Russen im 2. WK ihr Leben gelassen. Kein Volk hatte mehr Opfer zu beklagen. Dennoch kann ich Ihre Beobachtung, dass die Russen uns Deutschen trotzdem wohlgesonnen sind, nur bestätigen.

    Bei meinen ersten Besuchen erfuhr ich, dass Mieten und Kosten für Heizung sehr niedrig waren. Das Gesundheitswesen war für alle Menschen kostenlos. Wenn jemand krank war, kam ein Arzt nach Hause. Dass man sich mit Fieber nach draußen und zum Arzt schleppen muss, weil der keine Lust oder Zeit für Hausbesuche hat, war für einen Russen kaum nachvollziehbar.

    Nach der „Wende“, als das sowjetische System geendet und die freie Marktwirtschaft Einzug gehalten hatte, machte sich im Land überall die Korruption breit. Nun musste man im Krankenhaus erstmal die Ärzte „bezahlen“, damit sie bereit waren, einen aufzunehmen, und für das Essen musste man auch selbst aufkommen.

    Unter Jelzin wurde das Land arm, die Wirtschaft brach zusammen, die Inflation stieg, die Lebenserwartung sank um mehrere Jahre, und die russische Bevölkerung schrumpfte. Putin hat den Trend umgekehrt. Seit seinem Amtsantritt ging es mit Russland insgesamt bergauf. Auch die Zahlen, die das belegen, werden hier gerne verschiegen. Putin hatte nicht die Macht, die Oligarchen sofort zu enteignen (ich gehe davon aus, dass es ihm sonst ähnlich wie JFK ergangen wäre), aber ich denke, er hat unter den gegebenen Umständen das Beste draus gemacht. Dass er nebenbei auch reich wurde, schmälert diese Leistung nicht.

    DIe Bürokratie hingegen war entsetzlich. Keine Ahnung, ob sich das inzwischen gebessert hat.

    Was die hiesige Berichterstattung angeht, kann ich Ihnen ebenfalls nur zustimmen. Nach dem Krieg hat die CIA Herrn Springer erhebliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt, damit er seinen Verlag aufbauen konnte. Heute ist so etwas wohl nicht mehr erforderlich, weil die meisten Zeitungen ungeprüft Agenturmeldungen übernehmen und die jahrzehntelang aufgebauten transatlantischen Netzwerke schon dafür sorgen, dass die Medien unter ihren Kapitalgebern und Alphajournalisten geopolitisch korrekt berichten. Claus Kleber war Korrespondent in den USA und gehört jetzt einem transatlantischen Netzwerk an, was seinen perfiden Kommentaren im heute-journal wirklich jeder entnehmen kann, der noch nicht gehirngewaschen ist. Nur als Beispiel.

    In Zeiten des Informationskrieges sind Blogs wie der Ihre die wahren Kämpfer für Demokratie. Bitte lassen Sie sich nicht unterkriegen und machen Sie weiter so!

  30. Hallo Gert,

    ich danke Ihnen für diesen hervorragenden Artikel, der mich wieder etwas aufrichtet und den Glauben an die Menschheit nicht völlig verlieren lässt. Auch möchte ich den Nachdenkseiten danken, die auf ihn unter den Links des Tages veriesen haben. Ohne sie wäre ich nie auf Ihren Blog aufmerksam geworden.

    Ich habe Russland etwas kennenlernen dürfen in den frühen 90ern. Als ein hier im Westen als „Demokrat“ gefeierter, korrupter Säufer unter Einfluss US-amerikanischer „Berater“ das Land zugrunde richtete, wertvolle Betriebe und Rohstoffe für ein Butterbrot ausverkaufte und das enthemmte Oligarchentum ermöglichte. Vor jeder Metrostation standen Massen von Menschen, die ihr Hab und Gut feilboten, weil die Renten nicht ausreichten. Alte Mütterchen, die nichts mehr hatten, standen stumm in Unterführungen und hofften auf milde Gaben. Aber – alles blieb friedlich. Welche Leistung dieses Volk dabei erbracht hat, diesen radikalen Umbruch friedlich zu verkraften, wurde hier im Westen nie richtig gewürdigt. Umgekehrt können wir daraus lernen, wie friedlich ein Land bleiben kann, wenn nicht ausländische NGOs die Unzufriedenheit des Volkes schüren und entsprechende Protestaktionen bis Aufstände anzetteln.

    Die Menschen in Russland habe ich als herzlich und warm, kennengelernt, nie mit einem aufgesetzten falschen Lächeln, wie es hier gang und gäbe ist. Ich fühlte mich überall ohne Vorbehalte aufgenommen und wie zu Hause. Nicht selbstverständlich. Russen hätten wie Juden allen Grund dazu, Deutschen gegenüber distanziert zu sein, haben doch ca. 30 Mio Russen im 2. WK ihr Leben gelassen. Kein Volk hatte mehr Opfer zu beklagen. Dennoch kann ich Ihre Beobachtung, dass die Russen uns Deutschen trotzdem wohlgesonnen sind, nur bestätigen.

    Bei meinen ersten Besuchen erfuhr ich, dass Mieten und Kosten für Heizung sehr niedrig waren. Das Gesundheitswesen war für alle Menschen kostenlos. Wenn jemand krank war, kam ein Arzt nach Hause. Dass man sich mit Fieber nach draußen und zum Arzt schleppen muss, weil der keine Lust oder Zeit für Hausbesuche hat, war für einen Russen kaum nachvollziehbar.

    Nach der „Wende“, als das sowjetische System geendet und die freie Marktwirtschaft Einzug gehalten hatte, machte sich im Land überall die Korruption breit. Nun musste man im Krankenhaus erstmal die Ärzte „bezahlen“, damit sie bereit waren, einen aufzunehmen, und für das Essen musste man auch selbst aufkommen.

    Unter Jelzin wurde das Land arm, die Wirtschaft brach zusammen, die Inflation stieg, die Lebenserwartung sank um mehrere Jahre, und die russische Bevölkerung schrumpfte. Putin hat den Trend umgekehrt. Seit seinem Amtsantritt ging es mit Russland insgesamt bergauf. Auch die Zahlen, die das belegen, werden hier gerne verschiegen. Putin hatte nicht die Macht, die Oligarchen sofort zu enteignen (ich gehe davon aus, dass es ihm sonst ähnlich wie JFK ergangen wäre), aber ich denke, er hat unter den gegebenen Umständen das Beste draus gemacht. Dass er nebenbei auch reich wurde, schmälert diese Leistung nicht.

    DIe Bürokratie hingegen war entsetzlich. Keine Ahnung, ob sich das inzwischen gebessert hat.

    Was die hiesige Berichterstattung angeht, kann ich Ihnen ebenfalls nur zustimmen. Nach dem Krieg hat die CIA Herrn Springer erhebliche Finanzmittel zur Verfügung gestellt, damit er seinen Verlag aufbauen konnte. Heute ist so etwas wohl nicht mehr erforderlich, weil die meisten Zeitungen ungeprüft Agenturmeldungen übernehmen und die jahrzehntelang aufgebauten transatlantischen Netzwerke schon dafür sorgen, dass die Medien unter ihren Kapitalgebern und Alphajournalisten geopolitisch korrekt berichten. Claus Kleber war Korrespondent in den USA und gehört jetzt einem transatlantischen Netzwerk an, was seinen perfiden Kommentaren im heute-journal wirklich jeder entnehmen kann, der noch nicht gehirngewaschen ist. Nur als Beispiel.

    In Zeiten des Informationskrieges sind Blogs wie der Ihre die wahren Kämpfer für Demokratie. Bitte lassen Sie sich nicht unterkriegen und machen Sie weiter so!

  31. zunächst herzlichen dank – und großer neid auf diesen beitrag.
    neid deshalb, weil wir mit unserem blog einen anderen ansatz haben.
    beim lesen ihres beitrags kam uns eine idee. wie wäre es, wenn sie eine gruppenreise anbieten würden, für all jene, die sich für die realität in russland interessieren. sie als reiseleiter und die vielen leser auf ihrer und unserer seite sind mit sicherheit interessiert, eine andere art einer “ studienreise “ zu machen.
    wir haben ihren beitrag auf unserer seite, ihr einverständnis vorausgesetzt, verlinkt.
    danke und einen schönen tag
    suann redaktion blogblick.de

  32. Ich habe den Beitrag dreimal hintereinander gelesen. Danke. Ich liebe Russland, das Land, die Menschen – Freunde und habe viel von ihrer bodenständigen Lebenstüchtigkeit gelernt. Die offizielle Haltung Deutschlands zu Russland schmerzt mich wie ein Unrecht, vertane Chancen und eine große Dummheit. Meine russischen Freunde berichten von einer wachsenden Mittelschicht, ihnen selbst geht es sehr viel besser als früher. Sie gehen wieder häufiger ins Theater und Konzerte, die Kinder studieren.
    Bei uns ist die Kultur gestrichen, wir sparen für eine nötige Dachreparatur und das Auto muss in die Werkstatt – irgendwas ist immer, deshalb ist die Kultur schon eine ganze Weile gestrichen. Für die Nachzahlung an den Gasversorger, der Winter war mild, wir haben sparsam geheizt, wieso muss ich jedes Jahr nachzahlen?
    Wir fühlen uns wie im Hamsterrad, ja auch unsere Kinder studieren, aber wir schaffen das nur mit Verzicht und ständigem Krisenmanagement, das kostet Nerven. Wir wollen uns nicht unterkriegen lassen, stärken einander im Privaten, versichern wir uns Selbst die Wahrheit. Für unsere nächste Hausmusik haben sie mir ein wunderbares Stück geliefert.

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